Polemik ersetzt keine Fakten
Jan Fleischhauer ist bekannt für zugespitzte Formulierungen. Ich würde deutlicher werden und ihn als rechten Stänkerer bezeichnen. In seinem aktuellen Podcast stellte er das erneut unter Beweis.
Über Eva Quadbeck und Kristina Dunz sagte er: »Ich würde mal sagen, zwei der trübsten Tassen, die im Berlin-Journalismus rumlaufen. Die haben noch nie was gerissen.«
Später verwies er darauf, dass beide für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) arbeiten, dessen wichtigste Kommanditistin die SPD-eigene Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg) ist. Die Botschaft war klar: Wer für das RND arbeitet, steht politisch unter Verdacht.
Die Eigentümerstruktur ist unstrittig. Das RND gehört zur Madsack Mediengruppe, an der die ddvg 23,1 Prozent hält. Daraus jedoch einen Beleg für parteipolitische Einflussnahme auf einzelne Recherchen abzuleiten, ist eine Behauptung – kein Beweis.
Auslöser von Fleischhauers Tirade war ein umstrittener RND-Beitrag über ein angebliches Treffen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und Bundeskanzler Friedrich Merz. Über die Qualität dieser Recherche lässt sich streiten. Ob daraus allerdings folgt, dass zwei Journalistinnen »noch nie was gerissen« hätten, ist eine andere Frage.
Zwei beachtliche Karrieren
Eva Quadbeck zählt seit Jahren zu den bekannten Köpfen des Hauptstadtjournalismus. Nach Stationen bei der Rheinischen Post wurde sie Leiterin der Parlamentsredaktion, später stellvertretende Chefredakteurin und schließlich Chefredakteurin des RND.
Kristina Dunz arbeitete fast drei Jahrzehnte für die Deutsche Presse-Agentur, berichtete über Verteidigungs- und Bundespolitik und begleitete Angela Merkel auf zahlreichen Auslandsreisen. 2017 erhielt sie nach einer viel beachteten Pressekonferenz mit Donald Trump eine Auszeichnung der Bundespressekonferenz. Später wechselte sie zur Rheinischen Post und anschließend gemeinsam mit Quadbeck zum RND.
Man muss ihre Arbeit nicht mögen. Man darf ihre Recherchen kritisieren. Aber zu behaupten, beide hätten »noch nie was gerissen«, wird diesen beruflichen Laufbahnen kaum gerecht.
Kritik braucht Maß
Journalistische Fehler gehören zum Geschäft. Das gilt für das RND ebenso wie für andere Medien. Gerade bei politisch sensiblen Themen müssen Behauptungen belastbar belegt werden.
Etwas anderes ist die pauschale Abwertung von Personen. Führungspositionen, jahrzehntelange Arbeit im politischen Berlin und journalistische Auszeichnungen verschwinden nicht dadurch, dass ein Kolumnist sie mit einem flotten Spruch vom Tisch wischt.
Fleischhauers Satz lebt von der Übertreibung. Als Pointe mag das im Podcast funktionieren. Als Bewertung zweier journalistischer Karrieren überzeugt es nicht.
Vielleicht zeigt sich darin ein grundsätzliches Problem der heutigen Medienlandschaft. Immer häufiger ersetzt die Herabsetzung von Personen die Auseinandersetzung mit ihren Argumenten. Das erzeugt Aufmerksamkeit, aber keinen Erkenntnisgewinn. Zudem drängt sich mir der Eindruck auf, dass Fleischhauer mit Politikerinnen und Journalistinnen deutlich härter ins Gericht geht als mit ihren männlichen Kollegen.
Sein Publikum dürfte solche verbalen Breitseite feiern. Mich überzeugt eher das Gegenteil: Wer ständig anderen Oberflächlichkeit, Ideologie oder mangelnde Professionalität vorwirft, sollte sich an den eigenen Maßstäben messen lassen. Gerade dann sollten Fakten mehr zählen als Polemik.
Wer austeilt, sollte Widersprüche aushalten
Hinzu kommt ein Punkt, der im Podcast selbst deutlich wird. Fleischhauer verlangt von anderen regelmäßig Realitätsnähe und wirft Journalisten, Politikern oder Gewerkschaften vor, ideologisch zu argumentieren. Umso mehr überrascht, dass er sich selbst bisweilen in Widersprüche verstrickt.
Im aktuellen Podcast diskutiert er die geplante Lockerung des Kündigungsschutzes für Beschäftigte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 170.000 Euro. Dabei äußert er die Sorge, Unternehmen könnten diese Möglichkeit nutzen, um ältere, gut bezahlte Mitarbeiter loszuwerden und durch jüngere oder günstigere Arbeitskräfte zu ersetzen.
Das ist bemerkenswert. Schließlich gehört Fleischhauer seit Jahren zu den Kritikern der Rente mit 63 und betont regelmäßig, Deutschland müsse ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben halten. Wenn Unternehmen jedoch wirtschaftliche Anreize erhalten, gerade diese erfahrenen Arbeitnehmer auszusortieren, passt das nur schwer zu diesem Narrativ.
Man kann beide Positionen vertreten. Dann müsste allerdings erklärt werden, wie sie zusammenpassen. Genau diese Einordnung bleibt Fleischhauer schuldig. Wer anderen ständig Denkfehler oder ideologische Scheuklappen vorhält, sollte bei den eigenen Argumenten dieselbe Sorgfalt walten lassen.
Gerade deshalb überzeugt seine Polemik gegen Eva Quadbeck und Kristina Dunz umso weniger. Zuspitzung gehört zum politischen Journalismus. Sie ersetzt aber weder eine faire Bewertung journalistischer Lebensleistungen noch die Bereitschaft, die eigenen Aussagen am selben Maßstab messen zu lassen, den man an andere anlegt.

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