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Kein Jahr der einen Entscheidung, an der sich alles festmachen ließe. Es war ein Jahr der Verdichtung. Der Wiederholung. Der zunehmenden Klarheit darüber, wie sehr sich unsere politische Öffentlichkeit verändert – und nicht zum Guten.

Mein Blog ist auch in diesem Jahr das geblieben, was er für mich seit Langem ist: kein Verstärker für Empörung, kein Lieferdienst für fertige Meinungen. Er ist mein Denkraum. Und 2025 mehr denn je auch ein Ort des Widerspruchs. Gegen Kampagnen. Gegen Entmenschlichung. Gegen den Versuch, demokratische Politik verächtlich zu machen, indem man beispielsweise (systematisch) ihre Repräsentantinnen beschädigt.
Politisch war dieses Jahr unerquicklich in vielerlei Hinsicht
Migration, Gaza, Ukraine, soziale Verwerfungen – alles wichtig, alles belastend. Doch nichts hat mich so nachhaltig beschäftigt wie der öffentliche Umgang mit Frauen in der Politik. Nicht, weil Frauen per se schutzbedürftig wären. Sondern weil an ihnen auch exemplarisch sichtbar wird, wie sehr sich der Ton verschoben hat.
Die Kampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf war für mich ein Wendepunkt.
Was als angebliche »Kritik« begann, entpuppte sich rasch als gezielte Demontage. Persönlich, insinuierend, herablassend. Getrieben von Medien, die längst nicht mehr nur berichten, sondern Politik machen wollen: Welt, Focus, Cicero, Tichys Einblick, Achse des Guten, Nius. Unterschiedliche Marken, gleiche Stoßrichtung.
Ich habe darüber geschrieben, weil ich diese Texte nicht als Ausrutscher gelesen habe, sondern als Teil eines Systems. Wer Frauke Brosius-Gersdorf zur Projektionsfläche macht, zielt nicht auf Argumente. Wer Saskia Esken dauerhaft zur Karikatur erklärt oder Bärbel Bas reflexhaft abwertet, will nicht überzeugen – er will verächtlich machen. Wie das zusammenpasst mit Gender-Gap und den entsetzlichen Übergriffen gegen Frauen in unserer Gesellschaft (Femizide), soll jeder für sich beurteilen.
Diese Medien arbeiten mit einem simplen, aber wirksamen Muster:
Kompetenz wird relativiert, Motive werden unterstellt, Tonfall und Auftreten werden problematisiert. Bei Männern heißt das »durchsetzungsstark«, bei Frauen »arrogant«. Bei Männern »klar«, bei Frauen »kalt«. Das ist kein Zufall. Das ist Routine.
Was mich daran besonders umtreibt: Diese Kampagnen bleiben nicht in ihren Echokammern. Sie sickern ein. In Talkshows. In Kommentarspalten. In Alltagsgespräche. Sie prägen die allgemeine Sicht auf Politik – und beschädigen sie nachhaltig. Wer Politik permanent als unfähig, lächerlich oder moralisch verkommen darstellt, darf sich über Politikverdrossenheit nicht wundern. Er betreibt sie aktiv.
In meinen Texten habe ich das benannt. Deutlich. Manchmal bewusst polemisch.
Nicht, weil ich Lust auf Zuspitzung hätte, sondern weil mir Zurückhaltung zunehmend wie Kapitulation vorkommt. Ich habe gelernt, dass man Kampagnen nicht mit Fußnoten begegnet. Haltung muss sichtbar sein. Auch auf die Gefahr hin, anzuecken.
Das hat meinen Stil verändert. Ich schreibe klarer, direkter, weniger abwägend. Nicht, weil ich weniger zweifle, sondern weil ich Zweifel nicht mehr hinter sprachlicher Vorsicht verstecken will. Demokratie braucht keine sanften Formulierungen, wenn sie systematisch ausgehöhlt wird.
Parallel dazu lief ein zweiter, scheinbar technischer, in Wahrheit aber politischer Prozess: die Arbeit an meinem Blog.
GeneratePress, GenerateBlocks, eigene Plug-ins, Dark Mode, Kommentarlogik, Statistikfunktionen – das alles ist kein Selbstzweck. Es ist der Versuch, mir einen Ort zu bauen, der mir gehört. Unabhängig. Lesbar. Diskussionsfähig. Ein Gegenmodell zur Plattformlogik, die Aufmerksamkeit belohnt und Differenz bestraft.
Besonders wichtig war mir der Kommentarbereich.
Kommentare sind für mich kein Beiwerk. Sie sind Teil des Textes, Teil der Öffentlichkeit. Dass ich Zeit und Energie investiert habe, um sie sichtbar, zugänglich und respektvoll zu gestalten, ist kein technischer Fetisch. Es ist Ausdruck eines Verständnisses von demokratischem Gespräch, das ich nicht aufgeben will. Dass mir in diesem Jahr erneut Zweifel kamen, ist allerdings trotzdem wahr. Meine letzten Mitgliedschaften in den asozialen Medien habe ich aufgegeben. Ich möchte nur noch bloggen und verzichte dabei auch auf das Fediverse oder Blue Sky. Alles der gleiche Käse. Sorry an die, die das anders sehen.
Auch mein Umgang mit KI gehört in diesen Kontext.
Ich habe sie genutzt, offengelegt, reflektiert. Nicht als Ersatz für Denken, sondern als Werkzeug. Während andere moralisieren oder sie reflexhaft ablehnen, interessiert mich die Frage, was diese Technik mit Sprache, Autorschaft und Verantwortung macht. Auch darüber habe ich geschrieben – und Widerspruch ausgehalten.
Was mir 2025 erneut klar geworden ist:
Schreiben ist für mich kein Hobby, kein Altersprojekt, kein Reichweitenexperiment. Es ist Ausdruck. Und Widerstand. Gegen Vereinfachung. Gegen Zynismus. Gegen die Normalisierung des Abwertenden.
Am Ende dieses Jahres steht kein Fazit im Sinne von »erledigt«.
Eher ein Entschluss. Dranzubleiben. Widerspruch nicht müde werden zu lassen. Und Sprache nicht denen zu überlassen, die sie zur Waffe machen.
2025 war kein bequemes Jahr auf meinem Blog. Aber es war eines, in dem ich mehr geschrieben habe als je zuvor. Dass ich es dabei nicht vermochte, stets meine Leser*innen zu überzeugen, tut mir leid. Aber das war auch nicht mein Ziel.
P.S.: Was man über das Verhältnis zu den Verbrechern in Washington und in Moskau oder den Vaterlandsverrätern der AfD sagen könnte, habe ich mir verkniffen. Dieser Satz muss reichen.







Passender Jahresendtext, ich glaube aber nicht, dass wir Blogger mit unseren Texten großartig etwas bewirken können. Vom Grundsatz gebe ich Dir Recht – unsere Demokratie wankt und es ist nicht mehr an der Zeit einen Euphemismus für die Rechts(extremistische)lastigkeit der Republik zu finden.
Wenn ich mir vorstelle, dass die AFD in vier Jahren große Chancen hat, als erste rechtsextremistische Partei nach 1945, wieder eine Regierung zu stellen, wird mir schlecht.
@Peter Lohren: Danke, Peter. Dass wir als Blogger etwas bewirken können, glaube ich auch nicht. Aber ich versuche es einfach weiter. Unabhängig davon gilt, dass Bloggen vor allem mir zugutekommt. Es hilft, die Gedanken zu ordnen. Wer weiß, ob die AfD überhaupt noch 4 Jahre braucht. Eigentlich wären es ja bald auch nur noch 3. Ein Jahr der Schonfrist ist ja fast rum.