Kann der Neo-Nationalismus in Europa zu neuen Kriegen führen?

Wenn es nach den Natio­na­lis­ten geht, soll jedes Land sein Heil für sich suchen. Das macht sich im künf­ti­gen glo­ba­len Wett­be­werb bestimmt ganz prima.


| Aktualisiert: 9. Oktober 2020   0 Kommentare 3 Min. Lesezeit

Wenn ich mir anhö­re, was Nigel Fara­ge heu­te zu von der Ley­en gesagt hat, was eigent­lich an die Adres­se der EU gerich­tet war, kom­men nicht gera­de war­me Gefüh­le in mir auf. Es waren über­heb­li­che, har­te Wor­te, an die wir hier in Deutsch­land so nicht gewöhnt sind. Zum Glück, will ich hinzufügen. 

Fara­ge erwähn­te bei die­ser Gele­gen­heit im Jubel­ton eine aktu­el­le Umfra­ge. Danach ist die pro­eu­ro­päi­sche Stim­mung inzwi­schen gekippt. Die Natio­na­lis­ten dort kom­men also offen­bar auch gut voran. 

Nationalistische Ressentiments werden sichtbar

Ich wäre töd­lich belei­digt über die Wor­te, die von Fara­ge und ost­eu­ro­päi­schen Poli­ti­kern in Rich­tung der EU gespro­chen wer­den. Gut, dass ich nichts zu sagen habe. Ich wür­de mit sol­chen Leu­ten gar nicht mehr sprechen. 

Die For­mu­lie­run­gen die­ser Klas­se von Poli­ti­kern haben für mich mit zuge­spitz­ter Rhe­to­rik nicht mehr das gerings­te zu tun. Sie arbei­ten dar­an, Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen herabzuwürdigen. 

Unzufrieden mit der EU

Zuge­ge­ben, sie tun das nicht grund­los. Es gibt lei­der sehr viel, was an der EU aus­zu­set­zen ist. Dass die Defi­zi­te benannt und hart kri­ti­siert wer­den ist nicht das The­ma. Die Fra­ge ist aber, wie man sich ausdrückt. 

Wir sehen, wie die Natio­na­lis­ten inner­halb der EU offen­sicht­lich immer stär­ke­res Ober­was­ser bekom­men. Das gilt vor allem für Groß­bri­tan­ni­en (was uns jetzt egal sein darf) aber halt auch für Län­der wie Polen, Ungarn und Tsche­chi­en. In Frank­reich war­tet Le Pen auf das Schei­tern Macrons. 

Was soll pas­sie­ren, wenn die Natio­na­lis­ten der Mit­glieds­län­dern die EU erst rest­los aus­ge­plün­dert haben (denn das Geld der EU! – neh­men sie ja gern!)?

Keine Gemeinsamkeit außer wirtschaftlichen Interessen?

Ich fin­de, die Ten­denz ist ver­häng­nis­voll, und ich glau­be denen nicht – auch nicht den deut­schen Natio­na­lis­ten -, dass die ein­zig ver­nünf­ti­ge Reak­ti­on die Zer­schla­gung (wie Fara­ge es in sei­ner Anspra­che im euro­päi­schen Par­la­ment aus­zu­drü­cken belieb­te) des euro­päi­schen Pro­jek­tes sein soll.

Die Bri­ten haben eine Volks­ab­stim­mung über den Bre­x­it gemacht. Wir wis­sen heu­te, dass die Prot­ago­nis­ten des Bre­x­it gelo­ben und betro­gen haben. Sie wur­den dafür belohnt. Zu die­sen Lüg­nern und Betrü­gern gehört auch der mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit zum neu­en Regie­rungs­chef gewähl­te Boris John­son. Obwohl die Fak­ten hier­zu hin­läng­lich bekannt sind, waren die Bri­ten das poli­ti­sche Gezänk nach­her so satt, dass sie einen Schluss­strich zie­hen woll­ten. Eine ande­re Erklä­rung fin­de ich nicht. Die Par­al­le­len zu Trumps USA sind unüber­seh­bar. Dort sind jetzt die Demo­kra­ten die Buh-Män­ner. Also ganz so wie Labour in Großbritannien. 

Rechten liegt nichts an Gemeinsamkeiten, die über die in der Familie hinausgehen

Ich höre dem Welt­wo­chen-Chef Roger Köp­pel zu und lese die nach rechts offe­nen deut­schen Medi­en (Cice­ro, Tichy, Ach­gut, Jun­ge Frei­heit sowie­so etc.) und stau­ne immer wie­der Bau­klöt­ze, wie unter­schied­lich die Vor­gän­ge in Groß­bri­tan­ni­en und in den USA gese­hen wer­den. Für mich wer­den dort Schein­ar­gu­men­te geführt, die kei­ner sach­li­chen Über­prü­fung stand­hal­ten. Aber ver­mut­lich liegt es eben nur dar­an, dass ich poli­tisch falsch gepolt bin und halt den Fach­leu­ten und Wis­sen­schaft­lern beson­ders Gehör schen­ke, die eher auf «mei­ner Linie» (was auch immer die ist) liegen. 

Es ist gut, Über­zeu­gun­gen zu haben. Also wird es auch nicht scha­den, mit den eige­nen Über­zeu­gun­gen ande­re zu über­zeu­gen ver­su­chen. Inzwi­schen gelingt das nur nicht mehr. Dar­an erkennt man (angeb­lich) pola­ri­sier­te Gesell­schaf­ten. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass die­se Pole sich auf Dau­er absto­ßen. Irgend­wann folgt der gro­ße Knall. Da will ich lie­ber nicht dabei sein. 

Was hat­te Fara­ge genau gesagt?

Madam Pre­si­dent, after three and a half years of decep­ti­on and dis­ho­nes­ty, we will be lea­ving this pri­son of nati­ons at the end of January.

And we won’t beco­me a third coun­try, as I’ve been hea­ring this morning. No. We’re going to beco­me an inde­pen­dent, self-gover­ning nati­on. And you can delu­de your­sel­ves this morning insi­de this cathe­dral that all is well, but it isn’t. It isn’t.

Peop­le do not want to be run and gover­ned by faceless bureau­crats like Michel and von der Ley­en. Did you hear them ear­lier? Dull as ditchwater.

You’re being rejec­ted, and it’s gre­at news that in Poland, opi­ni­on polls now show a majo­ri­ty of Poles think they’d be bet­ter off out­side the Euro­pean Union.

Bre­x­it is the begin­ning of the end of this pro­ject. We are giving lea­ders­hip and will take it to a Euro­pe of sov­er­eign sta­tes working tog­e­ther, being friends tog­e­ther, but not being run by the gang down at the midd­le there.

Nigel Fara­ge im Euro­pa-Par­la­ment // http://www.europarl.europa.eu/doceo/document/CRE‑9 – 2019-12 – 18-INT‑3 – 068-0000_EN.html
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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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