Ist es nicht mindestens ein wenig vermessen, die eigene Kommentarspalte zu betrachten und ein leises Bedauern über die dort vorherrschende Stille zu äußern – während man selbst andernorts eher selten eine Spur hinterlässt, also kaum kommentiert?
Inhalt
Mir kommt dieser Gedanke immer wieder: Austausch lebt von Gegenseitigkeit. Worte wollen erwidert werden, Gedanken benötigen Resonanzräume. Wer sich wünscht, dass andere innehalten, lesen und antworten, der sendet idealerweise selbst auch solche Zeichen hinaus in die Welt.
Was wünschen wir uns als Blogger*innen?
Das ist kein Vorwurf, eher eine sanfte Erinnerung – vor allem auch an mich selbst. Denn wir alle bewegen uns in diesem feinen Geflecht aus Geben und Nehmen. Und manchmal genügt schon ein kleiner Kommentar, ein paar ehrliche Zeilen, um daraus wieder ein lebendiges Gespräch werden zu lassen.

Ich habe eben (wieder einmal) die 24-Stunden-Liste des Webringes Uberblogr von Thomas Gigold durchgesehen. In den Blogs (ich denke die Liste ist hier repräsentativ) herrscht ziemlich wenig Betrieb, was die Zahl der Kommentare anlangt. Ist das nicht schade? Obwohl doch viele ganz auf den Einsatz der bösen KI verzichten, schlägt sich das nicht im Applaus (Kommentaren) nieder.
Konstruktive Vorschläge erwünscht
Ich lasse die Polemik beiseite und möchte einen konstruktiven Vorschlag machen. Unerwähnt will ich dabei den Gedanken nicht lassen, dass es einen großen Unterschied macht, wie man sein Blogprojekt betreibt. Als Rentner habe ich viel Zeit und könnte in dieser Hinsicht aktiver sein. Woran liegt es, dass das über die vielen Jahre nie anders gewesen ist und ich schon immer ein arges Defizit beim Kommentieren in anderen Blogs zu verzeichnen hatte?
So doof es ist, aber das hat schlicht und ergreifend damit zu tun, dass mich die meisten Texte und Themen schlichtweg nicht interessieren. Böse, nicht? Und ignorant. Ich weiß, und ich bin hier häufiger deshalb kritisiert worden. Mehr oder minder zurückhaltend, möchte ich hinzufügen.
Zögern und Faulheit
Und doch frage ich mich, ob es nicht kleine, gangbare Wege gibt, dieses eigene Zögern zu unterlaufen. Vielleicht nicht, indem man sich durch alles hindurchquält, was einen kaltlässt – das wäre unehrlich und unerquicklich. Aber indem man bewusster auswählt: zwei, drei Blogs, die einen wirklich ansprechen, und dort regelmäßig ein paar Gedanken hinterlässt. Nicht als Pflichtübung, sondern als leiser Dialog.
Man könnte sich auch erlauben, unvollkommene Kommentare zu schreiben. Nicht jeder Beitrag verlangt nach einem klugen Essay als Antwort. Manchmal genügt ein Gedanke, ein Einwand, eine Frage. Etwas, das zeigt: Ich habe dich gelesen – und es hat etwas in mir bewegt.
Gewohnheitsrituale schaffen
Hilfreich ist vielleicht auch, sich selbst kleine Gewohnheiten zu schaffen. Zum Beispiel: Nach jedem eigenen Beitrag zwei andere kommentieren. Oder einmal am Tag bewusst einen Text auswählen, der hängen bleibt, und dort ein paar Worte hinterlassen. Kein Zwang, eher ein sanftes Ritual.
Und schließlich: Interesse wächst bisweilen im Tun. Manchmal erschließt sich ein Text erst im Nachdenken darüber, im Formulieren einer Antwort. Der Kommentar wird dann nicht nur Reaktion, sondern auch ein Mittel, den eigenen Blick zu schärfen.
Nicht überreden
Ich schreibe diesen Beitrag nicht, um die Kolleg*innen zu etwas zu überreden. Wie wenig Erfolg versprechend könnte das sein? Und wer lebt schon gerne mit Alibi-Kommentaren wie „Schön geschrieben“ oder „Word“? Das kannste vergessen. Es gibt Gott seit Dank gar nicht so wenige Blogs mit regen und inspirierenden Kommentaren.
Ich bin da ganz bei Dir, ich freue mich bei mir über jeden Kommentar, und kommentiere doch selbst viel zu selten. Vielleicht ist es der Zeit geschuldet, in der man es gewohnt ist, einfach ein Like zu hinterlassen.
Dabei ist es doch so einfach, wie Du oben selbst schreibst. Es muss doch kein ellenlanger Kommentar sein. Einfach einen Dank für den Beitrag zu hinterlassen, ist doch auch schön. Und wenn man mehr beizutragen hat, dann raus damit.
@Tommi: Vielleicht kann ich mich ja doch noch bessern. Meine Frau sagt allerdings: nein. 🙂
@Horst Schulte: Deine Frau hat Recht.
Wieso nicht schnöde sagen: ich will so weiter machen wie bisher?!
Einige würden DESHALB abspringen, einige würden bleiben.
Verbiegen nusst du dich nicht.
So hast du statt 3, 4 kommentierenden dann halt 2,3.
Nicht jeder Artikel interessiert jeden. Mich persönlich interessieren beispielsweise Artikel mit politischem Bezug mehr als private. Bei vielen anderen mag das genau umgekehrt sein. Bei Hobbyblogs werden bevorzugt die Leser und Leserinnen kommentieren, die ein die gleichen oder ähnliche Interessen haben. Reiseblogger sind oftmals unter sich. Neben Blogs die politische oder gesellschaftliche Themen abhandeln, kann ich mich z.B. stundenlang in Blogs zur Aquaristik verlieren und in Kommentaren über die Haltung von Ctenopoma acutirostre texten. 😁 Ich möchte wetten, die meisten würden sterben vor Langeweile. Wie im Leben sind Bloggerinnen und Blogger eben grundverschieden in ihren Interessen.
@Peter Lohren: Logisch. So wie mich manche Artikel einfach nicht interessieren, ist das bei allen Leuten. Dazu kommt auch dieses Überangebot an leichter konsumierbaren Informationen (Podcasts, Videos). Das gräbt neben den sozialen Medien den Bloggern das Wasser ab. Deshalb bin ich fast nirgends mehr dabei.
Aus meiner Sicht ist der Schlüssel beim Kommentieren, Blogs oder Kommetare zu kommentieren RESPEKT. Ich schreibe das extra in Großbuchstaben, was ich normal hasse.
Wir müssen wieder zu einer kultivierten Diskussion, zum Meinungsaustausch auch kontrovers kommen.
Leider ist unsere Diskussionskultur im Großen durch die asozialen Medien im Ar…h.
Doch im Kleinen sollten wir versuchen, das zu ändern.
Sorry, bin irgendwo immer noch romantischer Demokrat und Blogger.
@Stefan Pfeiffer: Das sehe ich anders. Ich denke, gerade in den Blogs herrscht im Großen und Ganzen eine zivilisierte Diskussionskultur. Natürlich gibt’s Ausnahmen; aber wer unverschämt wird, muss mit einem Rauswurf rechnen. Das ist in den sozialen Medien anders, deshalb ist der Impuls, sich auszurotzen wahrscheinlich größer. Ich bin und war auch nie in den sozialen Medien unterwegs, deshalb kenne ich da die Tonalität kaum. In den Blogs die ich besuche jedenfalls, sind die Kommentatorinnen und Kommentatoren bis auf wenige Ausnahmen sehr zivilisiert.
@Stefan Pfeiffer: Es gibt respektvolle Diskussionen – zum Glück. Wenn allerdings die asozialen Medien ins Spiel kommen, wird’s immer schon ungemütlich. Du sagst es. Dass es in Blogs zu Grabenkämpfen kommt, hat das Aufkommen von KI und anonymen Sachwaltern des „richtigen“ Bloggens bewiesen. Schade, bisher wurde uns Bloggern das erspart.
Was ist denn interessant und was nicht?!
Ob jemand schildert, den Huflattich im Frühjahr erstmals im Feld besucht zu haben oder ein Post über gesellschaftliche Probleme in DE?!
Leben ist vielgestaltig und so nanches hat mehr Tiefe als man denkt.
@Claudia schrieb mir mal, ob ich was davon hätte, wenn sie „schön“ schreiben würde auf eine meiner Posts?! Aber sie selbst schreibt knapp „Interessant“ auf einen politischen Beitrag eines Co- Bloggers.
Das meiste der Argumentationen ist nicht stichhaltig. wieso nicht einfach zugeben, dass man einfach mal kein Ohr frei hat?!
Besten Gruss
@Gerhard: Um „Interessen“ und „interessieren“ drehen sich viele Einlassungen. Im Beitrag habe ich versucht, das Wort möglichst nicht oder wenig zu benutzen. Trotzdem ist das vermutlich der springende Punkt. Wieso sollte man etwas kommentieren, was einen nicht interessiert?
Das ist richtig und trotzdem werden manche Beiträge nicht gelesen und noch viel weniger kommentiert. Bei der Konkurrenz an Meinungsbeiträgen ist das ja kein Wunder.
Du hast ja recht. Einerseits beklagen wir uns über die Informationsflut, der wir kaum noch gewachsen sind, andererseits kommt da einer um die Ecke, der dazu „aufruft“, das zu ignorieren und persönliche Reaktionen zu erweitern.
Ich mag ja die Diskussionskultur unter vielen deiner Artikel. Nein, ich verfolge nicht alles. Aber ich kann vermutlich behaupten, dass andere weniger Glück haben.
Ich denke auch, es hat mit den Interessen zu tun, dass kaum kommentiert wird. Allerdings auch mit der reduzierten Aufmerksamkeitsspanne. Aber davon sollten wir uns nicht vom Bloggen abhalten lassen. Deine Idee, wie man da rauskommt, finde ich daher gar nicht so schlecht.
@Henning Uhle: Es gibt auch hier immer mal wieder „Störenfriede“, denen es nur darum geht, die Diskussion oder auch mir persönlich aufzumischen. Manchmal (selten) lösche ich solche Kommentare, manchmal setze ich mich mit ihnen auseinander.
@Horst Schulte: Ich glaube, es ist das Beste, das Ganze am Ende zu ignorieren. Ich frage mich halt, was solche Menschen davon haben. Wer weiß, das wissen sie vielleicht selbst nicht.
@Henning Uhle: Das ist zwar richtig. Aber du weißt selbst, wie schwer das fällt. Das ist nicht viel anders, als die negative Einstellung zu sozialen Netzwerken auch in Taten umzusetzen.
Doch, ich war heute unterwegs und habe einige aktuelle Artikel gelesen. Und wenige kommentiert. Manche Texte inspirieren mich allerdings eher zum Widerspruch nach etwas Kopfschütteln.…
Ich lese zirka 20 Blogs regelmäßig, was heißt, daß ich alle 2 Wochen verzweifelt versuche, nachzuholen, weil ich in Arbeitsphasen nicht kann. Doof nur, daß späteres Kommentieren etwas an der Aufmerksamkeitsökonomie vorbei geht. Der Tross ist weitergezogen. So handhabe ich es jetzt so, daß ich, wie du vorschlägst, tatsächlich nur 3-4 Blogs morgens lese und alle paar Tage kommentiere. Ende April feiere ich 25-jähriges Jubiläum als Blogger bzw. Tagesjournalschreiber/sammler und habe das eigentlich auch damals, als ich 1995 in Netz kam, schon gemacht, nur hieß das noch nicht so. Und seitdem kenne ich auch Claudia Klinger und dadurch auch dein Blog, welches ich leider erst jetzt wahrnehme.
Hallo @Markus Kolbeck: Danke für deinen Kommentar. 20 Blogs ist schon eine Hausnummer. In meinem Feedreader befinden sich auch etwa so viele. Ich lese dort regelmäßig, bin aber mit dem Kommentieren längst nicht da, wo ich wieder hinmöchte. Früher sagte man ja, dass nichts älter sei als die Zeitung von gestern. Heute ist es der Blogeintrag von gestern. 🙂
25 Jahre! Das ist mal eine Zahl. Weit entfernt bin ich zwar nicht aber leider habe ich meine diversen Blogs und auch ihre Inhalte (nur zum Teil aus Gründen) komplett gelöscht. Heute tut mir das etwas leid. Ist ja schon, wenn man auf ein Archiv zurückblicken kann, das so weit zurückreicht. Claudia kann das ja. Ich benutze schon mal die Funktion, die sie in der Sidebar hat. Da kommen interessante Sichtweisen zutage. Das wäre bei mir nicht anders.
@Horst Schulte: Mißverständnis. Ich bloggte anfansg auf diversen Plattformen (Antville, Twoday, Posterous usw.) und kehrte 2011 auf meine eigene mit HTML-Handkurbel betriebene Webseite zurück. Alles vor 2011 ist auch bei mir verloren, was ich nicht bedauere. Ja, ich erinnere mich noch an ihre Nichtrauchertagebuch von 1999. Ich habe sie mir als Beispiel genommen und 200 tatsächlich aufgehört.
@Markus Kolbeck: Das ist schon traurig, wenn man, egal aus welchen Gründen, solche Daten verliert.