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Wenn du dich nicht magst, wieso sollten andere dich mögen?


 • Letzte Änderung: 14. Apr. 2021  0 Kommentare

Mir schwante immer schon, dass wir Deutschen wie kein anderes Volk auf dieser Welt es verstehen, uns schlecht zu quatschen. Mich erinnern die Phasen der Pandemie mit ihrer vernichtenden Kritik an beinahe allem, was im Land Verantwortung trägt, an das Sprichwort, man möge doch bitteschön nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.

Reden statt denken

Schließlich sitzt doch ein bisschen von dem in uns, was viele als deutschen Wesenszug erkannt haben wollen. Das Land der Dichter und Denker wollen wir gern sein. Deshalb mischen auch alle mit anhaltender Begeisterung mit, wenn es darum geht, nicht nur unsere Bundes-, sondern auch die Landesregierungen nebst aller Behörden und ihrer Leitungen in die Pfanne zu hauen.

Besser kann man es nicht zusammenfassen:

Palaver statt Tempo

Fünfte These: Wo rasche, pragmatische Lösungen nötig wären, verliert sich Deutschland allzu oft in epische Grundsatzdebatten. Todernst und unversöhnlich wird ebenso über Impfreihenfolgen gestritten wie über Klimapolitik. Noch heute klagt Abend für Abend irgendein Teilnehmer irgendeiner TV-Talkshow wortreich über Fehler bei der letztjährigen Impfstoff-Bestellung, obwohl diese Milch längst verschüttet ist.

aus der NZZ – Artikel: Die Mär von der deutschen Effizienz

Die machen das doch extra, diese Politiker

Ich habe die Hoffnung, dass es manche Deutsche nach und nach stört, wenn sich ausländische Journalisten am deutschen Dilettieren zu delektieren. Dabei ist nicht zu übersehen, dass die Deutschen, die diesem Staat sowieso nichts Gutes wünschen (AfD und andere rechtsextreme Staatsfeinde), ganz besonders den besonders kritischen Kommentaren applaudieren. Nehme ich die üble Propaganda russischer Fake-Nachrichtenseiten wie RT deutsch und Sputnik hinzu, sollte jedem Deutschen bewusst sein, wie gefährlich dieser Frustüberhang auf Dauer für unser Land werden könnte.

getrennte Wege (c) Horst Schulte 2021

Leser meines Blogs wissen, dass ich gern diejenigen kritisiere, die sich ihrerseits mit ihrer Kritik an der deutschen Politik und gewählten Volksvertretern besonders hervortun.

Im Moment liegt meine Neigung, Deutschland und unsere Regierung zu verteidigen, auf niedrigem Niveau. Es ist mit Händen zu greifen, wie rat- und mutlos die handelnden Akteure sind. Schon der Eindruck zerstört Vertrauen in die Instanzen, die all das zu wuppen haben.

Vielleicht liegt das nicht nur daran, wie der Verlauf der Pandemie ist, sondern ist ein Stück weit darauf zurückzuführen, dass die hiesigen Medien ungewohnt kritisch berichten. Von Systemmedien ist jedenfalls nicht zu sehen. Und »Berichten« ist in diesem Zusammenhang das falsche Wort. Es ist selten weniger als ein verbaler Vernichtungsfeldzug. Statt sich an Journalisten wie Georg Mascolo zu orientieren, also an Könnern ihres Fachs, die nicht laut, dafür umso faktenorientierter berichten, wird sowohl auf regionaler als auch auf Landesebene in den Medien bloß geschimpft und nur von Fehlern, Versagen und Schuld geredet.

Es findet, so empfinde ich es, keine faire und sachliche Berichterstattung statt. Sie gleicht eher einer gnadenlosen Abrechnung mit allem und jedem, das in dieser Pandemie Verantwortung hat. Bloß mit der Wahrnehmung der eigenen Verantwortung klappt es oft nicht wirklich. Den Medien mache ich den Vorwurf, von einer eher regierungsfreundlichen zu einer überzogenen, schon fast maßlosen Kritik an den Regierenden mutiert zu sein. Das Schlimme daran ist, dass die Medien von Beginn an Teil des Problems, jedenfalls nie Teil einer Lösung (Kommunikation) waren.

und erst diese Wissenschaftler…

Jeder kriegt sein Fett weg – entweder von der einen oder eben von der anderen Seite. Ich habe den Eindruck, dass sich die Klugen (Drosten zum Beispiel) vom Druck der öffentlichen Debatte befreit haben, in dem sie sich fast komplett zurückgezogen haben. Zum Glück lassen sich andere Wissenschaftler, deren Expertise sich im Verlauf der Pandemie wieder und wieder bestätigt hat, nicht die Butter vom Brot nehmen. Dazu zähle ich natürlich die Professoren Karl Lauterbach, Thorsten Lehr oder Melanie Brinkmann und einige andere.

(c) Horst Schulte 2021

Wenn ich auf der Gegenseite die Aktivitäten solcher Leute wie RA Füllmich oder Sucharit Bhakdi oder auf der politischen Seite Gauland, Weidel oder Curio verfolge, weiß ich ganz schnell wieder, auf welcher Seite ich stehe.

Zeit nicht genutzt?

Der solide politische Umgang mit dem Beginn der Pandemie im letzten Frühjahr hatte bei vielen zu einem Gefühl von Sicherheit (vielleicht auch Überheblichkeit?) geführt. Von Sommer bis Herbst hatte sich bei vielen Deutschen das Gefühl eingestellt, wir hätten die Pandemie überwunden. All die Schwüre und Statements von Politik und Medien, was man für den Fall der Fälle alles anders, sprich besser, machen wolle, waren Lippenbekenntnisse, die schlussendlich dazu geführt haben, was uns seit Oktober letzten Jahres blühte.

Viele der Länder, in denen die Pandemie katastrophal mit vielen Opfern begann, nutzten den Sommer des vergangenen Jahres besser als Deutschland. Und doch wurden auch sie durch die Mutante eingeholt und zu Maßnahmen gezwungen über die wir in Deutschland einiges wissen. Wenn aber die »üblichen Verdächtigen« (Experten) sagen, dass schließlich nur strenge Lockdowns gewirkt hätten, wird ihnen von anderen Experten widersprochen. Jeder Pressefuzzi, jeder Talker, jeder Blogger, jeder Nutzer der sozialen Netzwerke äußert sich kritisch und immer herablassend, quatscht von Versagen und gern auch, was fast schon wieder witzig ist, von einer nicht existierenden Fehlerkultur. Natürlich meinen sie nicht ihre Fehler, sondern immer nur die der anderen.

In diesem Spannungsfeld finden politische Entscheidungen statt, die effizient und natürlich auch fehlerfrei sein sollen. Da kann ich nur sagen: Viel Glück dabei!

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