Vom seltsamen Gefühl einen Blog aufzugeben

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Ich frage mich, warum es mir so viel ausmacht, wenn ich aus Gründen meinen Blog aufgeben „muss“. Natürlich gibt es andere Optionen als die von mir gewählte. Wieder ein Blog mit allen Inhalten zu löschen ist quasi doch die Ultima ratio.

Vielleicht steckt Trotz hinter meiner Entscheidung oder doch nur die Sorge, bald wieder eine Rechnung im Briefkasten zu haben. Für ein Projekt, mit dem ich nie Geld verdienen wollte bzw. nicht habe.

Ich habe Wutzone gelöscht. Und? Wen interessiert es – mit Ausnahme von ein paar alten Blogger-Kolleginnen und -Kollegen? Na mich! Womit ich wieder bei dem Gefühl bin, das ich vor vielen Jahren schon mal hatte und das mich auch in diesem Fall wieder ergriffen hat.

Ich habe mich beeilt, ein „neues“ Projekt zu starten. Diesmal mache ich es „besser“. Nun, ich erwarte nicht, dass ich plötzlich mehr Leserinnen und Leser bekomme. Diese Zeiten sind längst vorbei, glaube ich. Vor 15 Jahren war es möglich, mit einer Urheberrechtsverletzung, dem Ärger und den Kosten im Web populär zu werden. Mancher hat das damals genutzt, andere haben es versucht; ihre Blogs existieren heute leider nicht mehr.

Mich bringen diese Fragen an den Ursprung aller Fragen für Blogger zurück. Weshalb bloggen wir überhaupt (noch)? Trotz all dieser Kanäle, auf denen Menschen ihre Weisheiten unter die Leute bringen und sich zoffen und vielfach brutal beschimpfen. Nun, da liegt ein Vorteil von Blogs. Ich kenne eine ganze Reihe, auf denen ein vernünftiger Umgangston gepflegt wird. Dort gibts in der Regel keine bösen oder gar unverschämten Kommentare.

Sowohl gegenüber dem Autor als den anderen Kommentatoren ist der Ton gemäßigt. Konstruktive Kritik ist üblich, schließlich teilen wir nicht alle die gleiche Sicht auf die vielen kontroversen Themen unserer Zeit. Das wäre dann ja so, wie bei den asozialen Netzwerken. Dort haben sich längst Blasen gebildet. „Man“ redet nicht mehr miteinander, sondern bleibt in der Peer-Group. Das ist sehr schade. Viele sagen das. Ändern wird sich daran nichts. Nicht, solange es X, Telegram oder TikTok gibt, um einige der schlimmsten Plattformen zu nennen.

Neben dieser für mich einleuchtenden Begründung wird es allerdings noch andere Dinge geben, die Blogger dabei halten. Es ist zwar schade, dass sehr viele Blogs mausetot sind. Das merke ich schon dadurch, weil ich mit Vorliebe die Blogrolls der von mir besuchten Blogs aufsuche. Wie oft ich da feststelle, dass sie entweder gar nicht mehr online oder die letzten Einträge einige Jahre alt sind. Ein trauriges Bild.

Was könnte überhaupt noch ein Grund dafür sein, einen Blog zu eröffnen oder dabei zu bleiben? Vielleicht gibt es mehr als die, die ich hier einmal spaßeshalber zusammengestellt habe:

  1. Leidenschaft und Interesse: Viele Blogger starten ihre Blogs aus Leidenschaft für ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Nische. Sie genießen es, ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu teilen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
  2. Kreativer Ausdruck: Ein Blog kann als Plattform dienen, um sich kreativ auszudrücken, sei es durch das Schreiben, Fotografieren, Zeichnen oder andere Formen der Kunst.
  3. Einkommensmöglichkeiten: Einige Blogger nutzen ihre Blogs als Einnahmequelle, sei es durch Anzeigen, gesponserte Inhalte, Affiliate-Marketing oder den Verkauf eigener Produkte oder Dienstleistungen.
  4. Aufbau einer Marke oder eines Unternehmens: Für viele Blogger ist ihr Blog ein wichtiger Bestandteil ihres persönlichen oder beruflichen Brandings. Sie nutzen ihn, um ihre Expertise zu demonstrieren, ihr Publikum aufzubauen und potenzielle Kunden oder Klienten anzuziehen.
  5. Gemeinschaftsaufbau: Blogs können als Plattform dienen, um eine Gemeinschaft von Lesern und Followern aufzubauen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Diese Interaktion kann für Blogger sehr befriedigend sein und sie motivieren, ihren Blog weiterzuführen.

Ehrlich! Auf mich passt keiner dieser Gründe wirklich richtig. Ursprünglich (so um 2004 herum) wollte ich das Bloggen einfach einmal ausprobieren. Warum ich so kleben geblieben bin, erschließt sich mir nicht wirklich. Ich weiß schließlich, wie gering die Reichweite meines Blogs ist. Dazu muss ich nur die Search-Konsole von Google öffnen und schon weiß ich: Na, das lohnt sich aber echt, die Zeit zu investieren 🙂

Ihr kennt meine Liebe zu Designänderungen an meinen WordPress-Themes. Natürlich kann ich es unter solchen Voraussetzungen nicht dem Zufall überlassen, dass schon deshalb unerwartete Performanceeinbußen eintreten. Also nutze ich dafür Page-Speed-Insight. Das mache ich schon seit Jahren. Früher habe ich andere Tools (Pingdom oder GTmetrix) genutzt. Nach der Einführung von PHP 7.x und anderen Performanceschüben von WordPress habe ich mich auf Page-Speed-Insight konzentriert. Es hat mich etwas frustriert, dass der Blog nicht genügend Userdaten generierte, um im ersten Teil des Tests (So sieht die Leistung auf der Nutzerseite aus) etwas anzuzeigen. Nur die Leistungsprobleme wurden diagnostiziert.

Erst vor ein paar Tagen war das plötzlich anders. Da waren genügend Daten vorhanden. Wer weiß schon, woran das nun wieder lag?

Sendungsbewusstsein, gerade auf dem Feld der Politik, könnte man in meinem Fall als Motivation unterstellen. Aber ehrlich. Ich sagte ja, dass ich um meine Reichweite weiß und das sich daran über die vielen Jahre nie etwas geändert hat. Das fällt also aus. Eine Plaudertasche könnte ich sein, der in Ermangelung sozialer Kontakte nach dem Renteneintritt mit der Außenwelt in Kontakt treten möchte. Wäre denkbar. Allerdings hat sich meine Blog-Frequenz in den vergangen ca. 8 Jahren nicht wirklich gravierend geändert. Eher schreibe ich heute weniger. Viel weniger jedenfalls als in den 2000-er Jahren.

Ich glaube, Bloggen ist für mich Therapie. Ich kann mit dieser verrückten und zum Teil beängstigenden Welt, denke ich, besser klarkommen, wenn ich mich hier im Blog mit dem Kram auseinandersetze. Dass dabei auch schon mal abgeschweift wird, hat schon mancher Leser festgestellt. Es ist oft eine Form von Brainstorming mit Freunden. Und doch bin ich manchmal überrascht, wenn andere Meinungen kundgetan werden. Aber wie sollte das in dieser komplizierten Welt anders sein?

Ich bin also nicht nur interessiert an politischen und gesellschaftlichen Fragen, sondern natürlich auch an der Meinung anderer Menschen. Dass diese sich heute oft erheblich von meiner unterscheiden, ist eine Erkenntnis der jüngsten Vergangenheit. Ich finde, das zeigt, dass wir unbedingt mehr Meinungsaustausch brauchen. Leider scheint aber das Gegenteil der Fall zu sein. Viele ziehen sich zurück und winken ab, wenn man ihnen mit Blogs oder den asozialen Medien kommt. Kürzlich gab es hierzu eine Studie, von der Sie vermutlich gehört haben.

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10 Gedanken zu „Vom seltsamen Gefühl einen Blog aufzugeben“

  1. Für mich stimmt wohl Punkt 2, aber ich teile auch deine Motivation, wenn ich es auch bei Weitem nicht auf deine hohe Frequenz bringe!
    Henning Uhle vermeldet übrigens eine „Blogrenaissance“ – vermutlich durch den Frust an der Entwicklung von X et al motiviert. Wahrlich gute Nachrichten! Und schön, dass du weiter bloggst!! Die große Schrift ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber aus Erfahrung denk ich: Bleibt vermutlich nicht lange! 🙂

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  2. Guten Morgen,

    ja, dieses Gefühl, welches du versuchst zu beschreiben, kennt man, wenn man seit den Anfängen dabei ist bzw. war. Trotz mag einer der Gründe sein. Ich habe auch schon so viele, ich kann gar nicht mehr alle aufzählen, wieder gelöscht bzw. aufgegeben. Mir geht es ähnlich wie dir. Ich fing an, weil ich es konnte, weil ich Technik begeisterter bin, weil ich basteln wollte, mich ausprobieren, wissen was geht. Früher war alles anders. Nach wenigen Wochen sah meine Statistik wunderbar aus. In guten Monaten besuchten meine(n) Blogs tausende von Lesern aus aller Welt. Man vernetzte sich Dank der Kommentar und Ping-Back Funktion. Man lerne neue Menschen kennen und erweiterte damit seinen Horizont. Klar waren einige Blogs kleine feine Nischen. Geek und Nerd Themen in Blogs waren normal, da ja auch meistens aus dem Bereich die Menschen das Interesse daran hatten sich in Sachen Blogs auszuprobieren. Early Adopter waren auch dabei und das machte die Blogosphäre damit so einzigartig. Das war damals, neben den Foren und den BBS, die Möglichkeiten „Hallo Welt“ zu sagen. Wir Menschen sind halt so, sonst hätten wir auch nicht eine Botschaft in die weiten des Weltraums gesendet und nie mit der Suche nach kleinen grünen Männchen begonnen. Aber den wichtigsten aller Gründe darf man nie, nie, nie vergessen. Meinungsfreiheit

    Das irgendwann mal, als die ganze Sache größer wurde, sich einiges verändert, war zu erwarten. Leider änderten sich auch die Dinge, die Spaß machten, die einen motivierten das zu tun was man tat. Akteure, wie die rauchenden grauen Herren, traten auf den Plan und versuchten uns den Spaß und die Motivation und die Freude zu nehmen. Einige ließen sich davon nicht beeindrucken und machten weiter. Hinfallen, aufstehen, weitermachen! Leider fielen einige hin und standen nicht mehr auf.

    Und ja Horst, die Welt macht mir, komischer weiße, seit Anfang des neuen Jahrzehnts, auch ein wenig Bauchweh. Verrückter geworden sie ist und auch beängstigender. Aber dann denke ich gerne an das Zitat von Captain Kirk zurück

    Risiko gehört zum Spiel, wenn man auf dem Stuhl dort sitzen möchte

    glaube so oder so ähnlich drückte er sich mal aus.

    Auch ich habe vorletzter Woche meine WordPress Datenbank gelöscht gehabt. Glaube die Webseite hatte ich seit 2012 am laufen. Merke aber das es mich wieder in den Finger juckt…. schön daher, dass es heute um einiges leichter wurde neues zu starten. Auch, weil man nach so vielen Jahren so viel Erfahrung gesammelt hat.

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  3. Meine Frequenz mag teilweise etwas hoch sein. Dafür sind deine Beiträge IMHO viel gehaltvoller.

    Du verstehst es, die Leute nicht zu provozieren, sondern regst mit deinen Texten zum Nachdenken und Diskutieren an. Dafür sind deine vielen Leser dankbar.

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  4. Das Internet und seine Nutzung haben sich in den 20 Jahren stark verändert. Du beschreibst genau das, was wir alle beobachtet haben. Im Laufe der Zeit spielten Blogs, obwohl es sehr viele gibt und auch immer noch hinzukommen, eine kleinere Rolle. Die Beteiligung von Lesern ging zurück, die Besucherzahlen im Allgemeinen sanken. Die Pionierzeiten oder wie immer man diese Ära nennen möchte, sind längst vorüber. Heute spielen asoziale Medien eine Rolle. Die KI rückt immer mehr ins Interesse der Menschen.

    Schade, dass du deine Datenbank gelöscht hast. Ich habe, nachdem ich die Blogs ins Nirvana geschickt habe, mit zeitlicher Verzögerung auch diesen dann irreversiblen Schritt getan. Das war immer mit Schmerz verbunden 🙂 Es ist gut zu lesen, dass die eigenen Gefühle auch von anderen Leidtragenden geteilt werden.

    Danke für den schönen Kommentar.

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  5. Was könnte überhaupt noch ein Grund dafür sein, einen Blog zu eröffnen oder dabei zu bleiben?

    5. Weil wir’s können 🙂

    Ich hatte das ja schon mal erwähnt: Hier bei uns im Stadtviertel gab es etliche Kneipen, Musikschuppen etc. Da gingen wir als Jugendliche hin, quatschten ein bisschen und zogen weiter. Man traf sich zwanglos hier und da und, trank einen Kaffee oder ein Bier. Die Zeiten sind leider vorbei, Kneipen und Musikschuppen sind ausgestorben. Was bleibt war das Netz, erst die Newsgroups und jetzt (hoffentlich noch lange) die Blogs, die so ein bisschen Kneipenflair haben, außer dass man den Kaffee selber mitbringen muss 🙂

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  6. Ja, Peter. Dieser Satz:

    Weil wir’s können

    ist so etwas von richtig! Endlich ist „man“ nicht nur Empfänger, sondern auch Sender. Diese Möglichkeit nutzen wir nur zu gern. Ich zieh‘ mir das wirklich an.

    Dass ich mir trotzdem darüber im Klaren bin, dass all diese Sätze und Artikel nicht wirklich etwas ausrichten und dass auch meine Beiträge vielleicht trotz kleiner Reichweite zur viel gescholtenen Polarisierung beitragen könnte, ignoriere ich geflissentlich.

    Ich war nie dabei, wenn hier im Dorf oder in meiner benachbarten Heimatstadt Frühschoppen veranstaltet wurden. Mein Vater ging jeden Sonntag. Manchmal kam er sauer nach Hause, weil dort die politischen Themen verhandelt wurden (unter Beteiligung von Alkohol). Der Frühschoppen hatte eine soziale Funktion. Aber alles hat seine Zeit.

    Heute entwickeln sich die Dinge auseinander. Deshalb benutze ich immer den Begriff asoziale Netzwerke. Sie haben möglicherweise auch eine soziale Funktion, nur leider im Negativen.

    Da lobe ich mir doch die Blogsphäre. 🙂

    Danke für deinen Kommentar.

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  7. Ich blogge höchstwahrscheinlich auch aus Grund 5. Weil ich es kann. Und 6. Weil es mir einfach Spaß macht. Auch wenn mein Blögchen nie so arg frequentiert war. Und ich nie so frequent reingeschrieben habe wie z.B. du.

    Es ist irgendwie mein persönlicher Teil vom Internet, das ich immer noch liebe wie in meinen ersten Tagen darin im Herbst 1995. Mir hat das Internet (überwiegend das WWW) unsagbar viel gegeben, auch die Bloggerszene der ersten vielleicht zehn Jahre.

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  8. Hallo Boris,
    das ist aber so etwas von wahr. Wir können es und wir tun es, weil es Spaß macht. Wie konnte ich dieses Wort nur vergessen? Allein die Bastelarbeiten, mit denen ich gefühlte Jahre zugebracht habe, haben alles, was sonst vielleicht nicht so gut daran war, überlagert.

    Das Internet hat auch mir viel gegeben, aber leider auch was genommen. Es liegt immer beim Nutzer. Ich hätte mich zurückziehen können. Die Neugier (?) war stärker.

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  9. Auch für mich gilt, ich blogge, weil ich es kann. Von Reichweite kann man bei meinem Blog nicht sprechen. Das ist mir in der Zwischenzeit auch egal. Ich betreibe den Blog, weil ich Spaß am „Technischen“ habe. Deshalb gibts bei mir auch so viele Neuanfänge und Änderungen am Aussehen.

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