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Die USA haben wieder ein Volk befreit. So legen sich nicht nur die Amis ihren Verstoß gegen das Völkerrecht zurecht. Ich vermute, auch hierzulande gibt’s für dieses Unrecht Unterstützer. Von Weidel habe ich noch nichts gehört. Ich würde sagen, Trump hat, anders als manch Vorgänger, immerhin in seiner unerschöpflichen Weisheit die Dinge fast beim Namen genannt. Dabei weiß allerdings wohl jeder mit etwas Resthirn, weshalb dieser Angriff auf ein fremdes Land durchgeführt wurde. Die einfachste Art der Erklärung: Weils Trump ums Geld geht. Und was in Venezuela zu holen ist, wissen wir ja nicht seit gestern.
Ich will euer Gold
Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt – 303 Milliarden Barrel, etwa 17 Prozent der globalen Reserven. Das sind mehr als fünfmal so viele, wie die USA selbst besitzen. Dazu kommen Gold, Eisen, Bauxit und Coltan, ein Mineral, das für Elektrobatterien unverzichtbar ist. Trump hat bereits in den Monaten vor dem Angriff klargemacht, was er will: Amerikanische Ölkonzerne sollen »Milliarden von Dollar ausgeben, die kaputte Infrastruktur, die Öl-Infrastruktur reparieren und anfangen, Geld für das Land zu verdienen«. Dass er dabei »für das Land« sagt und nicht »aus dem Land«, ist eine rhetorische Feinheit, die niemandem entgehen sollte.
Die Operation in der Nacht zum 3. Januar 2026 war militärisch präzise: Delta Force, eine Eliteeinheit der US-Armee, schnappte sich Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores. Gleichzeitig bombardierte die US-Luftwaffe Ziele in drei venezolanischen Bundesstaaten und der Hauptstadt Caracas. Trump höchstpersönlich verkündete den Erfolg auf Truth Social und fügte an, die USA würden das Land »bis zu einer sicheren, ordnungsgemäßen und vernünftigen Übergabe« führen. Was »vernünftig« in diesem Zusammenhang bedeutet, darf man sich ausmalen: Vernünftig wird sein, wer amerikanischen Konzernen Zugang zu den Bodenschätzen gewährt.
Selbstermächtigung
Dass die Trump-Regierung den Kongress nicht eingeweiht hat, bestätigte der Politikwissenschaftler Andrew B. Denison gegenüber ntv. Ein Alleingang »aus Gründen der Geheimhaltung«, wie Denison formuliert. Kritik aus Washington werde es kaum geben, weil die Operation erfolgreich war – ein starker Präsident eben, der tut, was er für richtig hält. Das ist die Logik autoritärer Machtpolitik, die sich selbst legitimiert, solange sie militärisch gelingt.
Völkerrechtlich ist das Ganze ein Desaster. Die unilaterale militärische Intervention zur Absetzung eines ausländischen Staatsoberhaupts verstößt gegen Artikel 2(4) der UN-Charta, der die Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität anderer Staaten verbietet. Es gibt keine legitime Selbstverteidigungsrechtfertigung seitens der USA. Die Trump-Administration hat weder die Zustimmung des US-Kongresses eingeholt noch liegt ein UN-Mandat vor. Stattdessen wird Maduro als »Narco-Terrorist« bezeichnet, seine Regierung als »ausländische Terror-Organisation« eingestuft. Die Ironie dabei: Maduro hatte in den Monaten zuvor verzweifelt versucht, Trump zu beschwichtigen. Er bot amerikanischen Firmen Zugang zu allen gegenwärtigen und zukünftigen Öl- und Goldprojekten an, bevorzugte Verträge, die Umleitung von Ölexporten von China in die USA und die Reduzierung der Energie- und Bergbauverträge mit China, Iran und Russland. Doch das reichte Trump nicht. Er wollte das Ganze.
Verwunderung – und sonst?
In Deutschland reagieren Passanten in Berlin mit Besorgnis und Kritik. Man habe das Gefühl, Trump mache, was er wolle, heißt es in Straßeninterviews. Die Sorge vor Verstößen gegen das Völkerrecht und Vergleiche zu anderen globalen Konflikten werden laut. Doch von den politischen Eliten hierzulande? Bislang Schweigen oder vorsichtige Diplomatie. Dass ausgerechnet jene, die sich gern als Verteidiger der regelbasierten internationalen Ordnung inszenieren, nun kleinlaut werden, wenn Washington diese Ordnung mit Füßen tritt, überrascht nicht. Es passt ins Bild einer transatlantischen Hörigkeit, die jede amerikanische Aggression reflexartig mitträgt oder zumindest nicht ernsthaft kritisiert.
Trump selbst gibt sich unverblümt: »Wir wollen Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für das großartige Volk von Venezuela«, sagt er. Im selben Atemzug kündigt er an, bei Bedarf eine »viel größere zweite Welle« von Angriffen durchzuführen. Frieden durch Bomben, Freiheit durch Besatzung, Gerechtigkeit durch Ressourcenraub – so buchstabiert Trump seine Version von Demokratieförderung. Man könnte es zynisch nennen, wäre es nicht so durchsichtig. Der Politikwissenschaftler Denison spricht von mehreren möglichen Gründen für den Zeitpunkt des Angriffs: ein Verräter im Umfeld Maduros, die hohen Kosten der seit Wochen vor Ort stationierten Flotte inklusive Flugzeugträger, oder die Provokation durch russische Öltanker, die venezolanisches Öl transportierten. Alles plausibel, aber letztlich Nebenschauplätze. Der Hauptgrund steht in Zahlen: 303 Milliarden Barrel.
Befreiung, sonst nix
Die Rhetorik der »Befreiung« ist nicht neu. Sie wurde im Irak benutzt, in Libyen, in Syrien. Jedes Mal endete es in Chaos, Bürgerkrieg oder jahrzehntelanger Instabilität. Venezuela wird keine Ausnahme sein. Bereits jetzt warnt die Washington Office on Latin America (WOLA), die unilaterale US-Militäraktion sei »rücksichtslos und gefährlich«, schade dem globalen Ansehen der USA und entfremde wichtige Verbündete. Die Organisation fordert den Kongress auf, seine Befugnis zur Autorisierung tödlicher Gewalt zurückzuerlangen und sofortige Antworten über die Auswirkungen der militärischen Aktionen auf Menschenrechte und Demokratie zu verlangen.
Doch das wird nicht passieren. Weder in Washington noch in Berlin wird es nennenswerten Widerstand geben. Zu groß ist die Angst, sich mit der Supermacht anzulegen. Zu tief sitzt die Gewohnheit, amerikanische Interventionen als notwendiges Übel oder gar als gute Tat zu verklären. Und so bleibt es dabei: Die USA bomben, besetzen, plündern – und nennen es Freiheit. Der Rest der Welt schaut zu, murrt vielleicht leise, macht aber weiter wie bisher. Venezuela ist das jüngste Opfer dieser abartigen Logik. Es wird nicht das letzte sein.
P.S.: In Südamerika sind die Stimmen geteilt. Man muss schon links, woke oder beides sein, um etwas gegen Trumps imperialen Allmachtsanspruch zu haben. Milei applaudiert und Lula protestiert. Putin und Xi werden wohlwollend zuschauen. Wie einfach es für Arschlöcher jeder Couleur geworden ist, heutzutage ihre Macht zu demonstrieren.
Was sagen die Offiziellen?
Offizielle Schritte
- Das Auswärtige Amt beruft einen Krisenstab ein.
- In Venezuela befindliche deutsche Staatsbürger wurden per E-Mail über Verhaltenshinweise informiert.
- Enge Abstimmung mit der deutschen Botschaft in Caracas.
Politische Reaktionen aus Deutschland
- SPD (Adis Ahmetović)
- Klare Verurteilung des US-amerikanischen Eingreifens.
- Kritik an militärischer Gewalt ohne UN-Mandat.
- Warnung vor einem von den USA betriebenen Regime Change.
- Einschätzung: Das Völkerrecht werde zur Verhandlungsmasse gemacht.
- CDU (Roderich Kiesewetter)
- Venezuela sei ein Unrechtsstaat, aber kein Iran.
- Keine unmittelbare Bedrohung eines Nachbarstaates.
- Scharfe Kritik an den USA unter Donald Trump:
- Abschied von der regelbasierten internationalen Ordnung seit 1945.
- Die Linke
- Ebenfalls Verurteilung des US-Vorgehens.
- Deutung als weiterer Schauplatz imperialistischer Machtpolitik der USA.
- AfD
- Keine klare Positionierung zum Zeitpunkt der Berichterstattung.
Gesamtbild
Sorge um eine weitere Belastung der ohnehin fragilen deutsch-amerikanischen Beziehungen.
In Deutschland überwiegt eine kritische bis ablehnende Haltung gegenüber dem US-amerikanischen Vorgehen.
Es kann hoffentlich niemand mehr sagen nicht gewusst zu haben, was passiert, wenn sich Demokratie in Autoritarismus wandelt.
Putin und Xi Jinping haben Trump sicher schon zu dem Coup gratuliert. Er selber lässt die Welt über seine Absichten nicht im Unklaren. Der US-Präsident will Venezuela bis auf Weiteres unter US-Vorherrschaft stellen und erhebt ganz offiziell Anspruch auf das Öl. George W. Bush hat der Welt ja noch Märchen erzählt, Trump kommt da ohne Umschweife gleich zur Sache.
@Peter Lohren: Das sollte man meinen. Aber AfD-Wähler werden sich von solchen Fakten nicht beeindrucken lassen.
Die Absprachen im Wege eines informellen Austauschs werden wohl stattgefunden haben. Verbrecher unter sich. Wie offen der Orangene damit umgeht, dass es ihm nur um Geld geht. Insofern müsste man seine Ehrlichkeit noch würdigen. Aber ich könnte im Strahl kotzen, wenn ich sehe, was vor sich geht.
Das viel größere Problem ist jetzt ganz offensichtlich ob es für diesen Irren überhaupt noch Grenzen gibt.
Welches Land ist als nächstes dran?
Grönland, Kanada, Mexiko?
Die Folgen für die Ukraine sind ebenso deutlich: »Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall.« – Krim und Donbass für Putin, mit der Option der Ausweitung auf Europa, das ist sowieso zu *woke* und zu wenig fundamental-christlich, der amerikanische Kontinent für Trump ….
Nero hat nur Rom angezündet, Trump will immer der Größte sein und zielt auf die ganze Welt. Und wir machen uns Sorgen um die globale Erwärmung
@Wolfgang v. Sulecki: Cuba fehlt in der Auflistung 🙁
Dann könnte man auch bald erwarten, dass China Taiwan einnimmt …
u.a. Regierungen/Trump außer Kontrolle. Internationales Recht scheint jetzt egal.
Ich hoffe, ich erlebe keine Krieg mehr, in meinen letzten Jahren.
Ich komme wir vor, wie in einem Alptraum, nichts ist mehr sicher.
@Su Mu: Ja, Ziele gibts genügend. Wer weiß, was die Amis tun, wenn die AfD doch noch mit einem Verbotsverfahren überzogen wird?
@Wolfgang v. Sulecki: Man muss diese Sorge haben. Er streckt die Hand nach Grönland und nach Kanada aus. Ich hatte zuerst gedacht, er wolle nur etwas die Muskeln spielen lassen. Aber so hat das ja immer angefangen. Es wird Zeit für eine Lösung. Reichen die Epstein-Files immer noch nicht für ein Amtsenthebungsverfahren. Die nötige 2/3 Mehrheit kommt wohl längst noch nicht zusammen. Man kennt das ja schon. Die Amis spinnen einfach.
Trumps Spezialoperation hat natürlich nichts mit einem Angriffskrieg zu tun, wie Dr. Goebbels von der ARD weiß.
Gut, dass Merz freiwillig ausfliegen kann, wenn es nicht so laufen sollte. So ein Privatjet hat schon was.
Diese Farce erinnert fatal an die Räuberpistole Skorpion aus der Belletristik. Nur gab es dort einen entsprechenden Pro- und Epilog und Hinweise für die Recherche.
Von der ARD kommt Kriegsberichterstattung im Wochenschauformat.
Das muß man sich als Weltkriegsverlierer im ÖR doch noch trauen dürfen!
@Juri Nello: Immerhin: Wir haben für 2026 nix anderes erwartet.