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An deutsche Leitmedien: Lasst eure pauschalen Vorwürfe stecken!

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Ich kann das nicht mehr hören! Ewig wird in diesem Land mit Rassismusvorwürfen, zuletzt verstärkt wegen unseres angeblich zugenommenen Antisemitismus gegen die autochthone Bevölkerung agitiert. Die ständigen Artikel und veröffentlichten Studienergebnisse betrachte ich als explizite Vorwürfe an die Adresse aller Deutschen.

Bringt das eigentlich etwas oder wird man die Menschen damit nicht noch stärker auseinandertreiben? Wem soll das nützen? Die Polarisierung zwischen den Menschen ist längst ausreichend hoch. Kennen die Medienleute kein Maß, keine Verantwortung für das Ganze? Geht es nur noch um Stimmungsmache und darum, die Leute auf die Barrikaden zu treiben?

Rassismus ist in Deutschland allgegenwärtig. Viele nicht deutsch gelesene Menschen machen regelmäßig negative Erfahrungen – im Umgang mit Mitmenschen, Behörden, in Praxen oder bei der Polizei. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) . Am stärksten betroffen sind schwarze Menschen, hier hat der Analyse zufolge mehr als jeder zweite eigene Rassismuserfahrungen in der Öffentlichkeit gemacht.

Spiegel

Natürlich werden solche streng nach wissenschaftlichen Maßstäben gesammelten Erkenntnisse stets zu der Zeit in die Öffentlichkeit gegeben, in der dies besonders schmerzt. Mich jedenfalls. So glauben deren Urheber und natürlich ein großer Teil der Journaille, die sich ohnehin mit Vorliebe darin zu ergehen scheint, alles Deutsche niederzumachen, das immer und immer wiederholen zu müssen. Dabei haben wir dafür doch die ausländische Presse wie beispielsweise die NZZ und die Weltwoche in der Schweiz.

Ich bin weder ein Rassist noch bin ich ein Antisemit. Allerdings habe ich kaum mit Menschen zu tun, die schwarze Haut haben, einen Migrationshintergrund oder Juden sind. Das war auch während meines Berufslebens der Fall. Bevor eingewendet wird, dass ich mich wohl nicht um Kontakt bemüht hätte: Ja, das kann sein. Aber nicht, weil ich Rassist oder Antisemit wäre, sondern weil mir die notwendige Fähigkeit auf Menschen zuzugehen nicht gegeben ist. Im Gegensatz zu meiner Frau. Sie ist auch schon seit sechs Jahren Rentnerin, war aber vorher im Einzelhandel tätig. Wer sie kennt, weiß, dass sie freundlich und zuvorkommend ist. Immer!

Ich bin mein Leben lang mit allen Menschen, denen ich begegnet bin, anständig umgegangen. Meine Mutter hatte mir früh beigebracht, dass ich andere Leute so behandeln soll, wie auch ich gern behandelt werden möchte. Das habe ich befolgt – soweit es möglich war. Das Prinzip hat sich aus meiner Sicht bewährt.

Man kann großes Unbehagen darüber empfinden und die Deutschen dafür kritisieren, dass sie in steigender Zahl vorgeben, eine rechtsextreme, ausländerfeindliche Partei zu wählen. Davor, dass sie sich anschickt, die Regierung in mehreren ostdeutschen Ländern zu übernehmen, graut es vielen in Deutschland.

Aus den permanenten Berichten über das Thema wissen wir, dass es in Deutschland auch nach dem 2. Weltkrieg eine gewisse Offenheit für rechtsextreme Ansichten und für Antisemitismus gab. Die Rede war von Werten, die um die 20 % (mal mehr, mal weniger) lagen. Das mag für manche die Berechtigung sein, zu verallgemeinern und die ach so schlimmen Erfahrungen von Geflüchteten ins Kalkül zu ziehen.

Wenn es in Deutschland doch so grauenhaft mit dem Rassismus ist, warum kommen immer noch so viele Menschen in unser Land? Geld sticht ungerechte, asoziale Behandlung oder wie habe ich mir das vorzustellen? Ich mache mir diese miese Sicht nicht zu eigen, aber wie passt das bitte zusammen? Ich höre (gern auch von Wissenschaftlern), dass die Leistungen unseres Staates für Geflüchtete keinen Pull-Effekt darstellen würden. Das ist in meinen Augen schlicht gelogen oder an den Fakten vorbeilaboriert!

Wenn man aufgrund neuer Veröffentlichungen über den im Land verbreiteten Antisemitismus ausgerechnet in dieser Zeit ein weiteres Fass aufmacht, ist das nur kontraproduktiv. Ja, es gibt Rassismus und es gibt Antisemitismus. Der geht aber nicht weg davon, in dem die Medien den Eindruck verstärken, beides sei ein vorwiegend deutsches Phänomen. Und wenn nur dieser Eindruck entsteht, es ist töricht von den Medien darauf zu bauen, dass dieser Müll bei den Leuten, die sich als Rassisten und Antisemiten betätigen, aus einem unbekannten Grund verfangen wird.

Ich fühle mich derweil völlig zu Unrecht angegriffen und kann eigentlich nichts dagegen tun. Ihr Idioten verliert mich — immer mehr.

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Quelle Featured-Image: HorstSchulte.com

10 Gedanken zu „An deutsche Leitmedien: Lasst eure pauschalen Vorwürfe stecken!“

  1. Was regst du dich auf? Mich trifft das gar nicht. Ich weiß, dass wir einen ziemlich konstanten beträchtlichen Anteil an Antisemiten (und anderen Rassisten) im Land haben – schon seit Jahrhunderten. Sehen wir jetzt gerade wieder. Vor allem, weil das Thema von wirklich allen Seiten an den höchsten Laternenmast gehängt wurde.

    Das ist komplett interessegeleitet, da sind ganz viele politische Köche dran interessiert, ihren Nutzen draus zu ziehen.

    Und weil diese sogenannte „Migrationsdebatte“ permanent von allen Seiten so hochgekocht wird, dass andere höchst wichtige (und tatsächlich wichtigere) Themen fast untergehen, wird da auch mit Hochdruck analystiert und Statistik betrieben, bis die Socken qualmen.

    Das haben wir alle mit zu verantworten.

    Wie gesagt, mich lassen solche Pauschalurteile ziemlich kalt – ich kenne meine persönlichen Ressentiments so gut, dass ich sie nicht diskutieren muss und auch nicht werde.

    Über manchen Dingen muss man einfach drüber stehen…

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  2. Man sollte drüberstehen. Aber das tun wir ja nicht. Nicht nur ich spiele verrückt, sondern eine Menge ganz anderer Leute, die diese Stimmung auszunutzen verstehen. Gegen Ausländer im Allgemeinen und Muslime im Speziellen. Hätte man bloß die Dinge nicht einfach laufen lassen. Das ist leider passiert. Vor allem aus Bequemlichkeit. Eine furchtbare Zeit ist das.

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  3. Verstehe nicht wirklich, warum du dich so aufregst! Das eingangs zitierte Spiegel-Zitat berichtet ja nichts faktisch Falsches: Nicht alle, aber viele machen diese Erfahrungen und Schwarze am häufigsten.

    Das heißt im Umkehrschluss NICHT, dass ALLE Deutschen Rassisten und Antisemiten sind, aber doch ein gewisser Anteil, der – je nach Studie und Zeitpunkt – unterschiedlich hoch ausfällt. Aus meiner ehrenamtlichen Arbeit (2015 – 2019) in einer Beratungsstelle für Geflüchtete weiß ich ebenfalls, dass diese Erlebnisse vielfach vorkommen – deshalb gab es auch einen Begleitungsdienst für Behördengänge, dann wurden die Flüchtlinge nämlich korrekt behandelt.

    2023:
    Seit 2 Monaten bin ich im FitnessCenter, da ist eigentlich jeder für sich. Nur zweimal ein wenig geplaudert. Person 1 beschwert sich, dass Flüchtlinge „so viel bekommen“, Person 2 (in der Sauna) beschwert sich, „dass in der Sauna selten deutsch gesprochen wird und er nichts versteht“ (meine Erfahrung: es wird gar nicht gesprochen, Anteil Biodeutscher 95%)

    Man könnte sagen: 100% meiner Kontakte mit Menschen im Fitness-Center zeigen eine deutliche Flüchtlings- und Ausländerfeindlichkeit. Das würde bei Neo-Linken „als Rassismus gelesen“ werden, aber egal, wie man es nennt: Nett und menschenfreundlich ist es nicht.

    „Bringt das eigentlich etwas oder wird man die Menschen damit nicht noch stärker auseinandertreiben? Wem soll das nützen? „

    Das ist eine Frage, die sich Journalisten nicht unbedingt stellen – und wenn sie es doch tun, werden sie schon auch gebasht wegen ihrer „Haltung“. Schließlich sei es Aufgabe der Journalisten, zu berichten, was ist… (womöglich noch „alle Seiten ausgewogen zu Wort kommen lassen“, egal wie rechtsextrem, verschwurbelt oder abseitig die „andere Seite“ sein mag).

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  4. Ich kann persönlich deine Beobachtungen nicht teilen bzw. nicht nachvollziehen. Wenn ich mich auch über manche Dinge pauschal ärgere und mich ggü. meiner Frau darüber auslasse, ich behandle die Menschen, mit denen ich es zu tun habe, freundlich und zeige mich, falls nötig, hilfsbereit. Ich denke, so machen das die meisten. Mag sein, dass das in Großstädten ganz anders läuft. Und bei Behördengängen oder im Kontakt mit Behördenvertretern kann es auch hier mal zu negativen Erfahrungen kommen. Schließlich sind wir alle Menschen, die nicht jeden Tag gleich darauf sind. Aus diesem deutschen Wesen, an dem einst die Welt genesen sollte, gibt es immer schon viel zu meckern. Wir sind ziemlich perfektionistisch darin, uns selbst zur Sau zu machen. Dass es solche Institute wie das von Frau Kahane gibt, führt dazu, dass diese Aufgabe nicht nur auf unprofessioneller Ebene, also von uns selbst, sondern längst in institutionalisierter, perfektionistisch angelegter Form geschieht. Mir stinkt das gewaltig und ich lasse mich nicht für dumm verkaufen.

    Du gehst gar nicht auf den provozierendsten Teil meines Beitrages ein. Warum kommen, trotz all der Rassisten eigentlich so viele Ausländer nach Deutschland? Ich zweifle nicht daran, dass es im Land viele unangenehme Leute gibt – auch Rassisten und Antisemiten. Aber wenn wir diesen Mist ständig vorgehalten bekommen und die Presse als Katalysator aber nicht mit Einordnungen um die Ecke kommt, wird es immer unerträglicher. Was denkst du, wie viele insbesondere alte, weiße Männer so oder ähnlich denken. Bis wir alle ausgestorben sind, wachsen nicht so viele junge, kosmopolitische Denkende nach. Also Achtung.

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  5. “ Warum kommen, trotz all der Rassisten eigentlich so viele Ausländer nach Deutschland? „

    Weil wir in der EU das größte und noch immer wirtschaftlich stärkste Land sind – sozusagen die erste selbst gewünschte Anlaufadresse. (Würde ich auch so machen).
    Auch mit Bezahlkarte und anderen Restriktionen wird es hier immer noch eine ganze Menge Möglichkeiten geben, die anderswo seltener sind. Zur Not auch unter dem Radar, siehe Arbeitskräftemangel.

    Ich habe übrigens nie daran gezweifelt, dass DU in die deinen hilfsbereite freundliche Menschen seid! Weiß gar nicht, wie du darauf kommst…

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  6. Damit ist eine Stellschraube für weniger illegale Zuwanderung identifiziert. Wir müssen die Leistungen kürzen, und zwar so, dass diese auch wirklich spürbar ist. Alle Maßnahmen, die zu treffen sind, tun Menschen weh. Dass wir jetzt an diesem Punkt sind, hat auch damit zu tun, dass wir viel zu lange gebraucht haben, um diesen absoluten Irrweg zu erkennen. Immer noch tun sich vor allem Grüne so schwer damit, dass sie die Beschlüsse der Regierung massiv hinterfragen.

    Die Bemerkung, dass wir hilfsbereit und freundlich wären, habe ich gemacht, weil ich das gleiche unbedingt für eine bedeutende Mehrheit im Land behaupten möchte. Dabei hatte ich nicht im Kopf, dass du darüber anders denken könntest. Ich finde diese seit Jahren erhobenen Vorwürfe gegen Deutsche enervierend. Dabei weiß ich natürlich, dass es Antisemitismus und Rassismus im Land gibt. Aber ist es notwendig, an einem so kritischen Punkt der Gesellschaft, eine solche Studie vorzulegen? Der Zeitpunkt, ich wiederhole mich, ist doch nicht zufällig gewählt. Das triggert mich immer wieder. Ich lasse mich nicht gern von irgendwelchen Leuten für dumm verkaufen.

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  7. Ich denke ganz ebenso, dass die Mehrheit hierzulande KEINE Rassisten oder Antisemiten sind. Das behauptet auch – soviel ich weiß – diese Studie nicht, die ich selbst nicht gelesen habe, sondern nur Berichte darüber. Ich hab‘ nun die Zusammenfassung gelesen und sehe: es ging im Wesentlichen um den Gesundheitsbereich und die Fragen/Antworten bzw. Erfahrungen werden sehr differenziert nach Themen und Bereichen, sowie den Wirkungen dargestellt.
    Dass es solche Studien gibt, finde ich richtig, denn was da berichtet wird, ist zweifellos ein Missstand! Es ging auch nicht hauptsächlich um Geflüchtete (!!!), sondern um alle. So heißt es in der Studie (PDF) z.B.:
    „Geschlecht, Alter und Gewicht sind die drei am häufigsten benannten Diskriminierungsmerkmale bei nicht rassistisch markierten Frauen. Knapp 58 % der Diskriminierungserfahrungen werden von diesen Frauen auf ihr Geschlecht zu-
    rückgeführt, 38 % auf ihr Alter und 19 % auf ihr Gewicht“.

    Von „Antismitismus“ ist im Bericht nahezu gar nicht die Rede, der Focus liegt auf „RASSISMUS, DISKRIMINIERUNG UND GESUNDHEIT“ – und es lohnt, sich das Paper mal genauer anzusehen! U.a. erfährt man auch die internationalen Verpflichtungen, die die BRD eingegangen ist und die ein solches Monitoring erfordern – ganz ebenso wie
    daraus folgende Maßnahmen. Das ist nicht erst seit der Ampel Pflicht.

    Mir scheint, diese Studie hat eigentlich nichts mit aktuellen Vorgängen zu tun, bezieht sich auf Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitsbereicht und steht in einer langjährigen Kontinuität verschiedenster Bemühungen, Rassismus zu erforschen und in der Folge zu bekämpfen.
    Anscheinend hat die Presse der Sache einen aktuellen „Drall“ verpasst, den sie gar nicht mitbringt.

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  8. Es ist nicht so, dass ich solche Studien nicht zur Kenntnis nähme oder nicht zur Kenntnis nehmen wollte. Mir ist es allerdings zuwider, dass ich oft genug das Gefühl habe, dass gerade dann solche Studien vorgestellt werden, wenn wieder etwas passiert. Ich würde behaupten, dass mit solchen Ergebnissen eine bestimmte Denkweise unterstützt bzw. gefördert werden soll. Klingt nach Verschwörungstheorie? Im Moment hat sich leider der Eindruck verstärkt, dass es nur um den importierten Antisemitismus ginge. Es gibt Leute, die genau daran interessiert sind. Das ist sonnenklar, und ich finde es schrecklich. Wenn Kahane aber nun ausgerechnet in dieser Phase mit ihrer Studie um die Ecke kommt, wirkt das bzw. die Absicht dahinter auf mich nicht weniger durchsichtig.

    Du hast die Presse verfolgt. Kann man die Berichterstattung auch anders interpretieren? Nur darum geht es. Die wollen uns für blöd verkaufen. Wenn wir denen auf den Leim gehen, tun wir uns damit keinen Gefallen. Meinst du wirklich, der Zeitpunkt der Veröffentlichung hätte nichts mit den aktuellen Vorgängen zu tun? Im Leben nicht.

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  9. Ich denke, es ist auch der alltägliche Rassismus gemeint, der meiner Meinung nach alltäglich ist. Das zeigt sich oftmals in Kleinigkeiten.
    https://randblog.de/weisse-schokolade/

    Auf der anderen Seite gibt es den Rassismus auch gegen Bundesbürger im Ausland. Insbesondere die Franzosen diskriminieren uns immer noch als Nazis.

    Gruß aus dem auch nicht immer vorurteilsfreien Sauerland

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  10. Wir tendieren allzu sehr zur selbstkritischen Auseinandersetzung. Eigentlich ja eine begrüßenswerte Eigenschaft. Nur – wir übertreiben es. Ja, es gibt Alltagsrassismus und dagegen müssen wir etwas tun. Aber die Übertreibungen angesichts der Vorgänge auf unseren Straßen nach dem Hamas-Überfall auf Israel sind nicht zur Aufarbeitung angetan. Sie stören den sozialen Frieden im Land. Wenn Linke dann so tun als sei das gar nicht das Problem, sondern die Rechten (von ihrem Antisemitismus reden sie verständlicherweise ungern) alles in die Schuhe geschoben kriegen, ist das Vorspiegelung falscher Tatsachen. Mir geht die Nabelschau (wer ist der Guteste unter all den Guten) richtig auf den Zeiger.

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