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Von Markenbildung keine Ahnung: Konstant unbeständig

Ein Blogger, der konstant unbeständig ist, deshalb also auch rein gar nichts von Markenbildung versteht, sollte mehr LeserInnen haben.


 • Letzte Änderung: 23. Mrz. 2020  3 Min. Lesezeit 560

2004 war das Jahr, in dem ich meinen ersten Blog startete. Ich war Anfang fünfzig und so ziemlich an allem interessiert, was im #Neuland vorging. Eine Homepage mit Forum und Tipps zu Access, Excel und Word hatte ich seit Mitte der 1990er Jahre eingerichtet, sie lief gut. Ich glaube, damals war ich noch nicht konstant unbeständig. Zu diesem Zeitpunkt war meine Motivation vor allem Neugier.


Morgen auf den Tag genau vor drei Jahren startete das Projekt »Blogs50plus – Sehen und gesehen werden». Hätte es dieses bereits damals, 2004, gegeben, ich hätte altersmäßig schon reingepasst. Inzwischen sind dort über 320 Blogs registiert.

Es gab es schon Verzeichnisse von Blogs, geordnet nach Popularität, Themen oder Interessen, an Bloggen nach Altersgruppen erinnere ich mich nicht. Wahrscheinlich schwappten diese aus den USA zu uns herüber. Dort gab es schon viele Blogs, sie waren populärer als hier. Ich glaube, daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Zum Anlass des Jubiläums von »Blogs50plus« gibt es eine Blogparade: »Was motiviert euch»? An Blogparaden beteilige ich mich selten. Seit der Webmasterfriday vor ungefähr drei Jahren eingestellt wurde, eigentlich gar nicht mehr.


Die Frage danach, was BloggerInnen zu ihrem Tun motiviert, weshalb viele von uns so lange Zeit »durchhalten«, finde ich allerdings interessant.

Es gibt in Deutschland geschätzte 300.000 Blogs (Wikipedia)

Claudia Klinger bloggt schon seit 20 Jahren. Sie bloggt immer noch unter derselben URL, selbst ganz alte Beiträge findet man. Das ist schön, wenn es bei mir auch eine leise Melancholie auslöst. Es wäre halt schon schön, wenn ich nicht so viele Texte und Kommentare über die Jahre seit 2004 einfach gelöscht hätte und heute noch mal nachblättern könnte, wie ich damals über die eine oder andere Sache gedacht habe.

Viele Blogs aus der Pionierzeit der deutschen Blogsphäre gibt es nicht mehr, fürchte ich. Der Schockwellenreiter fällt mir noch ein. Natürlich gibt es einige mehr. Aus meinem direkten Bloggerumfeld sind leider viele ganz verschwunden.

konstant unbeständig

Ansonsten ist mein Feed-Reader (ja, den nutze ich immer noch gern) meine Verbindung zu den KollegInnen. Seitdem ich meine Aktivität in den sozialen Netzwerken eingestellt habe, muss ich ja irgendwie mitkriegen, was sich draußen bewegt.

Kommentare in einem Blog, dessen Design sich fast täglich ändert

Ich kommentiere nicht besonders großzügig. Eine Schwäche, zumal ich weiß, dass andere BloggerInnen sich kaum dazu angespornt fühlen werden, in einem Blog zu kommentieren, dessen Autor so wenig »Engagement« zeigt. ?

Ich bin von jeher daran gewöhnt, dass meine Beiträge eher spärlich kommentiert werden. Das teile ich aber mit vielen anderen Bloggern. Deshalb kann ich sagen, dass der Wunsch nach Kommentaren nicht zu den Motivatoren zählt, die mich dranbleiben lassen.

BloggerInnen werden in ihrem Hobby, so sie es denn als Hobby betrachten, eine komfortable, kostengünstige Methode sehen, sich selbst, ihre Hobbys oder ihre Ansichten zu präsentieren.

Ich betrachte diejenigen, die mit ihren Themen und der Art ihrer Präsentation erkennen lassen, mit Bloggen Geld verdienen zu wollen immer etwas anders betrachten, als die, die mit ihrem Blog ganz oder größtenteils werbefrei unterwegs sind. Einige Google-Ads haben viele Blogs an Bord, schon allein, weil sie ihre Blogs bei WordPress.com hosten. Dennoch, ich mag komplett werbefreie Blogs am liebsten.

Meine Motivation als Blogger / konstant unbeständig

Bisher habe ich meine Motivation fürs Bloggen immer noch nicht genannt.

Es gibt zwei wesentliche Gründe, weshalb ich nie damit aufgehört habe, obwohl mich die eine oder andere Erfahrung fast dazu veranlasst hatte:

  1. Ich mag es sehr, Redakteur, Chefredakteur und Verleger, notfalls Leser in einer Person zu sein. Keine Themenvorgaben, keine Rechenschaft für missglückte Formulierungen, kein Zeitdruck.
  2. Jede Erschütterung über Ungerechtigkeiten, eigentlich jede Emotion kann ich in einen Text ummünzen. Ob dieser nun gelingt oder nicht, ich hab’s mir von der Seele geschrieben. Das ist eine Art Selbsttherapie, die viel Frust über die Zustände in Deutschland abzubauen hilft. Außerdem hilft mir das Schreiben manchmal dabei, Haltung zu finden. Es passiert, dass ich zu Beginn eines Artikels etwas anders über das Thema denke als zum Ende hin. Das klingt nur auf den ersten Blick verrückt. Ich glaube, dass kennen manche andere BloggerInnen auch.

Mehr Motivation brauche ich nicht, um dranzubleiben. ?
Vielleicht hätte ich allerdings noch sagen müssen, dass ich einfach gern schreibe.

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