Jürgen Klopp steht offenbar kurz davor, Bundestrainer zu werden. Dass ausgerechnet seine Verbindung zu Red Bull zur letzten Hürde wird, ist bezeichnend. Der Fußball hat sich in den letzten Jahren so stark ökonomisiert, dass selbst ein Trainer mit Klopps Charisma und Ansehen nicht mehr frei von solchen Debatten ist. Sechs Millionen Euro Jahresgehalt, dazu ein üppiger Abschied für den Vorgänger – das alles passt ins Bild eines Systems, das sich längst von vielen seiner ursprünglichen Werte entfernt hat.
Man kann das pragmatisch sehen: Der DFB will Erfolg, Klopp steht für Erfolg. Doch die Gleichzeitigkeit von Markenbotschafterrolle und Nationaltraineramt wirkt wie ein Symbol für die Vermischung von Sport, Werbung und Macht. Es ist kein Skandal im klassischen Sinn – eher ein weiteres Mosaiksteinchen in einer Entwicklung, die viele längst ermüdet.
Ein persönlicher Perspektivwechsel
Ich habe bei mir selbst bemerkt, wie sehr sich mein Blick auf den Fußball verändert hat. Früher hätte mich ein Ausscheiden Deutschlands im Sechzehntelfinale gegen Paraguay geärgert, vielleicht sogar tagelang beschäftigt. Dieses Mal war es anders. Am Ende des Spiels blieb nicht die Enttäuschung, sondern die Freude über die Begeisterung der Paraguayer.
Das war kein Zynismus, sondern eine Art Befreiung. Für einen Moment trat all das in den Hintergrund, was den Fußball inzwischen so schwer erträglich macht: die Dauerpräsenz von Funktionären, die Diskussionen über Geld, Einfluss und Abhängigkeiten. Auch das Gequassel im TV, das immer schlimmere Formen und Dichte annimmt, macht wohl viele Fans mürbe.
Die Schatten der FIFA
Dass heute kaum noch ein großes Spiel ohne Korruptionsvorwürfe auskommt, sagt viel über den Zustand dieses Sports. Die FIFA steht dabei wie ein permanenter Schatten über allem. Selbst wenn auf dem Platz ehrlicher Einsatz zu sehen ist, bleibt im Hinterkopf oft ein Rest Misstrauen.
Diese Skepsis ist nicht aus der Luft gegriffen. Zu viele Entscheidungen, zu viele Vergaben, zu viele Verstrickungen haben das Vertrauen beschädigt. Der Fußball hat sich seine Unschuld längst genommen – und das Publikum hat es registriert.
Warum die Begeisterung bleibt
Und trotzdem: Die Begeisterung verschwindet nicht. Sie zeigt sich dort, wo sie am ursprünglichsten ist – bei den Fans, bei den Spielern kleinerer Nationen, bei Momenten, die sich jeder Inszenierung entziehen.
Der Jubel der Paraguayer war so ein Moment. Ungekünstelt, ehrlich, frei von Kalkül. Vielleicht liegt genau darin die Zukunft des Fußballs: nicht in den großen Namen, den Millionenverträgen oder den perfekt orchestrierten Turnieren, sondern in diesen Augenblicken, die sich nicht kaufen lassen.
Der mögliche Bundestrainer Klopp wird daran wenig ändern. Aber vielleicht erinnert uns der Fußball – trotz allem – immer wieder daran, warum wir ihn einmal geliebt haben.

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