Gesellschaft   ·  5 Min.

Böswillig und unbegründet

Es gibt genug Beispiele dafür, wie Linke mit Kritik an ihren Lebensentwürfen und Überzeugungen umgehen. Das sieht man aktuell schon sehr gut an ihrem Umgang mit den Vorwürfen hinsichtlich einer um sich greifenden Cancel Culture. Dieser Entwicklung liegen allerdings weitaus ältere Fehler zugrunde.

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An die Hochzeitsgesellschaften, die unsere Autobahnen nach Belieben blockieren und dabei gern auch schon mal ein Schießeisen benutzen, haben wir uns fast gewöhnt. Gerade in dieser Woche war es wieder so weit.

Einfluss auf den Lehrplan?

Davon, dass es in unseren Schulen nicht ganz ungefährlich zugeht, lesen wir wir ab und an was oder bekommen sogar vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen ganze Dokus geboten, die die Lage an unseren Schulen verdeutlichen sollte. Passiert ist dennoch nichts.

Rollos runter! Nichts sehen, nichts hören.

Nach dem grausamen Mord an einem französischen Lehrer traut sich der Lehrerverband in Deutschland auch mal ein Wort zu sagen. Dass wir von Menschen mit Migrationshintergrund sozusagen mit unserer Corona-Solidarität im Regen stehen gelassen werden, weil sie sich einen Scheiß um unsere Regeln kümmern, mussten wir in den letzten Wochen durch das Verhalten bei Hochzeitsfeierlichkeiten erfahren. Ein zwar sympathischer Anlass, der uns in seiner speziellen Ausprägung jedoch einigermaßen fremd blieb.

Wie solche Events einer natürlich auch nicht homogenen Community in unserer Öffentlichkeit aufgenommen werden, zeugt ein Beitrag des WDR. Tenor war wie so oft: wir können den Türken doch nicht verbieten, ihre Traditionen auszuleben.

Was mich zu der Behauptung treibt, dass wir uns nicht trauen, im Sinne unserer ureigensten Interessen, für uns selbst einzutreten. Und zwar vor allem deshalb, weil wir für den linken Mainstream ja dann als ausländerfeindlich gelten würden. Nein, ich finde nicht, dass das übertrieben wäre.

Die, die das kritisch finden, finden sich nicht bloß im Lager der politischen Extreme. Aber es ist zu offensichtlich, dass wir uns den Einsichten, die wir längst gewonnen haben sollten, nicht in nachhaltiger Art und Weise stellen. Wir geben uns lieber weiterhin unserer Gleichgültigkeit hin und wundern uns später. Wir zeigen uns irgendwann vielleicht zerknirscht darüber, dass so vieles aus dem Ruder gelaufen ist. In Frankreich ist es viel schlimmer. Dort hat man diesen Punkt längst erreicht und scheinbar sieht man langsam ein, dass es so nicht weitergeht. Und Marine Le Pen freut sich derweil, weil diese Entwicklung ihr und dem Rassemblement National dies in die Hände spielt.

Ihr könnt mir gar nix

Ich denke, es wird unter den hier wohnenden Türken viele geben, die die Anordnungen deutscher Behörden befolgen. Schließlich wird die Normalverteilung derer, denen zum Beispiel die Corona-Nachrichten ein Unbehagen bereiten, in der türkischen Community nicht anders aussehen. Dabei setze ich voraus, dass unsere Nachrichten überhaupt sehen.

Es ist schwer zu glauben, dass vor allem die Erdogan-Propaganda bei den Deutschtürken gut verfängt. Und zwar hauptsächlich deshalb, weil diese hauptsächlich türkisches Fernsehen schauen, türkische Zeitungen lesen oder türkische Online-Medien nutzen. So viel zum Thema Integration im Jahre 2020. Ich habe hier bewusst die größte migrantische Community herausgepickt. Ob vor allem die Migranten aus muslimischen Ländern in ihrer Einstellung zu Staatsmacht soviel anders ticken, weiß ich nicht. Da machen sich die kulturellen Unterschiede eben auch bemerkbar und zwar (aus unserer Sicht) eben nicht positiv.

Mich wundert, dass das alles so vergleichsweise still vonstatten geht, obwohl der Ärger (Hamm ist kein Einzelfall) angesichts der angespannten Lage wegen Corona doch mit Händen zu greifen ist. Vielleicht kommt da auch zugute, dass mir die asozialen Medien nicht mehr als Quell der Freude zur Verfügung stehen.

Dass die deutschtürkische Staatssekretärin Serap Güler klarstellt, dass die hohen Infektionszahlen kein Migrantenproblem seien, war wohl unvermeidlich. Wenn auch nur ein Hauch von Kritik an Migranten, egal welcher Herkunft, geäußert wird, wird dem unverzüglich ein Riegel vorgeschoben. Das gehört sich nämlich nicht.

Polizeischutz

Dass wir seit Jahren vor jüdischen Einrichtungen Polizeischutz aufbieten müssen, weil diese Einrichtungen durch deutsche Rechtsextreme bedroht werden, gehört zu den schrecklichen Wahrheiten unseres Landes. Wenn jüdische Menschen die Entwicklung kritisieren, werden sie für ihre angebliche «Opferanspruchsideologie» attackiert. Daran merkt man wie die Saat (Fliegenschiss) der AfD (Gauland) aufgeht.

Es wäre wichtig, klarzustellen, welche Rolle die stark gewachsene Anzahl von Muslimen seit 2015 in Deutschland in diesem Zusammenhang spielt. Dies aber passiert kaum. Jeder bekommt gleich eins auf die Mütze, wer dieses Fass aufmacht.

Es reicht nicht, nur in Richtung der Nazis zu schauen, denn Muslime spielen leider bei der wachsenden Bedrohung für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger eine Rolle. Und bitte, jetzt komme mir keiner mit den üblichen Binse, dass es im Nahen Osten nun einmal üblich sei, auf die Juden böse zu sein — oder so ähnlich. Wie war das mit den kulturellen Eigenarten bestimmter Völker?

Clans herrschen nach ihrem Gusto

Was viele Linke und Grüne nicht wahrhaben wollen, ist, dass wir immer stärker aufbrechende strukturelle Probleme im Land haben, derer wir nicht mehr so leicht Herr werden. Diesen rechne ich übrigens natürlich auch die zunehmend sichtbare finanzielle Überforderung unseres Landes hinzu. Nicht auszudenken, was hier los sein wird, wenn die nicht mehr gegebenen Spielräume so offensichtlich werden, dass Kürzungen in allen Sozialetats unausweichlich werden. Man möchte dann kein Politiker sein!

Herr Reul, Innenminister in NRW, kann davon ein Lied singen, wie arabische Clans in den letzten Jahrzehnten im Land kriminelle Imperien errichtet haben. Sie schließen tausende von Personen ein Dass er sich endlich erkennbar – nicht nur mit Worten – darum bemüht, dagegen anzukämpfen und das Gesicht eines wehrhaften Staates zu zeigen, war lange überfällig.

Es ist wohl so, dass die verfahrene Entwicklung auch staatlichen Versäumnissen anzulasten sind. Nicht zuletzt wir (das gesamte Volk) war nicht bereit sich umeinander zu kümmern. Insofern behaupte ich, wir alle haben uns um die Menschen seit sie zu uns kamen, nie so gekümmert, wie es für eine gelungene Integration erforderlich gewesen wäre.

Allein von der Alimentierung des Staates lebt es sich nicht. Berufliche Perspektiven waren vielen verbaut, so dass sich kriminelle Perspektiven geradezu aufdrängten. Dass viele sich in unserem Staat mit diesem Hintergrund eingerichtet haben und sich von unseren dafür zuständigen Instanzen nichts sagen lassen, ist insofern selbst verschuldet.

Respekt und Ehre als egoistisches Konzept

In muslimischen Kreisen wird viel von Ehre und von Respekt geredet. Merkwürdig, ja provozierend, finde ich, dass das für die eigene Klientel zu gelten scheint, nicht jedoch für deutsche Mitbürgerinnen und Mitbürger. Und schon gar nicht für diejenigen, die für uns alle einen schweren Job machen – die Polizistinnen und Polizisten überall im Land.

Dass sich viele Migranten als wenig integrationswillig erweisen, erleben wir verstärkt in diesen Zeiten.

Ja mehr noch, sie demonstrieren durch ihr Verhalten, dass sie vor unseren Gesetzen und von denjenigen, die sie repräsentieren, keine Achtung und schon gar keinen Respekt haben. Die Gesetze Allahs stehen an erster Stelle, gefolgt von ein paar Dosen Erdogan. Und dann erst – vielleicht – folgt die deutschen Gesellschaft, der viele sich aus kaum nachvollziehbaren Gründen gar nicht zurechnen lassen will. Diese Gesellschaft hat sich aus meiner Sicht viel zu lange zu nachsichtig gezeigt und war, was all diese Menschen anlangt, zu wenig interessiert. Was wir bei unserer gegenseitigen Ignoranz allerdings kaum bedacht haben dürften, ist, dass man so keinen Staat machen kann.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

4 Gedanken zu „Böswillig und unbegründet“

    • Es geht zunächst doch einmal darum, sich überhaupt mit den Widersprüchen unserer Gegenwart auseinanderzusetzen. Für die Folgerungen gibt es die Politik, und mit ihr will ich lieber möglichst wenig zu tun haben.

      Antworten
  1. Hier mal ein differenzierender Artikel zu Muslimen in Deutschland:

    https://www.sueddeutsche.de/panorama/islam-in-deutschland-was-studien-ueber-muslime-erzaehlen-1.3925342

    Die Lage ist sehr gemischt – jedenfalls deutlich durchmischter als es die Berichterstattung über die Medien nahe legt.

    Dass Straftäter zu wenig verfolgt werden, verstehe ich auch nicht. Immerhin hat man ja in letzter Zeit mit verstärkten Repressalien angefangen.

    Hochzeitskorsos: Wie wäre es eigentlich, wenn man diese ganz legal anmelden und durchführen könnte? Hochzeiten werden ja lange und aufwendig geplant, das wäre von daher kein Problem. Die Polizei würde voraus und hinterher fahren, wie bei einer Demo – und es wäre angekündigt und käme in der Verkehrsdurchsage. Die Wahl der Strecke wäre eingeschränkt bzw. müsste abgesprochen werden.

    Antworten
    • Du wirst es kaum glauben, ich lese viel über den Islam – auch Differenziertes. Es geht mir nicht um Muslim-Bashing, sondern darum, die Augen nicht vor Fehlentwicklungen zu verschließen, was in unserem Land offenbar aus Gründen irgendwie angelegt ist. Wenn ich lese, dass Lehrer sich gegen muslimische Eltern wehren müssen, ist das inakzeptabel.

      Ich fürchte, da wird vom dt. Lehrerverband nicht grundlos von einem «Klima der Einschüchterung» gesprochen… Und was passiert, wenn solche erschreckenden Szenarien ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Es wird Whataboutism betrieben und die übliche Beschwichtigungspolitik gemacht. Bilden wir uns ein, dass die offenbar damit verbundene Absicht, Rücksicht auf Minderheiten zu nehmen, irgendwem nutzt?

      Der Mordanschlag in Dresden durch einen «geduldeten» und längst bekannten Islamisten ist wieder nur ein Beispiel dafür, wie sich der Staat hinsichtlich möglicher Folgen (Vertrauensverlust in die Demokratie) in dieser für alle Menschen in Deutschland wichtigen Frage gebiert. Da wird jemand als gefährlich eingestuft aber nicht abgeschoben, weil irgendein Gesetz, das in unseren Zeiten völlig unangemessen gilt, nicht geändert wurde. Wenn ich dann Politiker höre, die angeblich deshalb nicht handeln und dazu behaupten, dass es aufgrund des Krieges keine diplomatischen Kanäle mit Syrien mehr gebe, die die Rückführung solcher Verbrecher organisatorisch ermöglichten, bin ich nur noch zornig. Die solchen notfalls solche Typen mit dem Flugzeug (von mir aus mit Fallschirm) über Syrien abwerfen. Wenn wir aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen erlauben, dass solche Mörder hier in unserem Land Menschen abstechen, ist uns nicht mehr zu helfen. Es ist unvorstellbar, dass mutmaßliche Terroristen nicht ausgewiesen werden, weil sie in Syrien vielleicht gefoltert werden könnten. Angeblich befand sich in unmittelbarer Nähe des Täters ein Ermittler, der den Auftrag hatte, den vorbestraften und bekannten Islamisten zu überwachen. Hat ja super geklappt.

      Solche Erfahrungen kann man natürlich bagatellisieren und sie als Einzelfälle verkaufen. Tun wir ja gern.

      Der Staat scheint überfordert.

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