FBI-Chef Mueller ist tot. Trump jubelt. Bessent fordert Empathie – für Trump

„Froh, dass er tot ist“ – so reagierte der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten auf den Tod von Robert Mueller. Nicht hinter vorgehaltener Hand. Öffentlich, auf Truth Social, ohne Zögern. Bessent, US-Finanzminister verlangt Empathie. Aber nicht für Mueller, sondern für den Präsidenten.

Ein Tabubruch mit Ansage

Robert Mueller, 81 Jahre alt, früherer FBI-Direktor und Sonderermittler, starb am 22. März 2026. Trump schrieb umgehend: „Robert Mueller ist gerade gestorben. Gut, ich bin froh, dass er tot ist. Er kann unschuldigen Menschen nicht länger schaden!

Muellers Untersuchung (2017–2019) hatte belegt, dass Russland die Wahl 2016 zugunsten Trumps zu beeinflussen versucht hatte. Trump nannte das stets eine „Hexenjagd“. Mueller war Vietnamveteran, ausgezeichnet mit Bronze Star und Purple Heart. Das interessierte Trump nicht.

Es ist kein Einzelfall. Als der Regisseur und Trump-Kritiker Rob Reiner im Dezember starb, höhnte Trump öffentlich über dessen angebliches „Trump Derangement Syndrome“. Das Muster ist eindeutig: Wer Feind war, bleibt Feind – auch im Tod.

Bessent und die Kunst der Schutzbegründung

Finanzminister Scott Bessent wurde am Sonntag im NBC-Interview Meet the Press von Moderatorin Kristen Welker mit Trumps Posting konfrontiert. Dreimal. Sein Argument: Er habe eine Videoaufnahme des FBI-Einsatzes in Mar-a-Lago gesehen, bei dem Agenten Melanias Garderobe durchsuchten – und seitdem könne „keiner von uns verstehen, was dem Präsidenten und seiner Familie angetan wurde.“

Welker wies ihn sachlich darauf hin, dass Mueller mit jenem Durchsuchungsbefehl gar nichts zu tun hatte – das war ein anderer Sonderermittler. Bessent ließ sich nicht beirren: „Ich glaube, wir sollten alle ein bisschen Empathie für das aufbringen, was ihm und seiner Familie angetan wurde.“

Bessent ist kein Naiver. Er ist ein hochintelligenter Ex-Hedgefonds-Manager, der genau weiß, wie schwach dieses Argument ist. Er sagt es trotzdem – dreimal. Das ist keine Überzeugung. Das ist ein Stück des Zeitgeistes, der in den USA Einzug gehalten hat.

Kalkül, nicht Irrsinn

Man könnte fragen: Regiert da eine Ansammlung von Irren? Die ehrlichere Antwort ist unbehaglicher: Nein.

Trump agiert nach einem konsistenten Muster. Feinde werden nicht vergessen, Kritik ist per se illegitim, jede Strafverfolgung ist Verfolgung. Das ist kein Kontrollverlust – es ist autoritäres Kalkül, das seine Basis mobilisiert und Gegner einschüchtert.

Kabinettsmitglieder werden nicht nach Fachkompetenz oder Unabhängigkeit ausgewählt, sondern nach ihrer Bereitschaft zur bedingungslosen Loyalität. Es gilt das 1. trumpsche Gesetz: Wer widerspricht, verliert den Job. Bessents Auftritt war kein Ausrutscher – er war impliziter Teil seiner Stellenbeschreibung.

Was bleibt

Demokratische Politiker beider Parteien nannten Trumps Post „widerlich“. Das Entsetzen ist berechtigt. Aber Entsetzen allein verändert nichts, solange der Tabubruch folgenlos bleibt.

Was wir hier beobachten, ist Ausdruck individueller Pathologie. Es ist der global sichtbare, kalkulierte und unbestrafte Verfall demokratischer Normen – betrieben von Menschen, die genau wissen, was sie tun und von normalen Menschen wohl nur als vollkommen irre beschrieben werden können.

Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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