Höcke hören und überlaufen. Hört sich nicht so negativ an wie es gemeint ist. Schon die über 4 Stunden bei Ben Berndt hatten mir gereicht. Aber ich habe durchgehalten. Wusstet ihr, dass Höckes blödsinniger Vorwurf, im Westen lebten keine Deutschen, sondern Deutsch sprechende Amerikaner aus einem Interview mit Roger Köppel (Weltwoche) kam? Ich nicht.
Ich habe nämlich vor deutlich mehr als einem Jahr Köppels Kanal in meiner Blacklist versenkt. Ich dachte schon gar nicht mehr an ihn, was ich als wohltuend empfand.
Ich werde daran auch nichts ändern. Aber nun musste ich doch mal gucken, was in Zürich so los war. Was überliefert wurde, also dieses erwähnte dumme Zitat Höckes scheint so ziemlich alles gewesen zu sein, was von allgemeinem Interesse gewesen sein könnte – warum auch immer.
Ich lasse gelten, dass beide intelligente, gebildete Männer sind. Mit ihrer politischen Gesinnung, die von einem schlimmen völkischen und nationalistischen Impetus getrieben ist, komme ich niemals klar. Wenn Höcke davon redet, dass wir mehr »Selbstbefreundung« entwickeln und damit primär den »Fliegenschiss« der 12 Jahre nationalsozialistischer Gewaltherrschaft wegwischen sollten, bin ich raus. Aber natürlich hat der Mann mehr zu »bieten«. Er kritisiert – Überraschung! – das politische System in Deutschland und lobt die direkte Demokratie der Schweiz. Das kann ich teilweise verstehen. Aber Höcke hat vielleicht andere Beweggründe, weshalb er das schweizerische System knorke findet. Schließlich ist er der Führer einer populistischen Partei im Aufwind. Den Rest erspar’ ich euch.
Auch die Veranstaltung dauert über zwei Stunden. Die Aufrufe, Likes und Kommentare lassen sich sehen. Von Ben Berndt lernen heißt also wohl doch siegen lernen. Auf der Ebene zumal.
Noch ein Gedanke zu diesen Formaten, deren Erfolg mich allein ob ihrer Länge und Detailtiefe schon ein wenig überrascht hat. Woran mag es liegen, dass Podcasts – nicht nur die von Rechtsauslegern – so erfolgreich geworden sind? Das war ja nicht immer so. Zu Beginn, meine ich mich zu erinnern, wurden sie eher weniger gut angenommen. Aber da mag ich mich irren.
Kürzlich erzählte jemand, ich glaube, es war Lanz in seinem Podcast mit Precht, dass Paul Ronzheimer inzwischen angeblich Reichweiten habe, die in die Nähe seines Arbeitgebers rücken würden. Ich kenne die Gesamtzahlen nicht, habe aber im Kopf, dass BILD (Internetauftritt) nach Spiegel.de wohl eine der reichweitenstärksten Seiten im deutschsprachigen Raum ist.
Woran liegt es also, dass Podcasts offenbar so großes Vertrauen genießen? Oder weshalb sonst hören so viele, so regelmäßig zu? Vielleicht hat es wirklich mit Vertrauen zu tun. Das habe ich auch mal gehört. Es würde sich deshalb so entwickeln, weil die Leute ihr Vertrauen zu den großen Sendern verloren hätten und nun lieber denen zuhörten, bei denen das (noch?) anders sei. Zudem wären die Detailtiefe und -schärfe Argumente dafür, Podcasts zu hören.
Interessant ist jedenfalls, wie sich bestimmte Podcasts in ziemlich kurzer Zeit zu wichtigen Informationsquellen gemausert haben.

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