800, 4.300 oder 5.100 Hitzetote – welche Zahl stimmt?

Nach der außergewöhnlichen Hitzewelle Ende Juni tauchten sehr unterschiedliche Opferzahlen auf. Zunächst war von rund 800, später von mehr als 4.000 und schließlich von über 5.000 Hitzetoten die Rede. Das wirkt widersprüchlich und irritierend, ist aber vor allem eine Folge unterschiedlicher Berichtszeitpunkte.

Die 800 Toten kamen vor der großen Hitzewelle

Am 2. Juli berichteten Medien unter Berufung auf das Robert Koch-Institut von rund 810 hitzebedingten Todesfällen. Diese Schätzung umfasste allerdings nur den Zeitraum vom 6. April bis zum 21. Juni 2026.

Die besonders extreme Hitze vom 22. bis zum 28. Juni war darin noch gar nicht enthalten. Dass die Zahl vergleichsweise niedrig erschien, hatte also einen einfachen Grund: Die entscheidende Woche fehlte noch. (DIE ZEIT)

Eine Woche später waren es mehr als 5.000

Nachdem die Sterbefallmeldungen für die letzte Juniwoche vorlagen, korrigierte das RKI die Bilanz deutlich nach oben. Für die Woche vom 22. bis zum 28. Juni schätzte es rund 4.310 hitzebedingte Todesfälle.

Zusammen mit den bereits zuvor berechneten Fällen ergaben sich bis Ende Juni etwa 5.120 Hitzetote. Die Zahlen von 800 und 5.100 widersprechen sich deshalb nicht. Die erste war ein vorläufiger Zwischenstand, die zweite bezog die eigentliche Hitzewelle mit ein. (tagesschau.de)

Auch die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen den außergewöhnlichen Ausschlag. In der letzten vollständigen Juniwoche lagen die Sterbefallzahlen 32 Prozent über dem Mittel der vier Vorjahre. In der folgenden Woche vom 29. Juni bis zum 5. Juli waren es nach vorläufiger Hochrechnung noch 26 Prozent mehr. (Statistisches Bundesamt)

Klimaschutz oder Hitzeschutz? Ein falscher Gegensatz

Im Zusammenhang mit den aktuellen Zahlen hat der Publizist Jan Fleischhauer den Grünen vorgeworfen, sie hätten Vorsorgemaßnahmen gegen Hitze bewusst vernachlässigt, weil diese vom eigentlichen Kampf gegen den Klimawandel ablenken würden.

Für diese Behauptung finden sich allerdings keine belastbaren Belege. Im Gegenteil: Wissenschaftler unterscheiden seit Jahren zwischen Klimaschutz, also der Begrenzung der Erderwärmung, und Klimaanpassung, also dem Schutz der Bevölkerung vor den Folgen eines bereits stattfindenden Klimawandels. Beides gilt als unverzichtbar und wird von Fachleuten ausdrücklich gemeinsam gedacht.

Die Politik muss für funktionierende und lebenswerte Orte sorgen.

Zum Glück verfügen wir in Deutschland über fachlich erstklassige Wissenschaftler*innen, wie Lamia Messari-Becker. Ich schrieb hier schon über sie und ihre konkreten Vorschläge zu Klimaanpassungen. Dass sie mit fadenscheinigen Begründungen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde, mag auch mit ihren wohl etwas beängstigend konkreten Vorschlägen und Konsequenzen zu tun haben, die sich unsere Politiker nicht einmal vorstellen wollen.

Dass Deutschland beim Hitzeschutz jedenfalls ganz erheblichen Nachholbedarf hat, lässt sich kaum bestreiten. Vieles, was heute dringend notwendig erscheint – etwa Hitzeaktionspläne, eine klimaangepasste Stadtplanung oder der bessere Schutz älterer und kranker Menschen –, wurde über Jahre nicht mit der erforderlichen Konsequenz vorangetrieben. Nicht mal die in anderen Ländern üblichen Klimaanlagen sind in Schulen, Kitas, Altenheimen und Krankenhäusern flächendeckend vorhanden. Wo zum Teufel ist das Geld für die Corona-Maßnahmen eigentlich hingegangen? Spätestens da war das ja schon auch ein Thema, wenn auch in anderem Zusammenhang.

Das spricht jedoch weniger für eine bewusste politische Strategie als für eine Fehleinschätzung, wie schnell und wie massiv die Folgen des Klimawandels bereits spürbar werden würden. Gerade die jüngsten Hitzewellen zeigen, dass wir beides brauchen: konsequenten Klimaschutz und ebenso konsequente Vorsorge. Das eine gegen das andere auszuspielen, hilft niemandem – am wenigsten den Menschen, die den extremen Temperaturen schutzlos ausgeliefert sind.

Hitzetote werden nicht einfach gezählt

Die Zahl von 5.120 bedeutet nicht, dass bei ebenso vielen Menschen „Hitze“ auf dem Totenschein stand.

Das geschieht nur selten, etwa bei einem eindeutig diagnostizierten Hitzschlag.

Meist verschärft Hitze bereits bestehende Erkrankungen. Sie belastet Herz und Kreislauf, führt zu Flüssigkeitsmangel und kann Schlaganfälle, Nierenversagen oder andere lebensbedrohliche Krisen begünstigen. Als unmittelbare Todesursache wird dann häufig die jeweilige Erkrankung eingetragen – nicht die Hitze.

Das RKI muss den Einfluss deshalb statistisch schätzen. Grundlage sind die tatsächlichen Sterbefallzahlen, Temperaturen, regionale Unterschiede, langfristige Entwicklungen und die Altersstruktur der Bevölkerung. In der heißesten Juniwoche starben insgesamt knapp 24.000 Menschen. Im Mittel der Jahre 2022 bis 2025 waren es in derselben Kalenderwoche gut 18.000. (Deutschlandfunk)

Eine Schätzung – aber keine erfundene Zahl

Über die genaue Größenordnung kann man wissenschaftlich diskutieren. Die 5.120 Todesfälle sind kein auf die Person genaues Zählergebnis, sondern eine Modellrechnung. Sie können sich durch spätere und vollständigere Daten noch verändern.

Falsch wäre allerdings, daraus zu schließen, die Zahl sei frei erfunden. Das machen die besonders gern, für die Klimawandel immer noch nicht viel mehr ist als ein besonders warmer Sommer ist. Träumt weiter!

Der ungewöhnlich starke Anstieg der Sterbefälle fällt zeitlich sehr deutlich mit der extremen Hitze zusammen. Andere Analysen, die tägliche statt wöchentliche Temperaturen verwenden, kommen teilweise sogar zu höheren Ergebnissen. Die RKI-Schätzung gilt deshalb eher als vorsichtig. (Deutschlandfunk)

Die verständlichste Formulierung lautet somit:

Das RKI schätzt, dass die Hitze bis Ende Juni 2026 in Deutschland rund 5.100 zusätzliche Todesfälle verursacht oder wesentlich mitverursacht hat.

Das ist weniger griffig als das Wort „Hitzetote“. Aber es beschreibt genauer, was hinter der Zahl steckt.

Quellen und weiterführende Links

Robert Koch-Institut – Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität:
https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html

Statistisches Bundesamt – Unterjährige Sterbefallzahlen:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/sterbefallzahlen.html

Deutschlandfunk – Was die Zahl von 5.100 Todesfällen bedeutet:
https://www.deutschlandfunk.de/hitzetote-deutschland-rki-statistik-gesundheit-100.html

Tagesschau – Mehr als 5.000 Hitzetote in Deutschland:
https://www.tagesschau.de/wissen/klima/robert-koch-institut-hitzetote-deutschland-100.html

Die Zeit – Der frühere Zwischenstand von rund 800 Todesfällen:
https://www.zeit.de/wissenschaft/2026-07/robert-koch-institut-sterbefaelle-hitze-deutschland

Dieser Text wurde teilweise mit KI erstellt.

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