Gesellschaft

Der absteigende Ast hat eine erschreckende Eigendynamik

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Ein hoher Prozentsatz (8,5 %) der Kölner i-Dötzchen, also der Absolventen der ersten Klasse der Grundschulen, müssen das Schuljahr wiederholen. So etwas Erschreckendes hört man auch nicht alle Tage! Das gabs noch nie.

Es scheitert oft an der Sprache, wurde berichtet. Die Kinder können nicht folgen.

Mein Großneffe hat gestern auch sein Zeugnis bekommen. Er hat fast durchweg „gut“, in Religion sogar „Sehr gut“. Kunst ist nicht so seins. Da hat er „Befriedigend“. Und in Rechtschreibung. Er möchte gern zum Gymnasium und dem steht bisher nichts entgegen. Es gibt also doch noch gute Schüler. Mich freut das natürlich umso mehr, als der Junge im direkten Vergleich mit mir was drauf hat. Bei mir war die höhere Schule nie ein Thema.

Nie gab es so viele Krankschreibungen wie in diesen Zeiten. Die Leute sind nicht mehr nur „gestresst“, wie das schon in den 1970-er Jahren häufiger mal von älteren Kolleginnen und Kollegen zu hören war. Heute leiden sie an Burn-out oder anderen psychischen Erkrankungen. Macht Arbeit in diesen Zeiten krank? Ob da die 35-Stunden-Woche hilft? Vor allem, wenn dann der Arbeitskräftemangel rein rechnerisch doch eher zunimmt und die Arbeitsverdichtung damit auch.

Fachkräftemangel kennen wir inzwischen auch schon eine ganze Weile. Inzwischen muss man wohl längst vom Arbeitskräftemangel reden. Viel machen kann man da nicht. Obwohl 5 Millionen Menschen in unserem Land Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Irgendwas stimmt nicht.

Gut, an DEN Leuten wirds nicht liegen. Jeder weiß schließlich, dass die Politiker einfach nichts auf die Reihe bekommen. Die Arbeitgeber spielen auch nicht mit, weil sie keine genehmen Bedingungen und Prozesse gestalten. Da bleibt nur noch: Krank feiern.

Schuldzuschreibungen helfen nicht weiter. Die Lage, vor allem die Ausweglosigkeit und die damit verbundenen Zukunftsängste machen die Menschen missmutig, am Ende sogar noch kränker?

Vielleicht ist auch die Pandemie schuld und der Umgang mit ihr. Wobei wir wieder bei der Schuld der Politik wären. Egal, worum es geht, die machen einfach nur Mist.

Ich bin seit 8 Jahren Rentner und hab leicht reden, die Chance ergreifend und die Rente mit 63 gekapert — zulasten der Allgemeinheit, wie viele sagen. Und jetzt erhalte ich eine Rente, die Maybrit Illner in ihrer letzten Show gern als Sozialleistung mit Bürgergeld vermischen wollte. Dagegen hat Christian Lindner überraschend opponiert. Mit den dürren Worten, dass die Menschen dafür schließlich gearbeitet hätten. Nun, jedenfalls liegen auch die diesem Staat auf der Tasche und das Gesamtkunstwerk der Beschwernisse ist schließlich noch nicht teuer genug.

Dass die Presse aus der krisenhaften Lage hoher Ausfallzeiten durch verschiedene, hochgejazzte belastungsadäquate Krankheitsbilder ein gesellschaftliches Problem erkennt, ist nicht überraschend! Davon leben die zu gut.

Mir wäre es lieber, wenn sich die heutigen Arbeitnehmer mal darauf besinnen würden, für wen sie ihre Jobs eigentlich machen. Daran hat sich nämlich seit langer Zeit nichts geändert. Ich gebe eine Hilfe: nicht für den Staat und auch nicht für das Unternehmen. Trotz zugegebener Maßen, hoher Abgaben und schlechter Bedingungen.

Es mag vielen gefallen, wenn schwadroniert wird, dass die Franzosen im Gegensatz zu uns Deutschen arbeiten, um zu leben und nicht wie wir leben, um zu arbeiten. Das Jammern kann man reduzieren oder sogar ganz einstellen. Das ist auch für die Gesundheit bekömmlich. Das Immunsystem würde vermutlich auch profitieren.

Eh, ich weiß auch, wie es sich anfühlt, nicht mehr zu können oder zu glauben, man stehe kurz vor einem Zusammenbruch (Sorry, einem Burn-Out). Aber man darf sich nicht hängen lassen. Ich gehe nicht davon aus, dass all diese Menschen, um die es geht, eine depressive Phase durchmachen. Vielleicht fehlt auch nur ein bisschen Sonne.

Es geht schon weiter – irgendwie.

Treten Sie einen Schritt zurück, engagieren Sie sich eine Weile nicht so, wie Sie es sonst tun. Nicht, um Ihren Kolleginnen und Kollegen oder Chefs eine Botschaft zu geben, sondern für sich allein. Vielleicht ist die Krankschreibung nicht nötig? Meiner Erfahrung nach hilft das – sogar, wenn die Krise scheinbar nicht enden will.

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Quelle Featured-Image: HorstSchulte.com

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