Pflegenotstand – jetzt auch bei uns

Während des deutschen Pflegetages in Berlin forderte die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Christine Vogel, 4.000 Euro Monatsgehalt für die in der Pflege tätigen. Sie erwähnte auch, dass das Einstiegsgehalt in der Pflege bei 2.400 Euro im Monat liegt.

Ich möchte nicht beurteilen, ob die Forderung, die übrigens von Gesundheitsminister Spahn unterstützt wurde, in dieser Höhe berechtigt ist oder nicht. Persönlich glaube ich nur nicht daran, dass der bereits real existierende Pflegenotstand durch solche Maßnahmen beseitigt werden kann. Übrigens auch nicht durch signifikant veränderte Bedingungen in dieser Branche. Aber helfen würden diese Maßnahmen sicher. Dass sie ausreichend, um das Problem zu lösen, glaube ich persönlich nicht.

Auch für viele andere Berufe scheint der Grund für die Nachwuchsprobleme eher der zu sein, dass es schlicht zu wenig Leute gibt. Der Fachkräftemangel wird sich während der voranschreitenden demografischen Entwicklung immer stärker manifestieren. Das gilt für viele verschiedene Berufe. Das Handwerk scheint übrigens besonders stark davon betroffen zu sein.

Sarah Wagenknecht hat kürzlich in einer Talkshow erneut die Position vertreten, die übrigens auch von der AfD (aus anderen Gründen) geteilt wird. Sie wird mit populistischen Erklärungen garniert. Sie ist der Ansicht, dass „nur“ vernünftig bezahlt werden müsse. Außerdem gelte es einen Schatz zu heben, der ihrer Meinung nach im Potenzial von ungefähr 3 Millionen Arbeitslosen bestehe. Zudem ist in diesem Zusammenhang von den vielen Tausend jungen Leuten die Rede, die ohne Abschluss die Schulen verlassen; Studienabbrecher seien ebenso einzubeziehen.

Es wäre schön, wenn unser Staat in der Lage wäre, durch mehr Investitionen in Bildung und Ausbildung solche Potenziale, die nominal natürlich existieren, heben könnte. Da jedoch die individuellen Entscheidungen vermutlich doch sehr bewusst getroffen werden, ist nicht zu erwarten, dass Studien- oder Schulabbrecher so einfach für bestimmte Berufe und Tätigkeiten zu erwärmen sind.

Ich bin dafür, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Dazu gehört auch und vor allem eine gute und zielgerichtete Einwanderungspolitik, von der man in unserem Land meiner Meinung nach bisher nicht profitieren konnte. Ich vermute, dass das daran liegt, dass es diese bisher schlicht und ergreifend immer noch nicht gibt. Wirkt das „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“? Es wurde jahrelang darüber gequatscht, nun (seit 2020) haben wir eines. Wie sind die ersten Erfahrungen?

Wir erhielten heute Morgen einen Anruf von der „Caritas“. Unserer hiesigen Niederlassung fehlen dramatisch viele Mitarbeiterinnen. Deshalb wird – zunächst in den nächsten vierzehn Tagen – keine Pflege geleistet.

Meine Frau wird bei meiner 97-jährigen Schwiegermutter also ab morgen vorläufig die Körperpflege am Morgen vornehmen. Meine Schwiegermutter ist immobil. Sie sitzt im Rollstuhl oder liegt im Bett. Ihre kognitiven Fähigkeiten sind stark reduziert.

Jetzt sind wir besorgt, dass die geringe Unterstützung, die wir bisher in Anspruch genommen haben, auch noch entfällt. Der Pflegenotstand ist nicht abstrakt.

Update: 28.10.2021

Am Montag kommt der Pflegedienst wieder. Ich habe noch einmal angerufen und diesen Bescheid erhalten.

Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Rentner, Autor, Blogger und Hobbyfotograf

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