
Die Bilder vom Februar 2022 sind noch präsent: Mahnwachen, blau-gelbe Flaggen und die laute Forderung nach einem sofortigen Energie-Boykott. Es war die Geburtsstunde einer neuen Ära, in der Moral über Marktgesetze gestellt wurde. Doch blickt man heute auf die nackten Zahlen, stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. War die Forderung nach einem Totalstopp aus heutiger Sicht leichtsinnig?
Inhalt
Wir erinnern uns? Oder lieber nicht.
Umfragen von Ende Februar und März 2022 (z. B. ZDF-Politbarometer) zeigten, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen (bis zu 62 %) harte Sanktionen befürwortete – auch wenn dies zu persönlichen Nachteilen oder höheren Energiepreisen führen würde.
Hunderte Prominente und Intellektuelle forderten einen sofortigen Importstopp, um Putins „Kriegskasse“ nicht weiter zu füllen. Kritiker dieser Forderungen wurden oft als moralisch kompromittiert dargestellt.
Damals warnten Wirtschaftsgrößen und die Regierung (insbesondere Robert Habeck) vor einem „massiven Wohlstandsverlust“ und dem Stillstand ganzer Industriezweige. Aus heutiger Sicht wirken die Forderungen der Boykott-Befürworter tatsächlich oft unterschätzt, da die strukturellen Kosten für den Umbau der Infrastruktur und die Deindustrialisierung bestimmter Sektoren immens waren.
Die Illusion der schnellen Wirkung
Viele glaubten damals, ein Importstopp würde den Kreml binnen Wochen in die Knie zwingen. Stattdessen sahen wir eine Verschiebung der globalen Energieströme. Russland lieferte nach Osten, während wir zu Rekordpreisen Flüssiggas einkauften. Der Schaden für die deutsche Industrie war real und wirkt bis heute nach.
Die aktuelle Zuspitzung 2026
Heute erleben wir das nächste Kapitel dieses Pokerspiels. Inmitten der Spannungen im Nahen Osten droht Russland erneut, die verbliebenen LNG-Lieferungen auszusetzen. Es ist eine paradoxe Situation: Wir wollten uns lösen, hängen aber bei jedem geopolitischen Beben immer noch am Tropf globaler Instabilitäten. Vielleicht ist es an der Zeit, die Energiepolitik weniger als moralisches Statement, sondern wieder als das zu sehen, was sie ist: das Rückgrat unserer Existenz.
Warum rekapituliere ich die von vielen scheinbar vergessenen Positionen? Nun, angesichts der Krise in Nahost droht Putin ($) jetzt damit, Europa von den LNG-Gas-Lieferungen abzuschneiden.
Wegen des Kriegs in Nahost und der momentanen Blockade der Hormus-Meerenge, fehlt am Weltmarkt gerade rund ein Fünftel des normalerweise gehandelten Flüssigerdgases (LNG). Putin setzt nun noch einen obendrauf, indem er Europa mit einem sofortigen Gaslieferstopp droht. Putin sagte, dass er nur laut darüber nachdenke.
Den Kapitalismus in seinem Lauf halten weder Ochs, noch Esel auf!
Die Presse tut immer so, als wenn das alles zufällig und notgedrungen passiert.
Die Gallionsfiguren schippen obenauf noch Tugend und Moral, derer die selbst nicht im Traum gedenken, gerecht zu werden
Dabei ist es so einfach: Follow the Money! Man schaue sich an, wer auf Baisse gegen wen wettet und wer an den profitablen Projekten beteiligt ist.
@Juri Nello: Die Presse ist sicher die eine Quelle, weshalb so viele sich Paradigmenwechsel zugunsten etwa einer ganz anderen Lebensweise gar nicht vorstellen mögen. Wer einmal den Status quo erreicht hat, neigt diesbezüglich zur Unbeweglichkeit. Revolution ist nicht.
Ob sie die Linie des Systems vertritt, wie manche gern sagen, sei mal dahingestellt. Du lässt leider nur immer die Folgen (von mir aus erziehungsbedingter Einflüsse) aus, die diese Entwicklung nicht nur mittragen, sondern offensichtlich aus Bequemlichkeit und Egoismus verteidigen. Ich meine das Volk.
Das Volk kann man nicht nur an den Wahlen der Regierung erkennen, sondern auch an denen zum Betriebsrat, Vereinsobermeierei, etc. pp..
Die tragen das nicht nur mit, die finden nur ihren eigenen Platz im System ungerecht.
@Juri Nello: So sans die Menschen, gell?
Natürlich nicht alle. Das nutzt nur nix.