Wenn 25 Euro im Monat schon zu viel sind

12. April 2026
3 Min.

Die Debatte über steigende Spritpreise entlarvt ein tieferes Problem: Schon moderate Mehrkosten bringen Politik und Gesellschaft aus dem Takt. Während große Reformen unausweichlich sind, zeigt sich eine wachsende Unfähigkeit, Belastungen nüchtern einzuordnen – ein Mangel an Resilienz mit Folgen.

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Es kommen dicke Reformen auf Deutschland zu. Ohne sie werden wir die verschiedenen Systeme nicht mehr leistungsfähig halten können. Das gilt für die Rente genauso wie für die Gesundheitsversorgung und die Pflegeversicherung. Dass andere Ausgabenfelder in beträchtlichen Größenordnungen hinzukommen, ist eine Binsenweisheit.

Nun müssen wir zusehen, wie sich diese Regierung erneut an einem von außen aufgegebenen Problem (Mineralölpreise) abarbeitet und dabei nicht gerade eine glänzende Figur macht. Man könnte verzweifeln angesichts der kleinlichen und offen gesagt oft auch dummen Argumente, die uns via Medien präsentiert werden.

Reiche mag als Managerin in der Wirtschaft über eine gewisse Kompetenz verfügen. Als Bundesministerin sind ihre Vorschläge provozierende Ansagen an den Koalitionspartner. Es ist dabei fast unerheblich, welche der im Raum stehenden Ansätze man besser findet.

Wir müssen uns bewusst machen, worüber sich die Regierung in diesem Fall so uneinig ist, dass man erneut Sorge um ihren Fortbestand haben muss. Stehen unsere Erwartungen hinsichtlich finanzieller Unterstützung nicht doch im krassen Widerspruch zu dem, was wir an Haltung in der aktuellen Krise zeigen müssten? Wenn wir bei einer Mehrbelastung von durchschnittlich 20–25 EUR im Monat schon unsere Contenance verlieren, was wird dann los sein, wenn es wirklich bald ans Eingemachte geht? Versteht man dieses Raunen im öffentlichen Raum bzw. die Forderungen an den Staat auf Entlastung „der Bürger*innen“, etwa unter dem, was neuerdings in aller Munde ist: Resilienz?

Ist unsere Widerstandsfähigkeit bereits erschöpft, wenn wir monatlich einen aus meiner Sicht doch eher kleinen Betrag für das einsetzen, für das weder Regierung noch Staat verantwortlich gemacht werden können? Schreibt doch die Tiraden mal an Trump oder Netanjahu oder alternativ an die Ayatollahs im Iran!

Wie kommen die 20–25 EUR im Monat, die als Mehrbelastung zu Buche stehen, zustande?

🔧 Ausgangsdaten (realistisch für Deutschland)

  • Durchschnittlicher Verbrauch: ca. 7,7 l / 100 km 
  • Durchschnittliche Fahrleistung: ~9.500 km/Jahr (≈ 800 km/Monat) 
  • Typischer Arbeitsweg (Pendler): 30–40 km pro Tag → ~600–800 km/Monat
  • Preisniveau:
    • „normales Jahr“: ~1,70 €/l (2025 Durchschnitt) 
    • aktuell (2026 Spitze): ~2,20 €/l 

👉 Preisanstieg grob: etwa +0,40 bis +0,50 €/Liter


🧮 Schritt für Schritt gerechnet

1. Verbrauch pro Monat

Bei 800 km/Monat:

800 km x 7,7 l/100 = 61,6 Liter

2. Mehrkosten pro Liter

Wir nehmen konservativ:

👉 +0,40 €/Liter


3. Monatliche Mehrkosten

61,6 Liter x 0,40 ≈ 24,60

Natürlich werden viele jetzt sagen, dass 24,60 monatliche Mehrkosten für manche viel Geld sind. Das mag so sein. Aber müssten wir nicht langsam mal kapieren, dass die fetten Jahre vorbei sind und wir uns auf ganz andere finanzielle Verluste einstellen müssen als wir in dieser Debatte zulassen?

Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Rentner, Autor, Blogger und Hobbyfotograf

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (aus Liebe) auf dem Land.

8 Kommentare zu „Wenn 25 Euro im Monat schon zu viel sind“

  1. Oft sind sogar schon 5 Euro zu viel. In einigen Städten ist das genau der Fahrpreis für ein einfaches Ticket von A nach B.
    Manchmal kann man nicht mal sein Telefon laden. Das ist ein Heidenspass, sich zu rechtfertigen, weil man nicht zurück ruft.

    • @Horst Schulte: Ich meinte nicht die Autofahrer. Zeit war nun genug, sich um andere Mobilität zu bemühen.
      Das Auto. Es fängt mit „Au!“ an, in der Mitte steht t für teuer und es hört mit „O“ auf.
      Man könnte auch Grundnahrungsmittel subventionieren.

      Was die Mädels, wohl für Gesichter machen werden, wenn sie feststellen, das ihre Lieblingskosmetika aus Erdöl bestehen und bei längerer Schließung der Straße von Hormus, diese zum Preis einer Guccitasche gehandelt werden?

  2. Es sind ja nicht nur die Spritpreise, die ziehen nur eine unheilvolle Kette von Preiserhöhungen hinterher. Ökonomen gehen, getrieben durch die Energiepreise, von einer Inflation von fünf Prozent und mehr aus, wenn die Energiepreise nicht schnell genug sinken. Sprit- und in Folge Energiepreise sind das eine, aber Erdöl steckt in fast jedem Produkt.

    Für die Produktverteuerung spricht, das Gas und auch Strom sich längerfristig verteuern und die Industrie dazu neigt, bereits vor Verteuerung der Energie bereits die Preise anzuheben.

    Die Verteuerung der Logistik und des Transports kommen oben drauf. Zudem neigen Verbraucher dazu, in einer Krise an anderer Stelle zu sparen, in Folge bricht der Konsum ein.

    Unternehmen verschieben ihre Investitionen. Zusammen addiert könnte das eine Kettenreaktion auslösen, die ganz schnell in eine wirtschaftliche Stagnation laufen könnte.

  3. Was die Autos angeht, sollten wir eigentlich schon seit mehr als (mindestens) 15 Jahren ganz ganz viele haben, die höchstens 3,5 bis 4,5 Liter verbrauchen. Haben wir aber nicht. Weil wir, unterstützt von der Politik und den Herstellern, die nur an Premium-Spritfressern Geld verdienen (wollen), lieber mit dicken schweren Show-Karossen Staus bilden und die Städte verstopfen. Um anschließend frustriert über die Autobahnen zu ballern.
    Besonders beliebt sind übrigens die freitäglich-abendlichen 50-70-Autos-Staus hier vor den Frankfurter Parkhäusern. Das sind alles keine Pendler, die zur Arbeit müssen. Das ist Freizeitgesellschaft, die ihre „Freiheit“ auskostet, jeden Meter mit dem Boliden zu fahren und Stau zu produzieren. Mit laufendem Motor natürlich.

    Ich bin auch nur Freizeitfahrer, mit meinen Motorrädern. Im Moment fahre ich etwas weniger. Aber ich schlucke die Kröte, die ich damit selbst verantworte und zahle den hohen Spritpreis, ohne nach Geld vom Staat dafür zu schreien.

    Und wenn es vielen offenbar egal zu sein scheint, was ihre Karren verbrauchen, dann muss es auch nicht so viele interessieren, was diese dafür (als Benzinpreis) bezahlen müssen… das ist ein Los der kapitalistischen Gesellschaft, das wir alle haben ziehen wollen.

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