Ein Blog ist selten ein Feuerwerk der Vielfalt. Die Themen kreisen, verdichten sich, kehren wieder. Das ist kein Mangel, sondern fast schon das Wesen dieses Schreibens: Gedanken bündeln, statt sie zu zerstreuen. Auch mit KI bleibt das so. Vielleicht sogar mehr denn je.
Inhalt
Nabelschau und ihre Kritiker
Was mich allerdings stört: wenn Kolleg*innen diese unvermeidliche Form der Nabelschau zum Anlass nehmen, andere abzuwerten. Nicht, weil sie sachlich widersprechen, sondern weil ihnen die Inhalte schlicht nicht „krass genug“, zu wenig anspruchsvoll, erscheinen. Und wenn daraus persönliche Angriffe werden – auf Alter, Geschlecht oder andere Merkmale –, dann verlässt das Ganze endgültig den Bereich legitimer Kritik. Dann wird es unerquicklich. Um es milde zu sagen.
Solche Angriffe haben wenig mit dem zu tun, was gern unter „Wokeness“ verhandelt wird. Eher scheinen sie aus einer Lust am Stören zu kommen, aus dem Bedürfnis heraus, gezielt Unruhe zu stiften. Nicht selten trifft es dabei genau jene, die ohnehin exponierter sind.
Zwischen Film und Wirklichkeit
Der TV-Film „Eine bessere Welt“ hat mich gestern bewegt, wenn auch nicht ohne Vorbehalte. In seiner Zuspitzung erschien er mir stellenweise überzogen. Die anschließende Dokumentation dagegen wirkte auf mich greifbarer, näher an der Wirklichkeit.
Vielleicht ist mein Eindruck auch geprägt von meiner eigenen Perspektive. Vielleicht nehme ich Dinge anders wahr, gewichte anders. Die Reaktion der angegriffenen Wissenschaftlerin Elena Stanat erschien mir zunächst übermäßig stark. Und doch: Diese Einschätzung ist bequem, vielleicht zu bequem.
Empfindlichkeit oder Erfahrung
Denn die Wahrheit ist: Menschen reagieren nicht im luftleeren Raum. Wer wiederholt zur Zielscheibe wird, wer Angriffe nicht nur liest, sondern aushalten muss, entwickelt eine andere Sensibilität. Was von außen wie Überempfindlichkeit wirkt, kann innen schlicht Erschöpfung sein.
Gerade im digitalen Raum wird diese Differenz oft übersehen – oder ignoriert. Stattdessen greift man schnell zum Urteil. Zu schnell.
Nachdenklichkeit als Minimum
Dass es viele gibt, die von verletzenden Kommentaren nachhaltig getroffen werden, sollte eigentlich zur Vorsicht mahnen. Oder wenigstens zur Zurückhaltung. Dass es das nicht immer tut, ist vielleicht der eigentliche Befund.
Und der bitterste.
Denn wo Nachdenklichkeit fehlt, wächst die Bereitschaft, andere kleinzureden. Oder ihnen gleich die Berechtigung ihrer Gefühle abzusprechen.
Das ist keine Debatte mehr.
Das ist ein Mangel an Haltung.

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