Die NSDAP war keine linke Partei! Dennoch behaupten Rechte das immer wieder

Die Nazis waren Sozialisten? Ein Mythos im Faktencheck

Die Behauptung kursiert seit Jahren in ultrarechten Kreisen, taucht in sozialen Netzwerken auf und wird inzwischen gelegentlich mit dem Verweis auf ein angebliches „Historiker-Gutachten“ untermauert: Die NSDAP sei eigentlich eine linke, sozialistische Partei gewesen. Das ist Geschichtsfälschung – und sie lässt sich mit wenigen Tatsachen klar widerlegen.

Der Name als Propagandatrick

Das Wort „Sozialismus“ im Parteinamen war kein Programm, sondern Köder. Die NSDAP wollte damit Arbeiter aus dem Lager der echten Linken herausbrechen. Inhaltlich trennt beide Welten jedoch ein Abgrund: Sozialismus gründet auf dem Prinzip der Gleichheit aller Menschen, auf Internationalismus und Klassenkampf. Der Nationalsozialismus hingegen baute sein gesamtes Weltbild auf der rassistischen Ungleichwertigkeit von Menschen. Wer nicht zum „Volkskörper“ gehörte, hatte schlicht keine Rechte. Das ist kein Sozialismus – das ist sein Gegenteil.

Die Demokratische Volksrepublik Korea ist weder demokratisch noch eine Volksrepublik. Parteinamen sind Propaganda, keine Programme.

Hitler in eigenen Worten

Die überzeugendste Widerlegung liefert Hitler selbst. Am 2. März 1933 im Berliner Sportpalast: „Der Marxismus geht aus von dem Gedanken der Gleichheit der Lebewesen. Diese Lehre … ist wissenschaftlich längst widerlegt … Sie ist irrsinnig.“ Klarer lässt sich die Distanz zum Sozialismus kaum formulieren. Ein Sozialist, der das Gleichheitsprinzip als Irrsinn bezeichnet – das ist ein Widerspruch in sich.

Die Praxis der Machtübernahme

Wer noch Zweifel hat, schaue auf das, was die Nazis nach 1933 taten: Gewerkschaften wurden zerschlagen, sozialdemokratische und kommunistische Parteien verboten, rund 20.000 Kommunisten ermordet. Die ersten Konzentrationslager füllten sich mit Sozialisten und Linken. Kein sozialistisches System verfolgt und tötet seine eigene Bewegung in diesem Ausmaß.

Finanziert und ermöglicht wurde die NS-Diktatur übrigens nicht von der Arbeiterklasse, sondern von Großindustriellen wie Krupp und Thyssen – sie wollten genau das, was die Nazis lieferten: die Zerschlagung der organisierten Linken.

Das angebliche Historiker-Gutachten

In der seriösen Geschichtswissenschaft ist kein solches Gutachten bekannt. Es handelt sich um eine klassische Desinformationsstrategie: Eine politische Behauptung wird mit dem Anschein wissenschaftlicher Legitimität versehen. Projekte wie Geschichte statt Mythen und der Faktenfuchs des BR ordnen dieses Narrativ klar ein: Es ist Teil einer historisch-fiktionalen Gegenerzählung, die die politische Rechte von ihrer Verantwortung für den Nationalsozialismus freisprechen soll.

Das Ziel ist nicht historische Wahrheit. Das Ziel ist politische Entlastung.

Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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