Was hatten wir uns versprochen?

2 Gedanken

4 Min.



Merken

HORST SCHULTE

Mir fiel direkt auf, dass es zu dem Artikel „Warum junge Juden Deutschland verlassen“ bei „Welt Online“ keine Kommentare gibt. Es ist gar nicht möglich, ihn zu kommentieren. Gestern wurde er veröffentlicht. Vielleicht waren die „ersten“ Reaktionen zu krass?

Ich finde, dass gerade bei „Welt Online“ rechte Ansichten sehr stark verbreitet sind. Mein Abo lĂ€uft immer noch, so dass ich das beurteilen kann. Dass einige meiner Kommentare, die scheinbar als Provokation des dort vorherrschenden rechten Mainstreams angesehen wurden, erst gar nicht veröffentlicht wurden, ist auch so eine Sache.

Dass AfD-Abgeordnete den Artikel mit ihrer eigenen Schmierseife verbreiten, ist keine Überraschung. Einer schrieb bezeichnenderweise, dass „junge, bestens integrierte Juden unser Land verließen und durch Muslime aus fernen Kulturkreisen ersetzt“ wĂŒrden. Das entlarvt zwar die Denkweise diesen AfD-Mannes, hilft nur leider nicht dabei, das eigentliche Problem wirksam anzugehen.

Hier klicken, um den Inhalt von X anzuzeigen.
Erfahre mehr in der DatenschutzerklÀrung von X.

In Deutschland mĂŒssen wir inzwischen nĂ€mlich von einer „Normalisierung“ des Antisemitismus ausgehen. Die Gesellschaft ist also quasi durchdrungen von antisemitischen Einstellungen.

Das ist vor allem vor unserem geschichtlichen Hintergrund kein Tatbestand mit dem wir uns abfinden dĂŒrfen.

Juden werden nicht nur von Muslimen angegriffen. Das ist zwar deshalb besonders schlimm, weil wir Hunderttausenden von GeflĂŒchteten Unterschlupf in einer schweren Notlage gewĂ€hrt haben. Ja, das Grundgesetz gewĂ€hrt ein Recht auf Asyl. Nur ein Teil der Muslime, die sich in Deutschland aufhalten, haben diesen Status im Verfahren erhalten bzw., es gibt viele FlĂŒchtlinge, die gemĂ€ĂŸ den Genfer Konventionen mit subsidiĂ€rem Schutz in Deutschland sind.

Dass in unserer Gesellschaft, wann immer das Thema zunehmender Antisemitismus aufkommt, sofort mit den hohen Zuwanderungszahlen aus dem muslimischen Kulturkreis argumentiert wird, ist zwar einerseits nachvollziehbar. Es ist allerdings so, dass der Antisemitismus in unserer Gesellschaft insgesamt auf dem Vormarsch ist. Es ist also zu einfach, die Entwicklung allein der Zuwanderung in die Schuhe zu schieben. Dass rechtsextreme Positionen in unserer Gesellschaft leider stark verbreitet sind, hat eine neue Studie ergeben.

Vielleicht mĂŒssen wir davon ausgehen, dass menschenfeindliche Positionen ĂŒber eine vertretbare konservative Weltsicht hinaus, nur deshalb vermehrt vorkommen, weil die Debatte ĂŒber die Folgen der Migration von den etablierten Parteien und Medien nicht aktiv gefĂŒhrt wurde. Dass die Probleme heruntergespielt wurden, bewirkt nicht nur eine VerĂ€nderung der Sprache im Diskurs ĂŒber alle möglichen Themen.

In der generellen Haltung zur Migration spielen heute die extremen Positionen eine Rolle, weil unser Land auf vielen Feldern hilf-, konzept- und fĂŒr alle offensichtlich erfolglos agiert. Ich denke an die Mietpreisentwicklung, KriminalitĂ€t, geringe Abschiebungen und die GrĂŒnde dafĂŒr sowie soziale VerteilungskĂ€mpfe im Allgemeinen, in denen die einheimische Bevölkerung mit Zuwanderern konkurrieren.

Eine andere Rolle spielt die Haltung der Bundesregierung zu erklĂ€rten Feinden des Staates Israel. Wer erkennbar aus rein wirtschaftlichen GrĂŒnden VertrĂ€ge mit dem Iran verteidigt, zeigt eine seltsame Ambivalenz im VerhĂ€ltnis zur eigenen Geschichte.

Dass der Antisemitismus im Schatten der Entwicklung der letzten Jahre aufblĂŒht, ist eine schreckliche Sache. Dass auch vorher schon jĂŒdische Einrichtungen unter Polizeischutz gestellt wurden, muss uns aber nachdenklich machen. Das war weniger Thema in unserer Öffentlichkeit. Heute neigen wir ein bisschen zu sehr dazu, die Zunahme antisemitischer Angriffe den Folgen der Migration aus muslimischen LĂ€ndern zuzuschreiben.


Die Normalisierung des Antisemitismus zeigt sich auch in der Bandbreite der TĂ€terinnen und TĂ€ter, die das gesamte soziale und politische Spektrum abdecken.

Zu den am hĂ€ufigsten genannten TĂ€terkategorien hinsichtlich des schwerwiegendsten Vorfalls einer antisemitischer BelĂ€stigung, die die Befragten erlebten, zĂ€hlen: jemand, den sie nicht kannten (31 %), jemand mit extremistisch muslimischer Orientierung (30 %), jemand mit linksgerichteter politischer Orientierung (21 %), jemand unter den Arbeitskollegen, MitschĂŒlern oder Studienkollegen (16 %), jemand aus dem Bekannten- oder Freundeskreis (15 %) und jemand mit einer rechtsgerichteten politischen Orientierung (13 %).


Quelleï»ż

Es stimmt nicht, dass Antisemitismus ein PhĂ€nomen ist, das sich der politischen Rechten zuordnen ließe. Im Gegenteil. Es existiert ebenso bei der politischen Linken ein ausgeprĂ€gter Antisemitismus. Übrigens gilt das auch fĂŒr Rassismus. Dass diese Tatsache in den Diskussionen eher selten vorkommt, finde ich interessant.

Wer weiß, wie die ersten Kommentare zu dem oben verlinkten Beitrag von „Welt Online“ formuliert waren und wie viele kritische Anmerkungen von Linken kamen?

  • Log in or sign up to view It looks like you were misusing this feature by going too fast. You’ve been temporarily blocked from using it. https://ift.tt/nCr4XUQ —
  • Zur Abschreckung hergezeigt und vorgefĂŒhrt Der kleine Bildausschnitt aus dem Video, auf dem keine MĂ€nner hergezeigt werden. Dieses Video ist in seiner KĂ€lte wirklich besonders erschĂŒtternd. Man sieht Kristi Noem,
  • „E-Mail, Adressbuch, Kalender und Notizen: Auf dieser Seite finden Sie alle Leistungen, die Sie fĂŒr 1 Euro pro Monat erhalten. Posteo steht fĂŒr maximalen Datenschutz, konsequente Nachhaltigkeit und innovative VerschlĂŒsselung:
  • Inhalt von Instagram anzeigen Hier klicken, um den Inhalt von Instagram anzuzeigen. Erfahre mehr in der DatenschutzerklĂ€rung von Instagram. Inhalt von Instagram immer anzeigen View on Instagram https://instagr.am/p/DH8-pBcKSk7/ hmmmm
  • Inhalt von Instagram anzeigen Hier klicken, um den Inhalt von Instagram anzuzeigen. Erfahre mehr in der DatenschutzerklĂ€rung von Instagram. Inhalt von Instagram immer anzeigen View on Instagram https://instagr.am/p/DH85k1FKMF6/ Bald .


Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurĂŒck. Ich bin jetzt 71 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (auch aus Überzeugung) auf dem Land.

hs010225 a

Antisemitismus, Gesellschaft, Linke, Rassismus, Rechte

Quelle Featured-Image: Standardbild...
19 Views
Anzahl Worte im Beitrag: 698

In der gleichen Kategorie blÀttern:

2 Gedanken zu „Was hatten wir uns versprochen?“

  1. „Ich finde, dass gerade bei „Welt Online“ rechte Ansichten sehr stark verbreitet sind. Mein Abo lĂ€uft immer noch, so dass ich das beurteilen kann. Dass einige meiner Kommentare, die scheinbar als Provokation des dort vorherrschenden rechten Mainstreams angesehen wurden, erst gar nicht veröffentlicht wurden, ist auch so eine Sache.“

    Herrjeh – jetzt BEzahlt der Herr Horst auch noch dafĂŒr, dass seine Kommentare zensiert werden – ich fasse es ja nicht. Mann, da wĂŒrde ich an deiner Stelle nicht mal umsonst lesen. Um die Inkonsequenz auf die Spitze zu treiben, solltest du sogleich dein Abo langfristig verlĂ€ngern, grins.

    Antworten

Lass deinen Gedanken freien Lauf


Hier im Blog werden bei Abgabe von Kommentaren keine IP-Adressen gespeichert! Deine E-Mail-Adresse wird NIE veröffentlicht! Du kannst anonym kommentieren. Dein Name und Deine E-Mail-Adresse mĂŒssen nicht eingegeben werden.


☰
✅ Beitrag gemerkt! Favoriten anzeigen
0
Your Mastodon Instance
Share to...