In letzter Zeit habe ich immer wieder über schlechte Dienstleistungen in Krankenhäusern berichtet. Die Berichte basierten nicht etwa auf Erzählungen Dritter, sondern überwiegend auf eigenen Erfahrungen. Ich war unmittelbar beteiligt. Ich halte das für umso schlimmer, denn wie groß mag bereits jetzt der Frust in der gesamten Bevölkerung darüber sein, was im Gesundheitswesen zunehmend schief läuft? Und das, obwohl die Kosten auf der anderen Seite geradezu explodieren. Meist lag das nicht am ärztlichen oder am Pflegepersonal, sondern an unerquicklich langen Wartezeiten. In einzelnen Fällen ging es allerdings auch um Fehler, die aus meiner Sicht durchaus auf menschliches Versagen zurückzuführen waren.
Dass zusätzlich die Kosten für die Pflegeversicherung völlig aus dem Ruder laufen und das System vor dem Kollaps steht, kommt noch dazu!
Bei einem Spaziergang trafen meine Frau und ich auf eine Bekannte. Sie ist 85 Jahre alt und erzählte uns eine Geschichte, die ich kaum glauben mochte. Die alte Dame zog sich einen Achillessehnenriss zu, der laut Aussage ihrer Ärzte operiert werden müsste. Sie erhielt eine Einweisung ins Krankenhaus. Die Aufnahmeformalitäten waren in zwei der drei Fälle schon abgeschlossen, als sie in einem Gespräch mit dem jeweils zuständigen Arzt eine Absage erhielt. In allen drei Fällen war die übereinstimmende Aussage: Wir können diese Operationen in ihrem Fall nicht ausführen, weil sie zu alt sind. Nun sollte man denken, die Dame hätte die in diesem Alter fast üblichen Beschwerden und es lägen medizinische Gründe vor, diese Operation nicht auszuführen. Das ist allerdings nicht der Fall. Sie ist, von kleinen altersbedingten Beeinträchtigungen fit bzw. hat keinerlei Vorerkrankungen. Zudem ist sie Privatpatientin.
Also, die alte Dame, die noch ziemlich gut unterwegs ist und einen vitalen, guten Eindruck bei mir hinterlassen hat, wird allein aufgrund ihres Alters nicht an der Achillessehne operiert. Und das, obwohl sie starke Schmerzen beim Gehen hat. Es gibt keine Therapie für ihr Problem. Die Ärzte rieten ihr, das Bein hochzulegen, bis der Schmerz (beispielsweise nach einem Spaziergang) wieder abgeklungen sei.
Ich habe vereinzelt von solchen Beispielen gelesen. Die Geschichten spielten sich im Ausland ab. Erst kurz vor Weihnachten las ich, dass ein weiteres Krankenhaus in unserem Landkreis in die Insolvenz gegangen ist. Es wurde bei der schweren Flut im Jahr 2021 schwer beschädigt und für viel Geld wieder instand gesetzt.
Die Kosten für den Wiederaufbau des Marien-Hospitals belaufen sich laut Rips auf knapp 80 Millionen Euro.
Quelle
Da wird ein Krankenhaus für sehr viel Geld saniert und nach Abschluss des Wiederaufbaus, der 80 Mio. EUR teuer war, Insolvenz angemeldet. Mir fehlen langsam die Worte für das, was sich in unserem Land abspielt. Man wird immer wieder überrascht, welche früher ™ für unmöglich gehaltenen Vorgänge sich vor unser aller Augen abspielen und dass diese Ungeheuerlichkeiten kaum Leute hinter dem Ofen hervorlocken.
Wenn das so weiter geht, könnte die eine Star Trek Folge auch hier Realität werden und ab einem bestimmten alter ein jeder den Löffel abgeben, damit man niemanden mehr zu Last fällt 🙁
@Willi: Ja, das klingt auch so ein bisschen nach … Soylent Green. Vielleicht erinnerst du dich noch?
@Horst Schulte: Schon mal was davon gehört aber noch nicht gelesen oder gesehen.
Das erscheint mir kaum glaubhaft, 85 ist ja kein Alter .
Wenn eine Sehne schon längere zeit gerissen ist, dann lässt sie sich schwer noch flicken. das ist mein Kenntnisstand.
was heisst das? Wurden drei Ärzte konsultiert?!
Das müsstest du nochmal nachschärfen, Horst.
@Gerhard: Da ich es nicht glauben mochte, habe ich nachgefragt. Es waren 2 Orthopäden, einer davon hat die Einweisung ins Krankenhaus geschrieben. Sie war in 3 Krankenhäusern, eines liegt im hiesigen Landkreis, zwei außerhalb. In allen Fällen wurde die Operation abgelehnt. Mit der Begründung, die Patientin sei zu alt.
Solche Beiträge sagen natürlich etwas aus zum Thema. Aber ob das auch alle Einzelfälle abdeckt: Operationen bei 80-Jährigen nicht mehr so risikoreich
https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Operationen-bei-80-Jaehrigen-nicht-mehr-so-risikoreich-253660.html
In der medizinischen Literatur wird erwähnt, dass »viele orthopädische Chirurgen über Achtzigjährige aus Angst vor potenziellen Komplikationen nicht mehr operieren«. Diese Aussage bezieht sich jedoch auf individuelle Zurückhaltung einzelner Ärzte, nicht auf eine systematische Praxis oder institutionelle Politik. Es handelt sich um persönliche Risikoabwägungen einzelner Mediziner, nicht um dokumentierte Fälle von Ablehnung.
Das finde ich ungeheuerlich! Wenn es wenigstens eine Begründung gegeben hätte, wie z.B. »Vollnarkose erforderlich, aber aufgrund div. chron. Krankheiten zu riskant« – aber einfach nur »alt«? Vor allem, wenn sie vorher noch fit war, ist das wirklich schlimm!
`Nebenbei: Der erste Link geht ins Leere. Und der Text unter dem Link auf »Geschichte« hat überhaupt keinen Bezug zum Thema. Ich nehme an, das war dein Plugin…
@ClaudiaBerlin: Mit den Links habe ich es gerade. Es war das Ergebnis meiner Suchanfrage in meinem Blog. Ich habe den Link korrigiert. Es war der Horst, nicht das Plug-in. 🙂
Aufgrund von Gerhards skeptischer Rückmeldung habe ich mich über diese Begegnung noch einmal mit meiner Frau unterhalten. Sie bestätigte mir das, was ich aus diesem Gespräch hier wiedergegeben habe. Offen gesagt kann ich mir gut vorstellen, dass das in unserem Land kein Einzelfall ist.