Der Preis der Moral: Energiepolitik am Abgrund?

5. März 2026
2 Min.

Ein Rückblick auf die Boykottforderungen von 2022 zeigt die Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität. Während Russland neue Abnehmer fand, kämpft Europa heute, im März 2026, mit den Folgen einer riskanten Entkopplung und neuen Drohungen aus Moskau.

LNGTerminal
LNGTerminal

Die Bilder vom Februar 2022 sind noch präsent: Mahnwachen, blau-gelbe Flaggen und die laute Forderung nach einem sofortigen Energie-Boykott. Es war die Geburtsstunde einer neuen Ära, in der Moral über Marktgesetze gestellt wurde. Doch blickt man heute auf die nackten Zahlen, stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. War die Forderung nach einem Totalstopp aus heutiger Sicht leichtsinnig?

Inhalt

Wir erinnern uns? Oder lieber nicht.

Umfragen von Ende Februar und März 2022 (z. B. ZDF-Politbarometer) zeigten, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen (bis zu 62 %) harte Sanktionen befürwortete – auch wenn dies zu persönlichen Nachteilen oder höheren Energiepreisen führen würde.

Hunderte Prominente und Intellektuelle forderten einen sofortigen Importstopp, um Putins „Kriegskasse“ nicht weiter zu füllen. Kritiker dieser Forderungen wurden oft als moralisch kompromittiert dargestellt.

Damals warnten Wirtschaftsgrößen und die Regierung (insbesondere Robert Habeck) vor einem „massiven Wohlstandsverlust“ und dem Stillstand ganzer Industriezweige. Aus heutiger Sicht wirken die Forderungen der Boykott-Befürworter tatsächlich oft unterschätzt, da die strukturellen Kosten für den Umbau der Infrastruktur und die Deindustrialisierung bestimmter Sektoren immens waren.

Die Illusion der schnellen Wirkung

Viele glaubten damals, ein Importstopp würde den Kreml binnen Wochen in die Knie zwingen. Stattdessen sahen wir eine Verschiebung der globalen Energieströme. Russland lieferte nach Osten, während wir zu Rekordpreisen Flüssiggas einkauften. Der Schaden für die deutsche Industrie war real und wirkt bis heute nach.

Die aktuelle Zuspitzung 2026

Heute erleben wir das nächste Kapitel dieses Pokerspiels. Inmitten der Spannungen im Nahen Osten droht Russland erneut, die verbliebenen LNG-Lieferungen auszusetzen. Es ist eine paradoxe Situation: Wir wollten uns lösen, hängen aber bei jedem geopolitischen Beben immer noch am Tropf globaler Instabilitäten. Vielleicht ist es an der Zeit, die Energiepolitik weniger als moralisches Statement, sondern wieder als das zu sehen, was sie ist: das Rückgrat unserer Existenz.

Warum rekapituliere ich die von vielen scheinbar vergessenen Positionen? Nun, angesichts der Krise in Nahost droht Putin ($) jetzt damit, Europa von den LNG-Gas-Lieferungen abzuschneiden.

Wegen des Kriegs in Nahost und der momentanen Blockade der Hormus-Meerenge, fehlt am Weltmarkt gerade rund ein Fünftel des normalerweise gehandelten Flüssigerdgases (LNG). Putin setzt nun noch einen obendrauf, indem er Europa mit einem sofortigen Gaslieferstopp droht. Putin sagte, dass er nur laut darüber nachdenke.

Spiegel.de ($)

Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (aus Liebe) auf dem Land.

5 Kommentare zu „Der Preis der Moral: Energiepolitik am Abgrund?“

  1. Den Kapitalismus in seinem Lauf halten weder Ochs, noch Esel auf!

    Die Presse tut immer so, als wenn das alles zufällig und notgedrungen passiert.
    Die Gallionsfiguren schippen obenauf noch Tugend und Moral, derer die selbst nicht im Traum gedenken, gerecht zu werden

    Dabei ist es so einfach: Follow the Money! Man schaue sich an, wer auf Baisse gegen wen wettet und wer an den profitablen Projekten beteiligt ist.

  2. Das Volk kann man nicht nur an den Wahlen der Regierung erkennen, sondern auch an denen zum Betriebsrat, Vereinsobermeierei, etc. pp..
    Die tragen das nicht nur mit, die finden nur ihren eigenen Platz im System ungerecht.

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