Der große Wurf oder der Griff in die Kloschüssel? Lauterbachs Verteilungsvorschlag für die Rente


Karl Lauterbach entdeckt einmal mehr die soziale Schieflage im Rentensystem – und hat damit, nüchtern betrachtet, sogar recht. Sein Vorschlag, hohe Renten zu deckeln, um kleine zu stärken, trifft einen wunden Punkt: Wer wohlhabender ist, lebt länger und kassiert folglich auch länger Rente. Wer wenig verdient hat, stirbt früher – und hat am Ende weniger vom System, in das er jahrzehntelang eingezahlt hat.

Das ist keine ideologische Marotte, sondern eine schlichte, unbequeme Wahrheit.

Und doch wirkt dieser Vorstoß wie aus der Zeit gefallen. Denn während Lauterbach an einer bekannten Stellschraube dreht, wartet das Land auf etwas ganz anderes: den großen, durchdachten Reformwurf dieser Regierung. Eine grundlegende Antwort auf die Frage, wie ein Rentensystem in einer alternden Gesellschaft überhaupt noch gerecht und tragfähig organisiert werden kann.

Stattdessen: ein weiterer Vorstoß aus der Mottenkiste sozialdemokratischer Umverteilungspolitik.

Und die SPD schickt den Salz- und Zucker-Hasser Karl Lauterbach mit einer verstörenden Renten-Reform ins TV mit. Das zeigt den Zustand der einst so stolzen Partei.

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Natürlich wird wie gewöhnlich reflexhaft protestiert. Die Empörung der vermeintlich „zu kurz Gekommenen“ ist in den Kommentarspalten schon hörbar. Dort wird so getan, als handele es sich bei der Rente um ein persönliches Sparguthaben, das man sich mühsam erarbeitet und nun unangetastet behalten müsse. Als gäbe es da ein Konto, auf dem der eigene Beitrag liegt – sauber verzinst, ordentlich verwahrt.

Nur: Dieses Konto existiert nicht.

Die Rente ist kein Sparvertrag, sondern ein Umlagesystem. Was heute ausgezahlt wird, kommt aus den Taschen derjenigen, die gerade arbeiten. Punkt. Wer das ignoriert, argumentiert nicht über Realität, sondern über Wunschvorstellungen.

Und trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn so richtig Lauterbachs Diagnose ist – der Zeitpunkt ist denkbar schlecht gewählt. Einzelmaßnahmen wie diese wirken wie hektische Pflaster auf ein System, das längst eine Operation braucht.

Die eigentliche Frage drängt sich auf: Wo bleibt der große Wurf dieser Regierung? Wo ist das Konzept, das über kurzfristige Umverteilung hinausgeht und das System insgesamt neu denkt?

Solange darauf keine Antwort kommt, bleiben solche Vorschläge das, was sie sind: richtig im Detail – aber politisch zu klein, zu spät und, ja, zur Unzeit.

4 Kommentare zu „Der große Wurf oder der Griff in die Kloschüssel? Lauterbachs Verteilungsvorschlag für die Rente“

  1. Bei der Rente gibt es zwei Geschäftsmodelle, die sich etabliert haben.
    Rentenkürzung und Rentnervergasung. Welches glaubst Du, ist kurzfristig gesehen rentabler?

  2. Die neuen Pläne zielen ja (mal wieder) auf kapitalgestützte (Alters)vorsorge ab. Dann lernen die Leute halt wieder mal, wie Börsenwetten wirklich funktionieren. Profitieren wird wieder nur eine kleine Minderheit.

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