Kritik oder Demontage? Wenn Misstrauen zur Weltanschauung wird

Ich erinnere mich an einen Satz, den mein damaliger Chef (Inhaber) vor vielen Jahren zu mir sagte. Ich neigte dazu, Prozesse kritisch zu hinterfragen. Damals meinte er, ich würde dabei gelegentlich „das Kind mit dem Bade ausschütten“.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass darin eine wichtige Erkenntnis steckt. Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für unsere Demokratie.

Kritik ist notwendig. Sie hält Macht in Schach, verhindert Missstände, deckt sie ggf. auf und verhindert Selbstzufriedenheit. Ohne kritische Bürger (z. B. auch Influencer bei YouTube) gäbe es nicht diese lebendige Demokratie, die andererseits manchen auch überfordert. Das gilt oft auch für mich.

Doch Kritik verändert ihren Charakter, wenn sie sich nicht mehr gegen einzelne Entscheidungen richtet, sondern gegen das System selbst.

Genau diesen Eindruck habe ich inzwischen bei manchen politischen Kommentatoren. Aus nahezu jedem politischen Vorhaben wird ein weiterer Beleg dafür, dass sich Staat und Europäische Union zwangsläufig in Richtung Überwachung und Kontrolle entwickeln. Ob digitaler Euro, Vermögensregister oder neue Sicherheitsgesetze – alles scheint einem großen Muster zu folgen.

Natürlich ist Wachsamkeit angebracht. Geschichte lehrt uns, dass Freiheit selten mit einem großen Knall verschwindet. Meist wird sie Stück für Stück eingeschränkt, oft mit nachvollziehbaren Begründungen. Deshalb sollten wir jede Ausweitung staatlicher Befugnisse kritisch begleiten.

Aber ebenso wichtig ist eine andere Frage: Was bewirkt eine Erzählung, nach der demokratische Institutionen letztlich nur noch Instrumente einer immer mächtiger werdenden politischen Elite sind?

Ich fürchte, sie zerstört etwas, das eine Demokratie dringend braucht: Vertrauen.

Nicht blindes Vertrauen. Sondern das Vertrauen darauf, dass Fehler korrigiert werden können. Dass Gerichte Gesetze aufheben. Dass Wahlen Regierungen ablösen. Dass Parlamente irren dürfen und ihre Irrtümer wieder korrigieren können.

Wer jedes politische Handeln nur noch als weiteren Beweis einer längst beschlossenen Entwicklung deutet, nimmt der Demokratie genau diese Fähigkeit zur Selbstkorrektur. Aus Kritik wird Resignation. Aus Skepsis wird Gewissheit. Und aus berechtigtem Zweifel entsteht irgendwann der Glaube, das gesamte System sei nicht mehr reformierbar.

Das wäre tatsächlich der Moment, in dem wir das Kind mit dem Bade ausschütten.

Unsere Demokratie ist alles andere als perfekt. Sie ist langsam, widersprüchlich und oft frustrierend. Aber gerade diese Widersprüche sind Ausdruck ihrer Offenheit. Sie ist kein fertiges Bauwerk, sondern eine Dauerbaustelle. Wie anstrengend das ist, werden viele NRW-Urlauber auf ihrer gerade bevorstehenden Reise in den Urlaub noch einmal verstärkt vor Augen geführt bekommen.

Dieser Text ist garantiert KI-frei

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