Alle in ihrer Blase. Wie umgehen mit den Feinden der Demokratie?

15 Gedanken

10 Min.



Merken

Früher ™ hat man sich gefetzt. Die Roten mit den Gelben, die Schwarzen mit den Roten und alle miteinander. Mir hat das Spaß gemacht und trotz unterschiedlicher Ansichten entwickelte sich Sympathie für so manchen, den man auf der anderen Seite wähnte. Nicht zwingend für seine Ansichten, doch für die Person schon.

Die Scharmützel fanden in unseren Blogs statt, bei Twitter, Facebook oder auch im Kommentarbereich von YouTube.

Heute ist es anders. Die Leute tummeln sich in ihrer Blase, einen Austausch vermeidet man. Wir sind desillusioniert, weil sich die Sichtweisen festgefahren haben, die Diskussionen bringen nichts mehr, weil sie das Gegenteil von inspirierend sind und oft genug so ausarten, dass man sich am Schluss fragt, weshalb man sich überhaupt eingemischt hat.

Täusche ich mich oder ist dieser Eindruck zutreffend?

Wahrscheinlich treibt es viele um, dass die AfD in Deutschland längst eine feste Größe geworden ist. Dass unsere Politiker vollmundig, wie sie so oft daherkommen, ihre Versprechen, diese Nazi-Partei kleinzuhalten, gebrochen haben, macht betroffen und wütend. Noch wütender und verstörter, als viele es aufgrund der schrecklichen Politik, die in Berlin gemacht wird, ohnehin bereits sind.

Sicher ist es zutreffend, dass man nicht allein die Parteien für die Entwicklung verantwortlich machen sollte. Schließlich trifft jeder, der an Umfragen der Meinungsforschungsinstitute teilnimmt, seine eigene, freie Entscheidung, wenn er in seinem Frust für die AfD votiert. Insofern soll mir keiner später damit kommen, dass er das nicht gewollt habe. Denn eins ist inzwischen klar. Ohne die AfD wird in manchen Teilen Deutschlands kein Landesparlament mehr zu einer regierungsfähigen Mehrheit kommen.

Allein schon wegen dieser realen Bedrohung verstehe ich nicht, dass es im Land nicht eine große Protestwelle nach der anderen gegen diese Knallköpfe und ihre Anhänger gibt.

Was mich sehr stört, ist auch, dass die Rechtsextremen (also die AfD und ihre Unterstützer und Helfershelfer) so unübersehbar und deshalb erfolgreich, die asozialen Medien bespielen. Dabei bin ich seit Jahren dort kaum noch unterwegs. Trotzdem fallen mir diese ständigen „Statements“ und oft mit Lügen befüllten Memes der Rechten auf. Da werden Versatzstücke irgendwelcher AfD-Leuchten herausgepickt und gegen Aussagen demokratischer Parteienvertreter gestellt. Die scheuen sich kein Stück, mit Lügen die Leute aufzustacheln und – keine Überraschung – in diesem Umfeld verfängt alles, was irgendwie von Revanche bis Mütchen-Kühlen reicht.

Die Begriffe und Behauptungen sind regelmäßig erlogen. Selbst nach Jahren werden längst als Lügen entlarvte Behauptungen (Faktenchecks) über die politischen Lieblingsfeinde der AfD, aber auch über die Demokratie an sich herausposaunt und nichts wird gegen diesen Wahnsinn unternommen. Läuft solcher Dreck mit Duldung unserer Gerichte wirklich unter Meinungsfreiheit? Nun, wir sind ja einiges gewohnt. Schließlich werden häufig genug Gerichtsentscheidungen öffentlich, über die ich nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Und die betreffen nicht die AfD, sondern oft deren „Lieblingsthemen“.

Es gibt Newsletter von Jens Span oder Lars Klingbeil, die ich abonniert habe. Die Öffentlichkeitsarbeit dieser beiden betrachte ich fast als positive Ausnahme. Gut, es wird noch andere in anderen Parteien geben. Aber die „Arbeit“ der AfD scheint mir viel besser getaktet und deshalb wirkmächtiger zu sein. Ich mag mich diesbezüglich irren. Wenn ich aber recht habe, sollten wir uns auch nicht darüber wundern, dass die Hetzer ständig in den Meinungsumfragen zulegen.

Das verheerende ist, dass die AfD leider einige Punkte anspricht, die nicht notwendigerweise unberechtigt wären. Mit anderen Worten: Auch die AfD liegt nicht immer falsch. Jedenfalls sehe ich das so. Ich bin über den Punkt hinaus, dass ich jede Position in die Tonne trete. Der Bundestag scheint bedauerlicherweise längst nicht so weit zu sein. Dort werden prinzipiell alle Anträge der AfD (auch der Linken?) abgeschmettert. Dass man das im politischen Raum als „Keine Zusammenarbeit mit der AfD“ framt, ist längst der Lächerlichkeit anheimgefallen.

Die Wahrheit scheint eher die zu sein, dass dieses Verhalten unserer Parlamentarier der AfD geholfen hat. Das macht deutlich, mit welchen unfähigen Leuten wir es in den Parteizentralen offenbar zu tun haben. Dass die keinen Arsch in der Hose haben und sich von irgendwelchen Schmierlappen der AfD in aller Öffentlichkeit (trotz der wenigen Auftritte von AfD Vertretern im deutschen Fernsehen) vorführen lassen, ist ernüchternd und beschämend zugleich.

Roger Köppel, Weltwoche, sieht es als seine (kommerzielle) Verpflichtung an, wie übrigens auch der Chefredakteur der NZZ, Gujer, gegen die Fehler der deutschen Politik zu geifern. Die beiden wissen natürlich, wie hoch das Potenzial der unzufriedenen Deutschen ist, die sich von unseren Medien schlecht bzw. allzu einseitig informiert fühlen. Maaßen, dieser umstrittene Ex-Präsident unseres Inlandsnachrichtendienstes, nannte die NZZ das „Neue Westfernsehen“. Mehr muss man über den nicht wissen!

Ich kann das manchmal auch nachvollziehen, weil ich sehe, wie überaus „wohldosiert“, kritische Beiträge über die Regierungsarbeit in Berlin platziert werden. Mich erinnert das an die Vorträge eines Prof. Mausfeld, der schon vor Jahren oft darüber geredet hat, wie die Wirkungsweise der Medien auch unter Einbeziehung mancher kritischen Tatbestände funktioniert. Merkwürdig wird es für mich, wenn ich Menschen wie Albrecht Müller, Nachdenkseiten, zuhöre, wie dieser in Interviews (beispielsweise mit der Weltwoche) Äußerungen über den Zustand unseres Landes macht, die ich von einem Menschen wie ihm niemals erwartet hätte. Gut, Menschen ändern ihre Haltung, auch ihre politische. Ich bin auch ein Beispiel dafür. Allerdings sind mir im Falle von Herrn Müller die Gründe dafür nicht eingängig.

Der erwähnte Chef der Weltwoche, Roger Köppel, erklärt ständig, wie überragend bedeutend, die Neutralität, Unvoreingenommenheit und Offenheit der Medien in einer Demokratie seien. Er kritisiert dann nicht etwa nur die deutschen Medien, sondern auch viele im eigenen Land. Die NZZ gehört auch dazu. 🙂

Wer würde dem widersprechen wollen? Wenn er dann allerdings die deutsche AfD in einer seiner gelassenen schweizerischen Art verharmlost und natürlich auch nicht zu Unrecht mit der österreichischen FPÖ oder seiner eigenen SVP vergleicht, komme ich ins Grübeln. Ist es so, dass wir in Deutschland auch aufgrund unserer nationalsozialistischen Vergangenheit überempfindlich, ja hysterisch, auf den braunen Horizont starren, der auf uns zuzurücken scheint?

Wir wollen in Deutschland keinen Ausländerhass. Wir bilden uns etwas auf unser Grundgesetz ein, das im internationalen Kontext kaum seinesgleichen wiederfindet. Auch deshalb war klar, dass der Vorschlag des CDU-Mannes, Thorsten Frei, § 16 des Grundgesetzes, also das Asylrecht, durch etwas Zeitgemäßes abzuschaffen, voll nach hinten losging. Ich spreche von Mehrheiten, nicht nur von lauten links-grünen Gruppen, die auf solche Vorschläge fliegen – wie Kai aus der Kiste. Die Mehrheit ist gegen die Vereinfacher von rechts außen.

Aber wir möchten Ordnung im Land. Darüber habe ich hier, bestimmt auch zum Leidwesen meiner Leser, den einen oder anderen Artikel verfasst. Dass das Thema seit 2015 (aber es gärte schon davor – 1990-er Jahre) ist nichts Neues. Ich habe den Eindruck, mehrheitlich wollen wir Menschen in Not helfen. Das beweisen Umfragen, aber vor allem auch das enorme ehrenamtliche Engagement im ganzen Land. Die Tatsache, dass wir uns mit unseren humanitären Ansprüchen übernehmen könnten, scheint für viele immer noch kein Thema zu sein. Wir machen so weiter, als könnten wir unbegrenzt weiter Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen. Das geht nicht gut!

Wir wollen die Umwelt schützen und bestreiten angesichts eigener, sichtbar und fühlbar gewordener Erfahrungen nicht, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt. Wenn sich Menschen nicht zu den notwendigen und unvermeidlichen Veränderungen bekennen und diese Zeit nicht nur weniger Komfort, sondern letztlich bedeutet, von allem weniger zu haben, muss man ihnen zugestehen, für diesen Lernprozess Zeit zu brauchen. Und zwar auch dann, wenn wir zugegebenermaßen nur wenig davon haben. Vielleicht haben wir unser Zeitkonto allerdings auch schon überzogen. Die Politik (nicht nur die Grünen) macht es uns nicht leicht, längst gewachsenen Einsichten zu folgen. Dafür sorgen vor allem die Stimmen, die immer noch so tun, als seien die Veränderungen ohne Einschnitte für uns möglich.

Aus der Portokasse des Staates sind all die Notwendigkeiten nicht zu finanzieren. Dass diejenigen (AfD, Teile der FDP und der Union) in diesem unnötigen, unproduktiven „Spiel“ die verantwortungslose Nebenrolle des Nichtsnutzes übernommen haben, sollte man eigentlich nicht einmal erwähnen. Sie punkten bei manchen damit, dass sie behaupten, alles sei nur grüner Mumpitz. Wenn es doch so wäre.

Unser Engagement für die Ukraine sehe ich persönlich kritisch. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir nicht vorstellen, dass etwas daran sein sollte, dass die Ukraine im buchstäblichen Sinne unsere Front gegen die putinschen Hegemonialansprüche darstellt. Aber was weiß ich schon? Jedenfalls danke ich Gott dafür, dass ich in diesem Szenarium keine Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen habe, die das Wohl und Wehe unseres Volkes und vielleicht sogar von anderen Teilen Europas betreffen. Dass wir nach den USA inzwischen zum größten Geldgeber avanciert sind, missfällt mir. Und ich mag es überhaupt nicht, wenn unsere Medien den Eindruck vermitteln, als ginge es in der Hauptsache darum, dass wir Deutsche diejenigen zu sein hätten, die ganz vorn mitlaufen. Wir sollten unsere Interessen im Auge halten und diese wahrnehmen. Mit dieser Regierung scheint das leider nicht zu machen zu sein. Wir tun uns hervor, um uns hervorzutun. So wirkt das Gerede um unsere Beteiligung auf mich, und zwar von Anfang an.

Dass wir die ukrainischen Flüchtlinge gut aufgenommen haben und die Menschen nach Kräften unterstützen, finde ich gut. Nicht gut finde ich aber, dass ein Perspektivwechsel auf die Seite, also die der anderen Flüchtlinge, gar kein gutes Gefühl hinterlässt. Warum unterscheiden wir derart stark und statten die einen mit gewaltigen Privilegien aus, während wir die anderen, notfalls gewaltsam, von unseren Außengrenzen fernhalten? Das ist eine Frage, die mich beschäftigt. Die eingeführte Änderung (Chancen-Aufenthaltsrecht) ändert daran nichts.

Alles wäre so einfach, wenn Politik mutiger wäre. Wenn uns die Politiker nicht das Gefühl vermitteln würden, alles sei irgendwie schon zu wuppen. Es deucht den meisten Menschen, dass sich gravierende Veränderungen abzeichnen. Dazu gehören die Folgen des Klimawandels, für den Moment die Gefahren einer Eskalation des Krieges in der Ukraine, aber vor allem die Veränderungen, die uns unser Leben über dem Limit eingebrockt haben. Der Staat ist hoch verschuldet, die ökonomischen Perspektiven sind nicht gut und für viele Transferleistungen wird das Geld nicht mehr vorhanden sein. Nun leben aber in unserem Land zig Millionen Menschen (2019 = 6,9 Mio. Menschen) von Transferleistungen. 38 % der Bürgergeldempfänger (früher Hartz IV) waren im Jahr 2020 Menschen mit migrantischer Herkunft. Dabei repräsentieren diese Menschen nur 10,7 % der Gesamtbevölkerung. In den Vereinigten Staaten sind Ausländer in der Arbeitslosenstatistik unterrepräsentiert, hier ist es andersherum. Aber natürlich sagen manche, dies sei allein unsere Schuld. Nirgendwo auf dieser Welt werden Ausländer schließlich schlechter behandelt als hier in Deutschland. Egal, was wir tun, es ist immer zu wenig und ohnehin von rassistischen Tendenzen geprägt.

Die Politik vermittelt uns Bürgern, dass all dieses erforderliche Geld da ist. Dass es für viele zu wenig ist, steht nicht in der Diskussion. Geld hat einfach da zu sein und die Politik verteilt es mit offener Hand. Es scheint oft, als gäbe es einen Anspruch auf staatliche Unterstützung. Dabei ist genau das – selbst wenn unsere Gesetze und Verordnungen das zum Teil so regeln – überhaupt nicht selbstverständlich. Wenn nämlich keines mehr da ist und die Schulden nur noch für einen gewissen Zeitraum weiter in Kauf genommen werden könnten – irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Diese Vision könnte für viele Deutsche zum Schreckensszenarium werden.

  • Log in or sign up to view It looks like you were misusing this feature by going too fast. You’ve been temporarily blocked from using it. https://ift.tt/nCr4XUQ —
  • Zur Abschreckung hergezeigt und vorgeführt Der kleine Bildausschnitt aus dem Video, auf dem keine Männer hergezeigt werden. Dieses Video ist in seiner Kälte wirklich besonders erschütternd. Man sieht Kristi Noem,
  • „E-Mail, Adressbuch, Kalender und Notizen: Auf dieser Seite finden Sie alle Leistungen, die Sie für 1 Euro pro Monat erhalten. Posteo steht für maximalen Datenschutz, konsequente Nachhaltigkeit und innovative Verschlüsselung:
  • Inhalt von Instagram anzeigen Hier klicken, um den Inhalt von Instagram anzuzeigen. Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Instagram. Inhalt von Instagram immer anzeigen View on Instagram https://instagr.am/p/DH8-pBcKSk7/ hmmmm
  • Inhalt von Instagram anzeigen Hier klicken, um den Inhalt von Instagram anzuzeigen. Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Instagram. Inhalt von Instagram immer anzeigen View on Instagram https://instagr.am/p/DH85k1FKMF6/ Bald .…

Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 71 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (auch aus Überzeugung) auf dem Land.

hs010225 a

AfD, Arbeitslose, Demokratie, Fehler, Nazis, Politik, Regierung

Quelle Featured-Image: Standardbild...

Letztes Update:

109 Views
Anzahl Worte im Beitrag: 1977

In der gleichen Kategorie blättern:

15 Gedanken zu „Alle in ihrer Blase. Wie umgehen mit den Feinden der Demokratie?“

  1. „Dass unsere Politiker vollmundig, wie sie so oft daherkommen, ihre Versprechen, diese Nazi-Partei kleinzuhalten, gebrochen haben, macht betroffen und wütend.“
    Wie hätten sie es denn machen sollen? Z.B. denkt Merz bestimmt, dass es funktionieren würde, Sprachfiguren und Inhalte der AFD zu übernehmen – klappt aber nicht, die Leute votieren fürs Original. Falsch war, so etwas überhaupt zu versprechen, denn es liegt nicht in der Macht „der Politiker“, „die AFD klein zu halten“ – das ist viel zu abstrakt formuliert und über die Gründe des Aufstiegs gibts ja nicht mal einen Konsens!

    Dein Artikel bezieht sich auf viele Themen, ich nehme mal die Klage über die Verschuldung raus, weil ich da völlig anderer Meinung bin. Aus meiner Sicht ist Lindner der Bremsklotz für vieles, was jetzt nötig wäre, um die Unzufriedenheiten zu dämpfen und auch, um dringende Maßnahmen zu finanzieren, die den Niedergang als Industriestandort aufhalten können. Z.B. braucht es einen subventionierten Strompreis für energie-intensive Unternehmern (NUR für diese!), damit sie nicht abwandern. Denn rund um DE herum gibts den überall!
    Dass auch sozialpolitische Maßnahmen im Kampf gegen rechts eher erhöht als gestrichen werden sollten (Jugendzentren, Bildungsprojekte, Gemeinwesenarbeit usw.) liegt angesichts der Fakten m.E. auf der Hand!
    Ganz allgemein muss jetzt investiert werden, um die Energiewende zu schaffen und abzufedern. Jetzt auf der Schuldenbremse zu beharren, ist kontraproduktiv und verschlimmert die Lage!

    Es ist ja nicht so, dass die Schuldenquote (66,3% des BIP) Deutschlands exorbitant wäre! Österreich 78,4, Frankreich 111,6, Spanien 113,2, Italien 144,4, Eurozone gesamt 91,6. Quelle. Und Staaten mit sehr niedriger Schuldenquote zählen nicht etwa alle zu den prosperierenden: Rumänien 47,3, Bulgarien 22,9, Tschechien 44,1, Polen 49,1….

    Das Denken „schwäbischer Hausfrauen“ auf Staaten zu übertragen, ist schon lange falsch.

  2. Dass ich mir um „die Wirtschaft“ durchaus Sorgen mache, hättest du ja daran erkennen können, dass ich einen gedeckelten Strompreis für energieintensive Betriebe fordere! Wenn das um uns herum gemacht wird, wieso sollte es bei uns nicht gehen?
    Dass unsere Autoindustrie es nicht rechtzeitig schafft, bezahlbare E-Autos auf den Markt zu bringen, ist DEREN Versäumnis und das der jeweils zuständigen Regierungen und Minister, die vergehende Technologien partout erhalten wollen. Nicht beachtend, dass der Wohlstand von gestern/heute nicht durch Festhalten an Überkommenem gesichert wird. Die Chineses werden in diese Marktlücke springen – und das ist sicher nicht „Schuld“ der Grünen!

    Das angeblich so furchtbar schreckliche Heizungsgesetz (das nun mit staatl. Subventionen versehen ist) ist m.E. nur durch vorzeitige Leaks unfertiger Entwürfe und massive Hetze von rechts und der Springerpresse so extrem skandalisiert worden. In anderen Ländern wird davon nicht so ein Bohai gemacht, sondern eingebaut:

    „“Klassenbeste“ sind – wie so oft bei internationalen Vergleichen – die Nordeuropäer. Spitzenreiter ist Finnland mit 69,4 errechneten Wärmepumpen auf 1000 Haushalte. Es folgen Norwegen (62,2), Schweden (39,3) und Dänemark (29,8). Rang vier belegt Italien (19,5). Danach kommen Frankreich (14,9) und die Niederlande (14,8) sowie Polen (13,8), Tschechien (12,4) und Österreich (12,2).
    Noch knapp vor Deutschland sind die Schweiz (10,6), Spanien (8,6), Portugal (7,9) und Belgien (6,5).

    https://www.mainpost.de/ueberregional/im-fokus/heizen-waermepumpe-andere-laender-art-11102261

    Ich spreche das an, weil das Heizungsgesetz mittlerweile ganz gut ist, eben auch, weil „sozial flankiert“, also entsprechend subventioniert werden wird. Ohne das wäre es wohl nicht gegangen, sprich: Ohne Förderung der Energiewende wird die nicht klappen! Wenn die Wende aber geschafft ist, entfallen die entsprechenden Subventionen wieder… warum also nicht?

    Die Umrüstung der Heizungen erfolgt ja im übrigen nicht zeitgleich oder in kurzer Zeit, sondern über viele Jahre. Gasheizungen (hab selber eine) kann man schier „ewig“ reparieren und sie sind ja grundsätzlich auf 30 Jahre Laufzeit angelegt.

    Dein derzeitiges Lieblingsthema: Zu glauben, man könne Flüchtlinge auf Dauer einfach abhalten, indem man z.B. das Asylrecht ändert, halte ich für falsch. Es wäre nicht nur unmenschlich gegenüber Kriegsflüchtlingen und wirklich politisch Verfolgten, es würde nicht funktionieren, sondern erhöht die Zahl der in der Illegalität verbleibenden Einwanderer und somit auch der Kriminalität, weil deren Möglichkeiten zu arbeiten noch weiter beschränkt würden.

    Der ständigen Klage über nicht arbeitende Flüchtlinge setze ich die Erfahrung meiner Schwester (die in einer Unterkunft arbeitet) entgegen: Es wollen durchweg mehr arbeiten als arbeiten dürfen! Die gehen dann teilweise morgens zum Bahnhof und lassen sich als illegale Tagelöhner für lächerliche Löhne von Interessenten abholen! Schnellere Arbeitserlaubnisse, Rücknahme der Zustimmungspflichtigkeit (dauert meist zulange, um ein konkretes Arbeitsangebot annehmen zu können) und schnellere Anerkennung anderswo erworbener Berufs- und Schulabschlüsse würde hier wesentliches verändern. Und angesichts des Arbeitskräftemangels auch in wenig qualifizierten Jobs wundere ich mich, dass da noch immer nicht mehr und nicht schneller geändert wird.

    Es gibt Flüchtlinge, die nicht arbeiten wollen, ja. Wie ich von meiner Schwester höre, sind das z.B. afghanische Frauen, traditionell erzogen und gekleidet, zugewandert mit 5, 6 und mehr Kindern! Die haben schon allein wegen der vielen Kinder keine Zeit zum arbeiten – wollen das aber auch nicht. In dem Kontext ist auch zu verstehen, dass manche Afghanische Männer angebotene Arbeitsstellen ablehnen, weil das Geld nicht reichen würde, „um ihre Familie zu ernähren“. Hier fehlt ganz deutlich die Info, dass es hierzulande Kindergeld gibt und fast niemand so viele Kinder mit einem einzigen Verdienst durchbringen könnte. Würde man sich jetzt zumindest um die integration dieser Kinder richtig kümmern (Kinder sind gut lernfähig und willens), wäre das richtig gut für unseren überalterten Staat!

    Genug für jetzt, ich ufere sonst aus…

  3. Merke: Eine vom Geldadel und den Juneitet Stets abgenickte Demokratur des Feudalismus macht noch lange keine Demokratie. Die Klassenjustiz beweist es anschaulich.

    Haben die Schweden ein Heizungsgesetz ? Nö. Da käme keiner auf so eine Idee. Aber sie haben die Infrastruktur für Wärmepumpen. Und Handwerker, die die einbauen.

  4. @Claudia, das mit dem gedeckelten Strompreis finde ich gut. Solange es sich um Verbraucherpreise handelt. Wenn Habeck sich aber nun daran macht, einen Industriepreis für besonders stromintensive Betriebe zu fordern, steige ich aus. Ich denke nämlich, dass es durch diese Subvention (wieder eine mehr!) auch dazu kommt, dass nicht mehr wettbewerbsfähige Unternehmen künstlich am Leben gehalten würden. Außerdem darf bezweifelt werden, dass diese ab 2030 (wie Habeck sagt) wieder abgeschafft wird. Fachleute erinnern an die Schaumweinsteuer. Die galt lange über die geplante Zeit hinaus. Ähnlich war es – diesmal anders herum – mit dem Soli.

    Du sprichst ja die Gefahren (Reite kein totes Pferd) selbst an, wenn du auf die Automobilindustrie zu sprechen kommst. Ich bin gespannt, wie das überhaupt mit den E-Autos weitergeht. Leider scheint festzustehen, dass unsere Autohersteller vom Wandel (wenn er denn so kommt) nicht profitieren werden. Das ist nicht allein Sache der Politik. Wissings Arm ist nicht so lang. Das haben sich die Herrn Manager in den Chefetagen selbst zuzuschreiben.

    Ich habe die Grünen nicht für den zu erwartenden Niedergang verantwortlich erklärt. Mich stört ihr Gehabe insgesamt. Sie lassen keinen Widerspruch in keinem der großen Themen zu, sie denken mit ihrem Wissen und ihren moralisch ach so erhabenen Vorstellungen die Welt aus den Angeln heben zu dürfen. Das macht mich kirre.

    Die Zahlen über die im Ausland schon vorhandenen Wärmepumpen sind mir schon begegnet. Ich weiß, wie schlecht es beim Heizen (wie beim Verkehr) bei uns ausschaut. Jede Kritik daran ist berechtigt. Ich meinte allerdings die Kosten, die unser Staat für die Einführung dieser Technologie aufbringen muss. Diese kennt heute noch niemand. Aber sie werden Milliarden verschlingen. Nun wirst du sagen, dass das dann nun einmal so ist. Schließlich können wir nicht so weitermachen. Stimmt! Wir hätten uns diesen blöden Rechtsruck vielleicht zum Teil ersparen können, wenn die Grünen nicht in dieser lächerlich grotesken Art Politik machen würden. Diese Tatsache hat den Rechten für ihre Tiraden Tür und Tor geöffnet. Viele der Leute, die jetzt in den Meinungsumfragen die AfD als Ausweg betrachten, meinen das wahrscheinlich nicht ernst. Sie werden diese Leute nicht wählen. So meine nicht gerade stark ausgeprägte Hoffnung.

    Ich bin nicht gegen Flüchtlinge oder dass wir Menschen in Not helfen!

    Wie kommst du darauf? Wenn ich hier immer wieder Missstände anprangere, ist das nicht gleichzusetzen mit der Forderung, die du mir unterstellst. Wahr ist allerdings, dass ich nicht mehr bereit bin, die Ordnung im Land irgendwelchen gutmenschlichen Vorstellungen unterzuordnen. Ich denke an die ständigen Auswüchse von Clans, die in deutschen Städten ihr Unwesen treiben, ohne dass dies lagerübergreifend als Problem erkannt und beschrieben wird. Wenn Migranten nicht arbeiten gehen, hat das viel mit der deutschen Bürokratie zu tun und mit Restriktionen, die leider schon seit Jahren gelten und immer noch nicht abgeschafft wurden. Trotzdem sind mir deine Erklärungen (das Beispiel mit der afghanischen Familie) nicht überzeugend. Einerseits kommen die meisten Migranten nach Deutschland (oder ist an dieser Aussage etwas falsch) und gleichzeitig bekommen wir von Aktivisten penetrant und ununterbrochen vorgeworfen, wie schrecklich Deutschland sei. Das kann man doch nicht einfach stehen lassen.

    Ich will nicht das Asylrecht ändern! Wo habe ich etwas derartiges gesagt? Der Vorstoß von Frei ist leider nur eine logische Folge aus einer Entwicklung, die das Thema bestimmt. Den Leuten wirds zu viel. Ich hoffe nicht, dass du die alle zu Nazis erklärst. Dass ich heute gegen links-grüne Vorstellungen bezüglich des Umanges mit diesem schwierigen Thema opponiere, hat nur damit zu tun, dass ich sehe, wie überfordert unser Land inzwischen ist. Aber davor scheinen andere, du auch!, einfach die Augen zu verschließen.

    Wir haben zu wenig Kitaplätze. Das ist ein Problem für die Gesamtbevölkerung. Hätten wir diese Defizite nicht, könnte die Mutter arbeiten gehen, trotz ihrer 5-6 Kinder. Ja, wenn ich so etwas so lakonisch ausspreche, mache ich mich angreifbar. Aber alles dem Staat in die Schuhe zu schieben und die Verantwortung macht für mich keinen Sinn. Wir können es uns nicht mehr leisten, immer mehr und mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Wir müssen damit beginnen, unsere Interessen (Arbeitsplätze, Facharbeitermangel, Arbeitermangel) ins Zentrum aller Bemühungen zu stellen. Unsere Bevölkerung ist mehr als 84 Mio. Menschen stark. 4 Mio. mehr als Schätzungen vor wenigen Jahren noch ausgewiesen haben. Wie lange kann unser Land die damit verbundenen Lasten tragen und was, wenn wir nicht mehr dazu in der Lage sind? Übernehmen dann die gewalttätigen Clans und ähnliche Gruppierungen das Land? Jetzt ist die Polizei schon nicht mehr in der Lage, diesen Leuten etwas entgegenzuhalten. Das wird dann als Lob gegen Polizeieinsätze formuiert. Die Polizei habe deeskalierend gehandelt. Was für ein Quatsch. Die waren schlicht nicht in der Lage, diesen Tumulten Herr zu werden.

    Auch wenn sich das für dich überkritisch oder von mir aus rechts anhören mag, ich bin es leid, mich dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich nicht mehr dazu bereit bin, bei den Parteien mitzumachen, die das alles einfach laufen lassen. Aber nicht aus Mitmenschlichkeit, sondern weil es ihnen zu anstrengend ist, sich mit ihrer Klientel anzulegen.

  5. wow. slow clap. dieser artikel ist echt.. stark.

    einerseits gegen die afd und nazis wetteren und dann den artikel damit beenden, dass wir aufhören müssen so viele und immer mehr flüchtlinge ins land zu lassen, was ja eine der forderungen ist, die die afd und leute von rechtsaußen von der cdu und csu überhaupt erst gesellschaftsfähig gemacht haben. sie bedienen rechtsradikale narrative.

    einfach nur vollkommen krank, aber echt ein super beispiel dafür, wie rechts und rassistische selbst der sich am linkesten wähnende deutsche drauf ist heutzutage.

    zum glück habe ich am ende noch ein wenig runtergescrollt und gesehen dass sie 70 jahre alt sind. das (und der name ‚horst‘) erklärt so ziemlich alles.

    leider haben auch sehr viele ab 20 jährige weisse deutsche so ein mindset.

    ich finds nur lustig, dass dieser herr hier denkt, auch nur ansatzweise anders zu denken als rechtsradikale, rassistische leute aus der afd.

    sorry, aber: nein.

    standard alman. wegen menschen wie euch existiert die afd. ihr macht sie fähig. mit genau diesem mindset.

    einfach nur traurig, armselig und verachtenswert.

  6. @ parker030: Die Sechzig- und Siebzigjährigen sind der Grund, warum es Ihnen heute so gut geht.

    Im übrigen empfehle ich das Buch „Die Tugendpächter“ von Catherine Liu. Eine Abrechnung mit den linksliberalen Eliten in den USA, die sich moralischer Werte und Tugenden bedienen, um die eigene Überlegenheit gegenüber der minderwertig betrachteten Arbeiterklasse auszustellen. Das war 2016 der Grund für die Wahl von Trump zum Präsidenten. Tugend als reines Überlegenheitdünkel und willfähriger Helfer des Kapitalismus, in dem sich die Eliten inzwischen behaglich eingerichtet haben. Sehr interessant; die ein oder andere Parallele in der Bundesrepublik lässt sich nicht leugnen.

    https://www.westendverlag.de/buch/die-tugendpaechter/

  7. @Horst: ich picke mal das mit den energieintensiven Unternehmen raus! Dass hier durch Strompreisförderung „kranke Unternehmen“ am Leben erhalten würden, ist einfach krass falsch! Es sind ganz im Gegenteil essentiel wichtige, quasi „systemrelevante“ Unternehmen. Lies mal diesen Artikel des Ministeriums, in dem das ausgeführt wird (aus den Daten diverser Förderinstrumente ist ersichtlich, dass das auch die Vorgängerregierung eingesehen hat).
    https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/energieintensive-industrien.html
    Was dort noch nicht erwähnt wird: In letzter Zeit entstehen immer mehr stromintensive Datencenter, Serverfarmen etc. für die Erfordernisse der sich schnell entwickelnden KI und Verlagerungen digitalisierter Arbeit in die „Wolke“. Die ja nicht etwa im Himmel schwebt, sondern auf Erden in Serverfarmen realisiert werden muss. Die Datencenter sind „das Rückrat der Digitalisierung“, zwar selbst energieintensiv, aber in der Folge wird durch Effizienzsteigerungen erheblich CO² eingespart. Hier eine ausführliche Info dazu:

    https://www.it-daily.net/it-management/data-center/deutsche-rechenzentren-befinden-sich-auf-wachstumskurs

    und die Forderung nach einbeziehung in die Stromförderung, die Habeck will:

    https://www.golem.de/news/industriestrompreis-auch-betreiber-von-rechenzentren-wollen-verguenstigten-strom-2305-174035.html

  8. @Peter, das Argument, dass es heute vielen so gut geht, weil die sechzig bis siebzigjährigen dafür gesorgt haben, ist sicher richtig. Meßmer nutzt gerne dieses Narrativ. Der Fairneß halber gehört meiner Meinung aber auch dazu, dass wir,(selbst 70-jährig) in einer ganz, ganz anderen Zeit gelebt haben, die weit von den Umwälzungen entfernt waren, die sich derzeit darstellen. Hinzu kommt, dass meine seinerzeit vom Wohlstand verwöhnten Kinder nun eine ganz andere Fallhöhe auf ihre zukünftige nicht unbedingt rosige Perspektive haben, die ich, damals, überhaupt nicht ansatzweise hatte. Ich denke diesen Unmut gilt es zu respektieren und zu ertragen.

    Das alles rechtfertig meiner Meinung aber nicht ein irgendwoher getriggertes und unkontrolliertes kommentieren wie von @parker030. Ich denke, auch bei aller Wut der Jungen, sollte mehr Selbstdisziplin bei dieser beherrschbar werden.

    Was ich bei der Diskussion von Horst und Claudia vermisst habe ist der Versuch, irgendwo einen Konsens zu erkennen. Vielleicht habe ich ihn in der Hülle und Fülle des hiesigen Diskurses auch nicht erkannt. Dennoch habe ich mich gefragt, wie soll dann dieser in der Ampel möglich sein, wo teilweise Hunderte Mitdenker und Mitarbeiter, tief unterschiedlich motiviert und dennoch in der Materie fachlich kompetent ausgestattet, gelingen? Wie?

Schreibe einen Kommentar zu Peter Lohren


Hier im Blog werden bei Abgabe von Kommentaren keine IP-Adressen gespeichert! Deine E-Mail-Adresse wird NIE veröffentlicht! Du kannst anonym kommentieren. Dein Name und Deine E-Mail-Adresse müssen nicht eingegeben werden.


✅ Beitrag gemerkt! Favoriten anzeigen
0
Your Mastodon Instance
Share to...