Professionalität der Geheimdienste

Zwischen meinen privaten Ideen von der Tätigkeit der Geheimdienste und der Realität ist die Kluft erheblich. Das liegt nicht nur daran, dass BND und Verfassungsschutz jeder Glamourfaktor fehlt. Ich bin räumlich wohl zu nahe dran. Glanztaten habe ich in der Realität nie wahrgenommen. Aber, wird mancher sagen, wäre seriöse und diskrete »Arbeit« nicht genau das, was »man« von solchen Diensten erwarten sollte?

In den fiktiven Geschichten sind Geheimdienste gut oder böse, selten beides zugleich. Da fällt die Einordnung ihres Wirkens je nach Standort leicht. Die Russen, die Chinesen sind oft böse, die Amis und Briten meist die Guten. Besonders tough sind auch jenseits aller Fiktionen in diesem Schwarz-Weiß-Spiel die Damen und Herren vom israelischen Mossad.

Der FSB verspielt seit den früheren Putin-Jahren zunehmend Kredit, und zwar dies- und jenseits der Realität. Ob RT-deutsch, Sputnik, Ken FM oder die AfD da viel ausrichten?

Alexej Nawalny zog den Telefonjoker, in dem er einen der acht Geheimdienstler des russischen Agententeams einfach mal anrief. Er schnitt dessen Reaktion zum Mordanschlag gegen Nawalnys Person per Videoaufzeichnung mit.

Dabei gab Nawalny sich als Assistent des Chefs des russischen Sicherheitsrats aus. Es schien, dass die beiden Männer sich nicht kannten. Wie passt das dazu, dass sich so einer – einfach mal an einem ungeschützten Telefon – auf ein solch verfängliches Wortgeplänkel einlässt? Gut, wird mancher jetzt denken. Der Papst hat schließlich auch schon ganz spontan Leute angerufen und mit ihnen ein Verzällche gehalten.

Mich erinnerte das an meine Jugend. Ich war im ersten oder zweiten Lehrjahr und rief nach Feierabend gemeinsam mit meinem Freund beim Einkaufsleiter meiner Firma an und avisierte diesem die Lieferung von zwei LKW – Ladungen mit Kernseife. Die Sendung würde, so behauptete ich, wie vereinbart, per Nachnahme erfolgen. Der Streich gelang. Wie er die paar Tausend Mark beschafft haben könnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Es genügte uns die Vorstellung, den Mann in Aufregung versetzt zu haben.

Alexej Nawalny hat einen Ruf. Dazu gehört unbedingt, dass er verwegene Recherchen angestellt und für seine Interessen instrumentalisieren konnte. Allein diese Tatsache und dass sein Feind Vladimir Putin heißt, scheint deutschen Medien hinreichend zu sein, buchstäblichen jeden Mist zu kaufen.

Nun wäre es keine Überraschung, dass selbst einem professionellen Haufen, ausgestattet mit der Lizenz zum Töten, auch mal ein Fauxpas unterläuft. Wer könnte das besser wissen als wir? Der BND ist für die Förderung und Bewahrung dieser Art von Desillusionierung (Stichwort: NSU) bekannt.

Dass in die Observation eines Regimekritikers manchmal nicht nur wenige Menschen involviert werden, vermag ich mir noch vorzustellen, zumal diese über Jahre stattgefunden haben soll. Dass die Namen eines achtköpfigen Teams jedoch durch Journalisten, womöglich durch Mithilfe von Insidern aufgedeckt werden könnten, gehört nicht dazu. Besser gesagt, es stört mein halbwegs intaktes Bild von der Professionalität der Geheimdienste ganz erheblich.

Ich glaube Putin – ganz ausnahmsweise. Peinliche Fehler können überall passieren. Daran kann man glauben, muss man aber nicht.


Über den Autor

Ich bin Horst Schulte. Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.

Mein Motto: "Bloß nicht zynisch werden..."

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