Bloggen ohne Widerspruch bzw. ohne Kommentarbereich?

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Immer mehr Blogs verzichten auf Kommentarfunktionen. Technische Gründe, Moderationsaufwand oder bewusste Entscheidungen spielen eine Rolle. Doch was bedeutet das für Debatte, Widerspruch und digitale Gesprächskultur? Ein persönlicher Blick auf schwindende Kommentarräume.

Was die Suche neuer Blogartikel angeht, orientiere ich mich täglich an Rivva, Read Great Blogs und UberBlogr. Danach erst kommt mein Feedreader dran. Redundanz ist also vorprogrammiert.

Aber das macht nichts, weil ich ohnehin nur einen eher geringeren Teil des Angebots nutze bzw. die Artikel lese. Ihr ahnt es: Wenn es nicht um Politik, Gesellschaft und Medien geht, bin ich ignorant. Aber nicht immer natürlich.

kommentarkultur blog
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Ich weiß, das Thema ist nicht neu. Und doch fällt mir bei meinen digitalen Streifzügen immer häufiger auf, dass Bloggerinnen und Blogger ihren Kommentarbereich geschlossen haben – oder ihn vielleicht von Anfang an gar nicht vorgesehen hatten.

Natürlich kann das viele Gründe haben. Technische zum Beispiel. Manche der vielgelobten WordPress-Alternativen bringen Kommentarfunktionen schlicht nicht mit. Andere haben verständlicherweise weder Zeit noch Lust, sich um Moderation, Spam und all das Drumherum zu kümmern. Und wieder andere verfolgen vielleicht sogar eine Idee dahinter: Leserinnen und Leser zu ermutigen, selbst zu bloggen und ihre Gedanken im eigenen Raum zu entfalten.

Das ist ja, für sich genommen, ein sympathischer Gedanke. Nur der Ton macht die Musik. Wenn es dann heißt: »Hier gibt es keine Kommentare. Wenn du etwas sagen willst, blogge doch selbst«, schwingt manchmal ein Unterton mit, der eher abweisend wirkt als einladend.

Überhaupt begegnen mir zunehmend Texte, die zwar ehrlich gemeint sein mögen, aber zugleich provozierend daherkommen. Für einen Rant mag das passen – da gehört die Zuspitzung fast schon zum Stilmittel. Doch ich frage mich: Wollen wir in diesen ohnehin aufgeheizten Zeiten wirklich noch mehr Texte lesen, die uns subtil das Gefühl geben, mit uns selbst stimme etwas nicht?

Vielleicht sehne ich mich einfach nach einer Kultur des Widerspruchs, die nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt. Nach Worten, die klar sind – und trotzdem Raum lassen. Ich kenne, einen Blog, in dem das seit Jahrzehnten so funktioniert. DigitalDiary von Clauda Klinger sollten viele kennen. Wenn nicht, lest mal ein wenig bei ihr. Unbedingt auch die Kommentare. Dann wisst ihr, was ich meine.

Wie siehst du das? Fehlt dir die Kommentarkultur auch ein bisschen – oder empfindest du sie eher als Belastung?

P.S.: Ich habe die Kommentare zwischendrin auch schon mal ausgeschaltet. Besser gesagt: EIN, AUS, EIN, AUS, EIN, AUS. Das hängt sehr von meiner Tagesform ab und was so vor sich geht. Als kleiner Blogger darf man sich solche Launen auch leisten. Merkt ja (fast) keiner.

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26 Gedanken zu „Bloggen ohne Widerspruch bzw. ohne Kommentarbereich?“

  1. Ich merke das, klar! Und denke jedes Mal: das kommt wieder… 🙂 Danke für die lobende Erwähnung!

    Die Kommentarmöglichkeit finde ich wichtig und Blogs, die keine haben, kommen nur selten in meine morgendliche Lese-Routine. Gelegentlich inspiriert mich das Kommentieren zu einem eigenen Blogpost, wie etwa gestern zur Idee des Gesprächs mit Gemini dafür hab ich den Kommentartext unterbrochen und erst nach Fertigstellung vollendet.

    Warum manche keine Kommentarfunktion haben, darüber spekuliere ich des Öfteren. Wird eine Mischung aus »kein Bock, mich damit technisch auseinanderzusetzen« und »Widerspruch, nein danke!« sein, je nachdem. Vielleicht thematisiere ich das mal im Bloghexen-Forum, ist ja immer wieder interessant, was die Leute dann sagen.

    Zum Theme: Du hast wohl gerade eine puristische Phase?

  2. Ja, ich vermute, manche schalten die Kommentare ab, weil zu wenig oder garnicht kommentiert wird. Der Grund ist vermutlich, dass sie sich nie klar gemacht haben, dass sie auch anderswo kommentieren müssen, um bemerkt zu werden. ODER sie befriedigen ihren Gesprächsbedarf lange schon über Facebook…
    ODER sie wollen die Zeit nicht aufwenden, täglich mal aufs Blog zu schauen und antworten nicht mal auf substanzielle Kommentare.
    Besonders verstiegen finde ich diejenigen, die heute noch »anmelden« verlangen! Dort kommentiere ich dann halt nicht, denn es gibt lange schon zu vieles, wo man sich anmelden muss.

  3. Ja, du hast recht. Kommentare gehören zum Bloggen. Auch habe meine Kommentarfunktion schon sehr oft aus- und wieder eingeschaltet. Aktuell ist das Kommentieren in meinem Blog wieder möglich.

  4. ich bin ja seit August nur noch kommentierend unterwegs, allerdings da auch nur auf einer Handvoll Blogs dauerhaft.
    ich lese aber auch einen geistreichen Blog täglich, bei dem man nicht kommentieren kann.
    Was hier die Gründe sind, kann ich nicht ergründen. Ich glaube, es können auch noch andere Gründe sein wie die von @Claudia genannten.

  5. Im Web wird auf alles und jeden kommentiert und reagiert. Ich glaube, es gibt da Abnutzungserscheinungen. Der eigene Blog als ruhigere und gesicherte Umgebung. Man darf auch nicht vergessen, dass es ein »Gespräch vor Publikum« ist und das besondere Aspekte mit sich bringt. Ein Kommentar im Privaten via Email hat eine ganz andere Note…

  6. Ich habe die Kommentarfunktion vor Jahren abgeschaltet, als ich zum einen mehrere Stunden auf die Bereinigung von massiven Spamkommentaren verwenden musste, und zum anderen, als kurz nach Inkrafttreten der DSGVO ein Profilneurotiker von mir einen mehrseitigen Fragebogen ausgefüllt haben wollte, weil er zehn Jahre zuvor mal unter einem völlig belanglosen Eintrag einen noch belangloseren Kommentar gepostet hatte, den er nunmehr gelöscht haben wollte. Ab da war mir klar: Diese Art von Mehrarbeit brauche ich echt nicht.

  7. @Kiki: Was sollte der Fragebogen? Höchst selten hat bei mir mal jemand verlangt, einen Kommentar gelöscht zu bekommen (vielleicht dreimal in über 20 Jahren) – ich hab das netterweise gemacht und damit wars erledigt.

    • @ClaudiaBerlin: Der Fragebogen ging damals als Anregung rum, den sollte man den großen Firmen schicken, dass sie dich umfassend darüber informieren, welche Daten sie von dir gesammelt haben, und wem sie die alles weitergegeben haben, und wer dein Datenschutzbeauftragter ist, usw. Sinnvoll, wenn man beim Ottoversand oder Amazon mal nach seinen Daten fragt, aber bei einem winzigen Privatblog wie meinem doch ziemlicher overkill. Das Lustige war, der Typ hatte bei mir nie zuvor oder danach kommentiert, ich hatte keinerlei Ahnung, wer das war, wir waren auch nicht über andere Kanäle miteinander bekannt. Aber dann habe ich ihn natürlich gegoogelt und festgestellt, dass es ein netzbekannter Querulant und Spinner mit Trollqualitäten war, ich fand so einige Stories über ihn. Glücklicherweise war das Thema damit durch, ist ja jetzt auch schon wieder bald weitere zehn Jahre her.

  8. Eigentlich können diese Trolle einemn leid tun! Was muss das für ein Leben sein, wenn man ständig nach Gelegenheiten sucht, Leute zu nerven und sich unbeliebt zu machen! Tiefer Groll gegen die Welt als Grundstimmung, krass!

  9. So dele, dann ich auch mal…

    Ich bin irgendwann dazu übergegangen, dass ich jeden einzelnen Kommentar freischalte. Das kam, nachdem es diese Spam-Flut gab, gegen die auch Antispam Bee und Co. machtlos waren. Eine Abschaltung wäre für mich nicht infrage gekommen, da mich ja schon interessiert, was andere zu einem Thema sagen. Und so ist es halt der Kompromiss.

  10. An anderer Stelle schon kommentiert, hier aber auch noch mal mit einem anderen Winkel: Ich habe keine Kommentare, aber nicht weil ich keine Widerrede oder Diskussion dulden will, sondern weil Entwicklungskosten bei einer komplett statischen Seite vs. tatsächliche Kommentarmasse in meiner Erfahrung sich nicht rechnen.

    Aber es gibt auch noch einen anderen Grund: Weil für mich Antwort per E-Mail einfach funktioniert. Sowohl als Empfänger als auch Sender. Zumal Blog-Notizen ja auch in anderen Kontexten geteilt werden: Discord, Foren, Github-Kommentare, Signal-Chats—und dann wird dann eben dort fleißig kommentiert. Daher halte ich es so: Ich versuche meine Blog-Notizen über die Zeit zu pflegen und die Diskussionen an den verschiedensten Stellen wieder als Updates in den Text zurückzuspülen. (Wenn die am Gespräch Beteiligten das erlauben.) So umgehe ich das Problem der Nichtöffentlichkeit und erzeuge meines Erachtens einen ähnlichen Synergie-Effekt wie mit Kommentaren. Das macht natürlich auch Arbeit, keine Frage. Funktioniert für mich aber aktuell hervorragend.

    Und am Rande: Ein Klick auf einen gut programmierten »Per E-Mail antworten« Button ist nicht selten schneller als ein Kommentarformular auszufüllen. Ich muss so einen Button dringend zurückholen, auf meiner Seite. Ich kann nur empfehlen, Menschen zu mailen oder sonstwie direkt zu kontaktieren—da warten häufig tolle Austausche!

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