Priogruppe 3? Schade.

5.5.2021

Jetzt wären wir (meine Frau und ich) dran mit Impfen. Ich erhielt gestern den Anruf meines Hausarztes und erhalte morgen meine 1. Impfung – mit Biontech.

Meine Frau muss noch warten.

Ab morgen, 8.00 Uhr, werden unter anderem Termine für über 60jährige freigeschaltet. Dazu zählen diejenigen, die Angehöre pflegen. Also wäre auch endlich meine Frau an der Reihe.

6.5.2021

LAUmann ließ verlauten, dass sich die über 60-Jährigen wegen der Änderung der Prioritäten bitteschön an ihre Hausärzte wenden sollen. Dort gibts Ärger mit dem AstraZeneca – Impfstoff, weil die Alten diesen, aufgehetzt durch die Medien, ablehnen. Der bauernschlaue Gesundheitsminister LAUmann hat sich das so gedacht, dass über 60-Jährige, neben den anderen neu in die Priogruppe gerutschten Personen, nur noch dann in Impfzentren geimpft werden, wenn sie zum Beispiel Angehörige pflegen.

Dort gibts angeblich überwiegend Biontech. Alle übrigen über 60-Jähren sollen in die Arztpraxen, um dort die geliebte Dosis AstraZeneca zu bekommen. Wir hätten nix dagegen. Aber hier gehts wenig voran. Angeblich ja deshalb, weil die Ärzte immer noch zu wenig Impfstoff haben. Ich glaube allerdings, dass viele Arztpraxen entweder schlecht organisiert oder einfach unfähig sind.

Foto von Daria Sannikova von Pexels

Das Land könne, so LAUmann, nicht in die Zuteilungen der Vakzine eingreifen, weil die dem Bund obliege. Mit anderen Worten: Die Patienten der Hausärzte müssen sich vorwiegend mit AstraZeneca zufriedengeben. In den Impfzentren wird vorwiegend Biontech verimpft.

Wer einen Termin über die Website buchen möchte, läuft ins Leere. Nicht nur, weil heute erwartungsgemäß aufgrund der Änderungen die Seite wieder einmal zusammengebrochen ist. In den Daten kann zudem gar nicht hinterlegt werden, dass man einen Angehörigen pflegt. Es gibt lediglich neben Name und Adresse die Möglichkeit, auf Vorerkrankungen hinzuweisen. Sinnvoll wäre deshalb in unserem Fall nur die telefonische Kontaktaufnahme.

Ich frage mich, was Herr Gassen, Chef der kassenärztlichen Vereinigung, der ja mit seiner Kritik an Fehlern der Politik nicht gerade sparsam umgeht, eigentlich dazu meint, dass sein bzw. der Part eines Services (in NRW läuft die Terminvergabe über seinen Verein) so kläglich versagt und zwar fortgesetzt?

Das war die Lage von gestern. Im Regime von LASCHet und LAUmann funktioniert natürlich wieder nix! Wir haben seit heute 8.00 Uhr morgens telefoniert wie die Blöden. Es war kein Durchkommen. Die Website war (auch nicht überraschend) nicht erreichbar. Dann – wir hatten zwei Handys und ein Festnetztelefon im Einsatz, mal kein Besetztzeichen! Dafür die Ansage: alle Leitungen sind besetzt, versuchen sie es später noch einmal. So weit, so schlecht.

Ein paar Minuten später hatte ich Glück. Meine Frau war gerade Brötchen holen gefahren, ich hatte den Ehrgeiz sie mit einem Termin zu überraschen. Und siehe da, plötzlich war ich tatsächlich in einer Warteschleife. »Der nächste freie Platz ist Ihrer…« Juhu! 10 Minuten später war ein Mensch aus Fleisch und Blut am Telefon. Ich erkärte kurz die Sachlage. Häusliche Pflege der 96jährigen Schwiegermutter u.s.w. Die Dame checkte die Termine. Leider sind für Ihr Impfzentrum keine freien Termine mehr vorhanden. Bitte versuchen Sie es morgen oder an einem der folgenden Tage noch einmal.

Danke, Herr LAUmann, Danke, Herr LASCHet. Danke, Herr Gassen.


6.5.2021 – Update

Ich bin nun geimpft. Anders als heute Morgen kann man nun in den Personendaten im Impfportal (116117.de) hinterlegen, dass man zu den in die Prio3 hinein genommenen Leuten (Pflege von Angehörigen z.B.) gehört. Leider waren keine Termine zu erhalten. Danach habe ich noch einmal mit der Gassen – Antiservicestelle telefoniert. Dort bestätigte man mir, dass auch die Termine der umliegenden Impfzentren (Köln und Leverkusen) komplett ausgebucht wären. Mir wurde beschieden, dass Termine u.U. erst im September gebucht werden könnten. Wenn das stimmt…

Der Eingriff von LAUmann in die Prioritäten hätte demnach eine ungeahnte »Dynamik« entfaltet. Sie wirft ein weiteres Schlaglicht auf die Unfähigkeit vieler Politiker. Für mich ist das jetzt endgültig durch. Meine Frau und ich gehen nie wieder wählen.

Übrigens haben wir versucht, über unser Gesundheitsamt einen Impftermin für die leider immobile 96-Jährige Schwiegermutter zu kriegen. Keine Chance. Mein Hausarzt sagte, er könne das im Moment auch nicht übernehmen, weil er den sensiblen Impfstoff nicht von A nach B verbringen könne. Gut, das wars jetzt.

7.5.2021 – UPDATE

Meine Frau hat heute morgen gleich wieder telefonisch versucht, einen Termin beim Impfzentrum zu ergattern. Sie hatte Glück, d.h. nach ungefähr 2 x 10 Minuten (10 Minuten Besetztzeichen, 10 Minuten Warteschleife) hatte sie jemand Kompetenten am anderen Ende. Termine gibt es noch keine. Als meine Frau die Dame darauf hinwies, dass sie im System der kassenärztlichen Vereinigung gespeichert sei, nahm das Gespräch einen unerwarteten Verlauf. Im System war kein Eintrag zu finden. Das war dann der Moment, an dem meine Frau sich für das Gespräch bedankte und auflegte. Die kassenärztliche Vereinigung ist ja so was von toll organisiert. Ich muss Herrn Gassen wirklich mal einen Brief schicken. Spätestens dann, wenn der Kerl demnächst wieder den Mund aufreißt, um das Versagen DER POLITIK festzustellen.


10 Gedanken zu „Priogruppe 3? Schade.“

  1. Ok, so kann es also schiefgehen. Wenn Verwaltungen und/oder Politik eher unfähig oder desinteressiert sind. Oder unfähig UND desinteressiert.

    Ich dagegen habe Glück gehabt. In Hessen (auch Frankfurt) hatte man ab Mitte April die Möglichkeit eingeräumt, dass sich auch Personen der Prio-3 zum Termin anmelden können, vorausgesetzt, sie akzeptieren AstraZeneca als Impfstoff. Man hatte einfach zuviel davon unverimpfbar „auf Halde“ liegen. Das Frankfurter Impfzentrum hatte dafür extra Freitagabend-Termine eingerichtet.

    Also habe ich mich angemeldet, zwei Tage später hatte ich die Terminmeldung für einen Termin nur weitere zwei Tage später :-0

    Das war der Freitag vor genau zwei Wochen. Da war meine Freude natürlich groß. Meinen zweiten Termin habe ich genau zehn Wochen später Mitte Juli.

    Ein Freund (64) von mir hatte ähnlich schnell einen Termin beim Hausarzt, da er als Pflegeperson für seinen 93-jährigen Vater eingetragen ist.

    Manchmal klappt’s dann auch erfreulich unkompliziert…

  2. Die Möglichkeit hatten wir hier verpasst. Wir dachten, die Ärzte würden schneller vorankommen. Meine Frau und ich hätten auch AstraZeneca akzeptiert. Ich habe das Gefühl, Laumanns Strategie soll alle für blöd verkaufen. Die Ärzte kriegen hier vorwiegend AstraZeneca. Viele ältere Impflinge lehnen das Vakzin ab. Das Problem dürfte mit diesem bauernschlauen Trick nicht zu lösen sein. Vermutlich werden weitere Aktionen mit AstraZeneca stattfinden.
    Mein Versuch, überhaupt einen Arzt für meine Schwiegermutter zu finden, scheitert. Egal, wo ich nachfrage. Es wird dankend abgelehnt. Überlastung, heißt es dann. Die können mich alle.

  3. Ich hatte mich am 16. April, da ich in Hessen wohne, auch als Ü60 für AstraZeneca Impfung angemeldet. Vor 3 Tagen habe ich eine Mail erhalten, das AstraZeneca aus ist und ich nun in die „normale“ Prio-Gruppe 3 aufgenommen wäre. Einen Termin habe ich noch nicht! Allerdings bin ich zwischenzeitlich, da ich auch Nachrücker bin, schon 1x geimpft. Der zweite Impftermin ist der 8.6.

    Das mit den langen Wartezeiten zwischen den Impfungen liegt an der STIKO. Die empfehlen bei mRNA Impfstoffen 6 Wochen und bei Vektorvakzine 12 Wochen zwischen zwei Impfungen.

  4. So wie es aussieht hat man auch in Hessen die Ärzte mit AstraZeneca bedacht. Ich denke aber, dass der Impfstoff dort sehr schnell weg ist. Auch jüngere lassen sich mit diesem Impfstoff impfen. Mein Sohn (35) hat die Chance genutzt und ist mit Astra Zeneca bereits 1x geimpft.

  5. Dass hört sich alles nicht gut an.
    Das mit dem Impfen geht kreuz und quer. Ich hatte mnich ja vor 16 Tagen impfen lassen können, meine Schwägerin mit 69 hat noch keinen Termin, weil sie Astra wegen ihrer Thrombosengefähredung nicht wollte.
    Aber Leute in den Zwanzigern werden aucxh schon geimpft.

    Das Gute bei allem dabei ist: Man kommt dann doch relativ zügig dran. Ich selbst hatte 2, 5 Tage Anruferei und Nachhorchen bei Bekannten investiert. Ich wäre auch 125 km in den nächsten Landkreis gefahren.

    Ein weiteres Problem dürfte auch die Durchimpfung werden.
    Wie ich hörte, ist Florida gerade mal bei 30 %. Da gibt es einen Stau, der nicht aufzulösen zu sein scheint.
    Ich vermute, daß wir HÖCHSTENS 45 % Erstgeimpfte zusammenbekommen.
    Kenne allein ja mind. 5 Leute aus meinem Bekanntenkreis, die sich nicht impfen lassen wollen.

  6. In meiner Familie sind jetzt bis auf die Kinder nur meine Frau und meine Schwiegermutter ungeimpft. Ich schaffe es nicht, für die beiden einen Termin zu kriegen. Ich bin so sauer, dass ich mit diesem ganzen Scheißdreck im Moment im Kriegzustand bin. Heute habe ich wieder zwei Leute zusammengefaltet. Und doch, ich weiß, dass es nichts bringt.

  7. Reguläre Termine sind offenbar schwer zu bekommen.
    Ich habe mitbekommen, dass ein Internist unweit von mir auch impft.
    Da läuft viel auf Hörensagen.

  8. Stimmt. Ich kenne auch einige, die sich ihre Impfungen buchstäblich erschlichen haben. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Ich bin wirklich nicht neidisch. Allerdings gefällt mir dieses von der Regierung durch die Aufgabe der Priorisierung Verfahren nun immer weniger. Es gibt nur Chaos.

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