Das Bessere ist der Feind des Guten

1. Februar 2026

6 1 Min.

KI Scheinwelt
KI Scheinwelt

Schnell noch ein paar Reels mit diesen ewig jungen, makellos hübschen Frauen, frisch gerendert aus den Traumfabriken der KI. Gesichter ohne Geschichte, Körper ohne Gravitation. Dazu ein paar groovige KI-Tracks von Spotify – algorithmisch passgenau auf meine Restaufmerksamkeit zugeschnitten. Herz, was willst du mehr?

Danach ein paar Videokommentare, Pod- und Videocasts zu den neuesten Ausfällen des Orangenen. Empörung in Endlosschleife, professionell aufbereitet, jederzeit abrufbar. Irgendwas brennt immer, irgendwer ruft immer „Skandal!“.

Und ehe man sich versieht, ist der Tag vorbei. Die Zeit verflossen, der Kopf voll, der Sinn leicht benebelt. Aber hey – bestens beschäftigt. Fast so etwas wie dabei gewesen.

Zwischen Zero-Click-Krise und echter Blog-Leserschaft

28. Dezember 2025

6 1 Min.

In Zeiten von Zero-Click-Suche und AI Overviews verlieren klassische SEO-Strategien rasant an Bedeutung. Persönliche Blogs punkten dort, wo KI noch schwächelt: bei Haltung, Erfahrung und Beziehung zur Leserschaft. Wer als Name gesucht wird, statt nur als Antwort, bleibt sichtbar.

910DEB0E DB59 4D38 B4EC C631D0A1AD6D

Die Goldgräberstimmung in der SEO-Welt ist längst vorbei. Wer heute noch glaubt, dass eine technisch perfekte Keyword-Optimierung allein für volle Klickraten sorgt, wird von der Realität – oder besser gesagt von Googles AI Overviews – hart eingeholt. Wir befinden uns so gesehen mitten in der Zero-Click-Krise. Informationen werden direkt in der Suche ausgespuckt, zusammengefasst, geglättet – und der Nutzer hat oft gar keinen Grund mehr, unsere Blogs überhaupt zu besuchen. Abgesehen davon, dass die wenigsten von uns in den AI-Overviews auftauchen und wir bestenfalls noch als eine Quelle unter vielen im Kleingedruckten landen.

Doch genau hier liegt wohl auch die Chance für uns. Während KI-generierte Snippets Fakten liefern, fehlt ihnen etwas Entscheidendes: die menschliche Perspektive, die Haltung und die persönliche, echte Erfahrung. Sie können Thesen sortieren, aber keine Biografie, kein Scheitern, kein Zögern erzählen. Viele haben es längst aufgegeben, für Algorithmen zu schreiben, und fangen an, wieder echte Beziehungen zu ihrer Leserschaft aufzubauen. Persönliche Blogs bemühen sich aus meiner Sicht zunehmend, genau das zu sein: Orte, an denen nicht nur Wissen abgelegt, sondern auch Zweifel, Brüche und Widersprüche sichtbar werden.

Der Schlüssel zur Unabhängigkeit könnte im Aufbau eigener Kanäle liegen. Wobei auch diese nicht ohne Ambivalenz sind. Ich erlebe sie gerade eher als Einschränkung und habe mich deshalb fast von allem befreit, was in irgendeiner Weise als Selbstverpflichtung empfunden werden könnte: regelmäßige Newsletter, ausgefeilte Content-Strategien, Social-Media-Pläne. Newsletter verbreiten sich, obwohl ich diesen Schritt bisher nicht einmal in Erwägung gezogen habe. Zu schlecht war die Resonanz auf die zeitweise vorhandenen Angebote, zu hoch der Aufwand dafür, eine stetig gefüllte Pipeline zu bedienen.

Allerdings können sie – wie andere eigene Kanäle auch – sehr wohl etwas bringen, denn sie gehören dir allein. Kein Algorithmus dazwischen, keine Timeline, die deinen Namen wegfiltert. Und genau darum geht es im Kern: Wenn du es schaffst, dass Menschen deinen Namen in die Suchzeile eingeben und nicht nur eine allgemeine Frage, hast du gewonnen. Dann bist du mehr als eine austauschbare Antwort im Meer generierter Texte. In einer Welt voller automatisierter Antworten wird die authentische Stimme (ob mit oder ohne KI-Hilfe) zum wertvollsten Gut im Web, das uns zur Verfügung steht.

Vielleicht müssen wir uns deshalb von der alten Kennzahl „Klick“ lösen. Wir schreiben nicht mehr nur für Reichweite, sondern für Menschen, die unsere Meinung schätzen, die wiederkommen, weil sie den Ton kennen, und die (besonders diese!), die uns regelmäßig ihre Kommentare dalassen. Nicht jeder Beitrag kann viral sein, nicht jeder Text AI-kompatibel. Aber jeder Text kann ein Baustein in einer Beziehung sein, die keine Startseite der Welt so schnell wegrationalisieren kann.

Eine mögliche Antwort auf die Zero-Click-Krise ist also nicht, noch perfekter für Suchmaschinen zu optimieren, sondern konsequent für Menschen zu schreiben: erkennbar, angreifbar, persönlich. Wer sich traut, eine Haltung zu zeigen, wird vielleicht weniger oft gefunden – aber dort, wo er gefunden wird, bleibt er länger im Kopf.

Mehr Bloggen mit Hilfe von KI. Womöglich ist weniger mehr?

8. November 2025

6 1 Min.

Wie ich schon sagte, ich schreibe ganz schön viel. Das liegt nicht nur an der KI, sondern wohl auch an der mir gebührenden Verteilzeit1. Ein Blog bietet sogar Gelegenheit, nicht nur über die anderen zu schimpfen, sondern die eigenen Handlungsweisen zu hinterfragen und evtl. sogar zu überdenken.

Bloggen mit KI
Bloggen mit KI

Worüber bloggen und weshalb? Wie kommt das an – für wen mach ich das überhaupt? Nun, die Fragen sind oft gestellt und vermutlich doch noch nicht in allen Facetten klar beantwortet.

Ich dachte, ich fang mal damit an, dass ich mir den Einfluss von KI auf mein Bloggen anschaue. Ich hatte nicht auf dem Schirm, dass ich die Plus-Version von ChatGPT schon seit Mai 2024 benutze. Vielleicht merkt man das meinen Texten stärker an, als ich vermutet hätte. Egal.

Tatsache ist, auch die Statistik, die ich eben mit ChatGPT gebaut habe, bestätigt, dass ich mehr blogge als früher. Die Zunahme ist im Vergleich zu 2023/24 aber doch nicht so stark, wie ich es erwartet hatte. Interessant fand ich die gute Entwicklung bei den Kommentaren. Das hatte ich auch nicht auf dem Zettel. Es gibt zwischendurch auch immer mal Zeiten, in denen die Kommentarfreude gebremst ausfällt. Früher beschränkte sich das eher Ferien- und Weihnachtszeit.

Mit der Unterstützung durch ChatGPT sind meine Artikel offenbar auch durchschnittlich etwas länger geworden. Das ist bei der komplexen Lage, in der sich nicht nur Deutschland befindet, vielleicht auch normal.

Ich weiß aus vielen Blogbeiträgen, dass viele von Blogstatistiken wenig halten und Beiträge darüber entsprechend selten sind. Mich interessierte aber doch, ob und wie sich der Einsatz von KI auf mein Schreiben bisher ausgewirkt hat.

Ich will gerne erwähnen, dass ich mich nicht zu denen zähle, die besonders skeptisch oder misstrauisch an diese umwälzende Veränderung herangehen. Noch überwiegt in meinem Fall die Begeisterung über die neuen Möglichkeiten. Andererseits sehe ich die mit dem Voranschreiten verbundene große Gefahr. Und zwar nicht bloß für die, deren Jobs durch KI »eingespart« werden. Und das werden sehr, sehr viele sein. Mir geben auch die Nachrichten zu denken (Studie, die gerade diskutiert wird), dass 40 % aller Aussagen der KI’s gelogen sein sollen. Ein Paradox sehe ich auch in der scheinbar bestehenden Tatsache, dass KI im Moment durch das Füttern immer größerer Inhalte, die durch KI’s produziert wurden, eher »dümmer« als »schlauer« wird. Da ist schon noch viel zu tun. Ich muss allerdings sagen, dass ich es oft amüsant finde, wie manche (auch Blogger) reproduzierbare Fehler einer KI als ganz großes Ding aufhängen und bestenfalls voreilige Schlussfolgerungen aus diesen Fehlleistungen ziehen. Schließlich hat doch jeder mal klein angefangen.



  1. In der Arbeitswissenschaft kann Verteilzeit auch heißen: die Zeit, die nicht direkt produktiv ist, sondern für Nebentätigkeiten draufgeht – etwa Wegezeiten, Werkzeugholen, kleine Pausen.
    ↩︎

Zwischen Tagebuch und Tabu: Was gehört ins Blog?

26. September 2025

6 1 Min.

In einigen Blogs wird gerade diskutiert, ob man Privates bloggen darf – und wenn ja, wie viel davon. Ich staune, denn ich war immer der Meinung: Genau dafür gibt’s Blogs doch! Persönliche Gedanken, kleine Anekdoten aus dem Alltag, der berühmte Blick durchs Schlüsselloch ins Autorenleben. Wenn ich hier viel über Politik und Gesellschaft schreibe ist das doch immer meine ganz private Sicht auf aktuelle Themen. Aber siehe da – man kann sich offenbar auch in Sachen Bloggen gründlich irren.

Bloggen: Schreiben, um sich selbst zu finden – und andere mitzunehmen bzw. abzuklopfen, wie die eigene Sicht ankommt

27. August 2025

6 1 Min.

Viele Blogger schreiben zwar öffentlich, aber primär für sich selbst; das hilft, Gedanken zu ordnen, sich vor Überforderung zu schützen und die eigene Persönlichkeit zu stärken. Zugleich entsteht eine Community, in der sich Blogger gegenseitig inspirieren und austauschen. Philosophisch betrachtet wird das Bloggen zu einer Form der Selbstreflexion und Kommunikation, die das Innen und Außen sowie das Individuum und die Gemeinschaft verbindet.

Für mich ist Bloggen eine kommunikative Tätigkeit, die in einem kleinen und geschützten Raum stattfindet. Ich blogge vielleicht auch deshalb immer an meinem kleinen Schreibtisch in der Ecke meines Arbeitszimmers. Am Desktop-Rechner, kaum nutze ich ein Notebook oder gar ein Handy. Der Platz, an dem ich meine Gedanken sortieren kann – räumlich fern von den täglichen Schlagzeilen (auch vom TV-Gerät!) und all dem, was uns sonst so überrollt. Viele von uns schreiben zwar in der Öffentlichkeit, aber nicht für die Öffentlichkeit. Es könnte schon sein, dass der Gedanke, den ich kürzlich so ähnlich bei Felix Schwenzel las, durchaus Allgemeingültigkeit besitzt.

Schreiben als Schutz und Selbstvergewisserung

Manchmal behaupten Blogger: „Ich schreibe in erster Linie für mich.“ Ich habe das auch schon geschrieben und glaube, es stimmt in vielen Fällen – und doch steckt mehr dahinter. Es ist auch eine Art Schutz. Wer so argumentiert, behält ein Stück weit die Kontrolle über das, was er verzapft. „War ja nur so’n flüchtiger Gedanke …“ Das macht klar: Ich zeige meine Gedanken, vielleicht versuche ich mit diesem „Trick“, einer verletzenden Kritik vorzubeugen oder auszuweichen. Dabei gilt, glaube ich, Persönlichkeit und Authentizität beim Bloggen mehr als perfekte Formulierungen, Argumente oder wissenschaftliche Belege. Schreiben macht Spaß. Das ist ein Faktor, der oft genannt wird und doch nicht immer so stark im Vordergrund steht, wie das bei diesem Hobby eigentlich vielleicht sein könnte. Habt ihr mal versucht herauszufinden, ob die Leute aus eurer Familie euren Blog wenigstens gelegentlich lesen? Oder — habt ihr mal eure Freunde gefragt? Ich glaube, die tun das nur selten. So ist das jedenfalls in meinem Fall.

Das Schreiben ist wie ein Balanceakt zwischen unserem Verstand und der Inspiration, die aus verschiedenen, oft geheimnisvollen Quellen sprudelt. Wenn wir uns als Blogger bemühen, besser zu werden, erkennen wir hoffentlich, wie wichtig es ist, unsere Leidenschaft mit unserem eigenen Stil zu verbinden.

Quelle

Als ich noch berufstätig war, haben meine Kollegen große Augen gemacht, wenn ich davon erzählte. Interessiert hat sich für mein Geschreibsel keiner von denen. Es muss wie eine exotische Idee auf viele wirken, wenn man sich als Blogger outet. Vermutlich geht das auch anderen Bloggern so. Das erklärt IMHO, weshalb man unter den Kommentaren überproportional viele Blogger findet. Die wissen nämlich, dass Kommentare für uns quasi das „Brot des Künstlers“ sind. Dass es Blogger gibt, die Kommentare gar nicht erst zulassen, könnte in der Enttäuschung begründet sein, früher mal zu wenig Kommentare für ihre Inhalte erhalten zu haben, und deshalb lieber ganz darauf zu verzichten. Ich kenne die Frustration darüber aus eigenem Erleben und die Gedanken, sich für so viel Ignoranz zu revanchieren.

Kommunikationsfreudigkeit geht nun einmal häufig mit Meinung einher. Wer keine Meinung zu den ganzen Vorgängen und Zumutungen dieser Zeit hat oder sehr harmoniebedürftig ist, wird sich mit vielen Themen unwohl fühlen.

Dialoge statt Monologe

Wenn ich zurückblicke, dann habe ich meinen Blog immer als eine Mischung gesehen: Tagebuch, Austauschort, Versuchslabor. Texte helfen mir, mein inneres Chaos zu ordnen. Gleichzeitig entstehen Verbindungen zu anderen Bloggerinnen und Bloggern, die sich häufig nicht nur in ähnlichen Themenbereichen bewegen. Es ist also doch mehr als nur die Debatte über aktuelle Themen, die uns Blogger verbindet. Das könnte man denken. In Wahrheit geht die Verbundenheit wohl klar darüber hinaus.

Für wen bloggen wir eigentlich?

Am Ende bleibt die Frage: Für wen bloggen wir eigentlich?

  • Für uns selbst – um Ideen festzuhalten, die sonst verloren gingen.
  • Die Gedanken zu ordnen und später im Zweifel noch einmal prüfen zu können, wie bestimmte Denkweisen sich entwickelt haben
  • Für andere Blogger – die verstehen, wie wichtig Austausch auf dieser persönlichen, aber eben virtuellen Ebene sein kann
  • Für Leserinnen und Leser, die sich wiederfinden wollen in unseren Geschichten.

Und vielleicht auch, um uns selbst daran zu erinnern: Wir müssen nicht jeden Tag die ganze Welt retten oder im Blog wenigstens die zahllosen Missstände attackieren. Manchmal wäre es besser, statt sich zu empören, dieses oder jenes Skandälchen in der üblichen Geschwindigkeit vorbeiziehen zu lassen und auf eine neue und vor allem bessere Geschichte zu warten. Ein Appell! Auch an mich.

jünger älter