Die AfD belebt nicht die Demokratie, sie desavouiert sie bei allen Gelegenheiten

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HORST SCHULTE

Meine Meinung ist, unsere Demokratie braucht die AfD nicht. Und die Debattenkultur wird durch sie auch nicht besser! Das Aufkommen der AfD so zu verniedlichen, wie es Eric Gujer im neuesten Beitrag der NZZ-Rubrik „Der andere Blick“ gemacht hat, halte ich deshalb fĂŒr falsch.

Daran Ă€ndert auch nichts, dass die AfD von 6 Mio. BĂŒrgerInnen gewĂ€hlt wurde. Es ist kein Trost fĂŒr mich, dass die Partei sich seither, was die Umfragen anlangt, kaum von der Stelle bewegt hat.

Klar, dass mir deshalb jetzt viele ein seltsames DemokratieverstĂ€ndnis vorwerfen dĂŒrften.

Aber ich habe vielleicht begrĂŒndete Sorgen. Schließlich wurde Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts auch die NSDAP demokratisch in den Reichstag gewĂ€hlt. Von ursprĂŒnglich 32 Sitzen (1924) arbeiteten sich die Nazis auf die Mehrheit von 288 Sitzen im MĂ€rz 1933 voran. Es ist historisch belegt, dass dies der Art der politischen Auseinandersetzung nicht gerade gut bekommen ist.

Die AfD ist eine rechtsextreme Partei, wie inzwischen jeder weiß und sogar sagen darf. Insofern halte ich das PlĂ€doyer von Chefredakteur Gujer fĂŒr falsch. Er teilt ĂŒbrigens, was durchaus nicht auf der Hand liegt, diese Meinung mit Roger Köppel, dem Chefredakteur der schweizerischen „Weltwoche“. Wer den SVP – Abgeordneten einigermaßen kennt, hĂ€tte auch nichts anderes erwartet. Er wĂŒrde sich bei der AfD sicher wohlfĂŒhlen.

Mein Einwand ist, demokratisch gesehen, natĂŒrlich höchst problematisch. Dessen bin ich mir bewusst. Aber da die Rechten ja stets so viel wert auf ihre Meinungsfreiheit legen und jeden Versuch, Hass und Abgrenzung zu unterbinden, grundsĂ€tzlich als Zensur diffamieren, erlaube ich mir eine klare politisch unkorrekte Antwort auf die in meinen Augen bekloppte Behauptung, die AfD wĂŒrde unserer Demokratie und unserer Debattenkultur gut tun.

Ich respektiere die Wahlentscheidung jedes AfD-WĂ€hlers, ebenso wie die aller anderen WĂ€hler demokratischer Parteien.

Dennoch halte ich die Argumentation von Eric Gujer, die von einigen Kommentatoren geteilt wird und die sich nach meinem Empfinden viel Zustimmung erfĂ€hrt, fĂŒr zu kurz gegriffen und deshalb fĂŒr grundfalsch.

Gujer hat in seinem Beitrag zwar einige MerkwĂŒrdigkeiten von AfD-Positionen beschrieben, die unter anderem in Bundestagsdebatten geĂ€ußert wurden. Ich finde viele AfD-DebattenbeitrĂ€ge, ganz abgesehen davon, dass sie teilweise in aggressivem und feindseligen Tonfall geĂ€ußert werden („Wir gegen alle!“) fĂŒr irrelevant und zudem fĂŒr nervend redundant. Immer die gleiche Schose. Das ist halt so, weil sich die BeitrĂ€ge der AfD auf so wenige Gebiete beschrĂ€nken. Die haben nix zu sagen, und sie bringen unser Land nicht voran. Diese Partei leistet keinen Beitrag fĂŒr unsere Demokratie, ihr Personal ist auf dem Spaltungstrip. Und von vielen ihrer AnhĂ€nger will ich gar nicht erst anfangen. Was ich von denen und ihrem „demokratischen Gehabe“ halte, werden aber vielleicht auch diejenigen nachvollziehen können, die meine Meinung zu einer ĂŒberschĂ€tzten AfD-PrĂ€senz im Bundestag als gute Demokraten ablehnen.

Im Übrigen ist es so, dass ich an der Arbeit der „neuen“ GroKo fast gar nichts gut finde. Ich sehe nicht, dass die von anderer Stelle gelobte PrĂ€senz der AfD darauf irgendeinen einen positiven Einfluss gehabt hĂ€tte.

Da steht ein saturierter Haufen von Abgeordneten, der uns Glauben machen wollte, dass „sich was Ă€ndern mĂŒsse“, einem anderen Haufen gegenĂŒber, der bisher nur aufgrund seiner unverschĂ€mten und rĂŒckwĂ€rtsgewandten Äußerungen auffĂ€llig wurde.

Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurĂŒck. Ich bin jetzt 71 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (auch aus Überzeugung) auf dem Land.

hs010225 a

AfD, Debattenkultur, Demokratie, Demokratiefeinde, Köppel

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