Spiegel TV wirft MP Dreyer vor, ihr Image wäre ihr wichtiger als das Leid der Betroffenen in ihrem Land

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HORST SCHULTE

Wie viel besser müssen sich die Pharisäer von Spiegel TV und anderer Medien eigentlich vorkommen, wenn sie die mutmaßlich Verantwortlichen in diesem grauenhaften Szenarium in dieser Art und Weise vorführen. Wie schmal ist der Grad der Verantwortungslosigkeit vieler Journalisten und Redaktionen? Wahr ist, dass nicht alles vom Pressekodex abgedeckt wird bzw. werden kann.

Manche Berichte, die voll sind vom geheuchelten Mitleid mit Betroffenen, zielen nur auf die emotionale Wirkung (also Klicks und Auflage), sondern liefern im Übrigen den politischen Gegnern der Beschuldigten und, was nicht zu unterschätzen ist, den Demokratiefeinden Munition für ihre eigenen Diffamierungen.

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Spiegel TV aber auch viele andere Medien (sogenannte investigative Magazine in ARD und ZDF, RTL etc. ) befassen sich mit der individuellen Schuld von Menschen am Desaster in den Flutgebieten. Hätten Menschenleben gerettet werden können, wenn frühzeitiger alarmiert worden wäre, Sirenen funktioniert oder betätigt worden wären oder hätten Katastrophenstäbe für die Evakuierung bestimmter Gegenden bzw. Ortschaften sorgen müssen? Nein, sie suggerieren darüber hinaus, dass auch die furchtbaren Schäden an Infrastruktur und Gebäuden gar nicht so schlimm hätte kommen müssen, wenn die zuständigen Leute ihren Job richtig gemacht hätten. Das ist so billig, dass mir jedes Mal schlecht wird, wenn ich diesen Mist irgendwo lese.

Im Video gibt es auch diese Passage:

„Am Freitag besucht MP Malu Dreyer in Begleitung des SWR den Ortsteil Altenburg in Altenahr. Die Anwesenheit von Spiegel TV stört sie zunächst nicht. Doch dann üben Betroffene Kritik.“ Ein Mann erklärt, dass aus seiner Sicht die Wut in den Ortsteilen jeden Tag größer würde. Dies sei keine Kritik, sondern eine Beschreibung. Es „besteht eine Gefahr, die Menschen zu verlieren.“ Malu Dreyer antwortet: „Nein, aber ich fühle mich sehr, sehr unfrei, weil jedes Wort mitgeschnitten wird und ich habe auch gar keine Lust, alles offen und ehrlich mit Ihnen zu besprechen, weil meine Besuche auch anders gestrickt sind. Normalerweise ist es so, dass ich mit Ihnen ganz privat rede. Und danach können wir sehr gerne jeden O-Ton-Wunsch auch dann gerecht werden. Aber ich glaube nicht, dass es für uns wirklich ein Vorteil ist, dass wir alles presseöffentlich machen.“

Der Kommentar von Spiegel TV: „Eine Ministerpräsidentin, die inmitten der Katastrophe ihr eigenes Image über das Leid der Betroffenen stellt“.

Aus den Einlassungen von Dreyer entnehmen die Spiegel TV – Flitzpiepen, dass der Ministerpräsidentin ihr Image wichtiger sei, als das Schicksal ihrer Bürger. Zugleich wird das Narrativ der AfD bedient, in dem insinuiert wird, dass die SWR-Leute nur deshalb Dreyer begleiten durften, weil sie weniger kritisch als die Sippe von Spiegel TV agieren.

Man muss nicht parteiisch sein, um wenigstens diesen Teil des Berichtes von Spiegel TV widerlich und abstoßend zu finden. Denke ich. Die Medien haben keine Verantwortung. Ihre Protagonisten geraten in unseren Breitengraden nicht in die Verlegenheit, für irgendetwas zur Rechenschaft gezogen zu werden. Sie können sich immer darauf berufen, dass in unserem Land Presse- und Meinungsfreiheit herrscht. Die paar Verfahren, die vom Presserat anhand des Kodex ab und zu mal zu einer „Verurteilung“ eines Mediums oder Journalisten führen, sind rar.

Aber insbesondere die Regional-Politiker, die oft einen harten und meistens guten Job machen, werden von solchen Leuten immer öfter an den Pranger gestellt. Und das von Leuten, die moralisch in sehr fragwürdiger Weise agieren. Und das nennen sie dann investigativen Journalismus. Ob das noch lange gutgeht?

Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 71 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (auch aus Überzeugung) auf dem Land.

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4 Gedanken zu „Spiegel TV wirft MP Dreyer vor, ihr Image wäre ihr wichtiger als das Leid der Betroffenen in ihrem Land“

  1. Psst.. ich weiß was. Ich weiß nämlich, was die Verantwortlichen bei Spiegel-TV viel mehr interessiert als das Leid nicht nur speziell dieser, sondern überhaupt irgendwelcher Betroffenen.

    Was wird das wohl sein? Naa??

    Und sehen wir’s doch mal realistisch: Keinem Politiker kann und wird das Leid Betroffener jemals nützlicher und dienlicher sein, wie es Medienkonzernen nützlich und dienlich ist. Und das ausschließlich. Das ist auf Kanalisationsniveau opportunistisch und ehrlos.

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  2. Ich persönlich sehe sehr viel Kritik am Journalismus als durchaus berechtigt. Ausdrücklich sei vermerkt, dass ich damit sowohl den öffentlich-rechtlichen als auch den privaten Bereich meine. Ein Beispiel: war7um wurde über das Lachen von Laschet während der Rede von Steinmeier erst in den ausländischen Medien berichtet, bevor es auch in den deutschen Medien thematisiert werden konnte? Oder lag dies zufällig alles daran, dass dies an einem pressefreiem Wochenende geschah?

    Zum konkretem Fall: zum ersten nehme ich einmal an, dass garnicht „Otto Normalbürger“ bis zur Ministerpräsidentin heran kommen würde, auch wenn man sich gern als Bürgernah darstellt, sei es drum.
    Zweitens wird zumindest in manchen Medien erwähnt, wer denn der ältere Herr wohl ist, der Frau Dreyer auf die prekäre Situation hingewiesen hat.

    Und jetzt zu meiner persönlichen Kritik zu Ihrem Beitrag: was bitte passiert denn, wenn die Bevölkerung im Katastrophengebiet
    a) sich vom CDU- Landrat verkauft fühlt (auch hier gibt es ja ausreichend Spekulation, wo er sich herum trieb, während in seinem Amt der Katastrophenfall hätte ausgerufen und die Bevölkerung offensiv gewarnt hätte werden müssen)?
    b) die gesamte kommunale Aufsicht geflissentlich über Missstände zhinweg siegt,
    c) in dem Moment, in dem die SPD- Mi8nisterpräsidentin auf den Missstand angesprochen wird, plötzlich die Presse unerwünscht ist?
    Ganz einfach: in dieser Situation werden aus normalen konservativen Wählern wohlmöglich rechtsextreme Protestwähler.

    Schade, dass davor die Augen verschlossen werden, aber nicht nur die bevorstehende Bundestagswahl wird so manchem die Augen öffnen.

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