Liegt die Alleinherrschaft der AfD im Bereich des Möglichen?

18. Mai 2026
4 Min. lesen
ornamented wall of reichstag

Aktuelle Ausgangslage (Mai 2026)

Die AfD hat laut Insa vom 16. Mai 2026 mit 29 Prozent einen neuen bundesweiten Umfragerekord erreicht. Andere Institute (YouGov, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen/ZDF-Politbarometer) sehen sie zwischen 25 und 28 Prozent. Gleichzeitig ist die Union auf 22–24 Prozent gefallen – bei Insa ihr schwächster Wert seit über vier Jahren. Die SPD liegt auf einem historischen Tief von nur noch 12 Prozent.

Um die Realitäten auf Bundesebene in ihrer ganzen Brisanz zu erkennen habe ich mit Perplexity diesen Bundestags-Simulator erstellt. Vielleicht hilft das dem einen oder anderen gewillten AfD-Wähler die Brisanz zu erkennen und sich klar für die Demokratie und nicht für ihre Verächter zu entscheiden.

Wie übernimmt die AfD?

Anleitung: So nutzen Sie den Bundestags-Simulator

Mit diesem Simulator können Sie testen, wie sich unterschiedliche Wahlergebnisse auf die Sitzverteilung im Bundestag auswirken. Besonders interessant ist dabei die 5-Prozent-Hürde: Parteien, die darunter bleiben, erhalten in diesem vereinfachten Modell keine Sitze. Ihre Stimmen fallen aus der Sitzberechnung heraus.

So funktioniert es:

  1. Wählen Sie zunächst ein Szenario aus, zum Beispiel eine aktuelle Umfrage oder einen Fall wie „FDP knapp drin“ oder „FDP knapp draußen“.
  2. Verändern Sie anschließend die Werte einzelner Parteien mit den Reglern oder tragen Sie eigene Prozentzahlen ein.
  3. Achten Sie darauf, dass die Summe der Stimmen ungefähr 100 Prozent ergibt.
  4. Der Simulator berechnet automatisch neu, welche Parteien in den Bundestag einziehen und wie viele Sitze sie erhalten.
  5. In der Sitzleiste sehen Sie, wie nah einzelne Parteien oder Bündnisse an der absoluten Mehrheit von 316 Sitzen liegen.
  6. Mit den Koalitionsfeldern können Sie verschiedene rechnerische Mehrheiten ausprobieren.

Wichtig ist: Der Simulator zeigt keine Wahlprognose, sondern ein Rechenmodell. Er berücksichtigt die Zweitstimmenanteile, die 5-Prozent-Hürde und eine proportionale Sitzverteilung auf 630 Sitze. Nicht berücksichtigt werden Wahlkreiseffekte, Sonderfälle oder politische Wahrscheinlichkeiten bestimmter Koalitionen.

Der zentrale Effekt: Wenn mehrere Parteien an der 5-Prozent-Hürde scheitern, sinkt die Schwelle für eine absolute Mehrheit. Eine Partei oder ein Bündnis braucht dann nicht mehr rund 50 Prozent aller Stimmen, sondern nur rund 50 Prozent der Stimmen, die bei der Sitzverteilung tatsächlich berücksichtigt werden.

Gelöscht!

3.6.2026

Was eine absolute Mehrheit bedeutet

Eine absolute Mehrheit im Bundestag bedeutet mehr als 50 % der Mandate – also über die Hälfte aller Abgeordnetensitze. Bei rund 29 % Stimmenanteil fehlen der AfD also noch weit über 20 Prozentpunkte. Das ist keine kurzfristig überbrückbare Distanz.

Szenarien, unter denen eine absolute Mehrheit möglich wäre

Eine AfD-Alleinmehrheit ist strukturell extrem unwahrscheinlich, aber unter einem spezifischen Zusammentreffen mehrerer Faktoren denkbar:

  • Massives Scheitern kleiner Parteien an der 5-%-Hürde: Würden FDP, Grüne, BSW und weitere Splitterparteien allesamt den Einzug verpassen, fließen deren Stimmen in die Sitzverteilung nicht ein – das erhöht automatisch den Mandatsanteil der verbleibenden Parteien. Dieser Effekt kann rechnerisch erheblich sein
  • Weiterer Zerfall der Volksparteien: CDU/CSU und SPD würden in einem solchen Szenario weit unter ihre heutigen Werte fallen müssen – auf unter 15 bzw. unter 10 Prozent
  • AfD-Wert bei 40+ Prozent: Selbst in Ostdeutschland, wo die AfD besonders stark ist, liegt sie in Sachsen-Anhalt derzeit bei ca. 41 Prozent Umfragewert – das zeigt, welche Zahlen nötig wären
  • Keine Koalition der anderen Parteien möglich: Sollten die verbleibenden Parteien nach der Wahl arithmetisch keine Mehrheit ohne AfD bilden können, wäre eine Alleinregierung denkbar – auch ohne absolute Stimmenmehrheit (etwa durch Minderheitsregierung)

Trends der anderen Parteien

ParteiBundestagswahl Feb. 2025Aktuelle Umfragen (Mai 2026)Trend
CDU/CSU28,6%22–24%↓ stark
AfD20,8%25–29%↑ stark
SPD16,4%11–13%↓ stark
Grüne11,6%ca. 11–13%→ stabil
Die Linke8,8%ca. 5–7%↓ leicht
FDPn.i.P.ca. 4–5%unsicher

Realistisches Fazit

Eine absolute Mehrheit der AfD auf Bundesebene bleibt auch unter sehr pessimistischen Szenarien für die anderen Parteien kaum erreichbar. Selbst wenn die AfD auf 35–38% käme, wäre für eine Mehrheit der Mandate entscheidend, wie viele Parteien den Einzug schaffen. Ein realistischeres Szenario wäre eine relative Mehrheit, aus der heraus keine stabile Gegenkoalition gebildet werden kann – was die AfD zu einem unvermeidlichen Koalitionspartner oder zu einer Minderheitsregierung machen würde. Das Szenario mit Sachsen-Anhalt zeigt exemplarisch: Wenn nur wenige Parteien einziehen, kann auch mit 41 % eine strukturelle Alleinherrschaft entstehen.

Photo by Christian Krknjak on Pexels.com

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Horst Schulte
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@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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2 Kommentare zu „Liegt die Alleinherrschaft der AfD im Bereich des Möglichen?“

  1. Da hast du dir ja eine große Arbeit gemacht (trotz KI-Hilfe groß, da wette ich drauf).

    Düstere Aussichten, man hätte wohl doch rechtzeitig umschwenken müssen auf Koa (und „Entzauberung“) statt Brandmauer. Aber angesichts einer so militanten Spaltung wie derzeit allüberall spürbar, durfte sich das niemand trauen.

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